Das Supertalent

Interview mit Paul Potts zu One Chance - Einmal im Leben

Aus dem Nichts zum Superstar: Paul Potts hat seinen großen Lebenstraum wahr gemacht. Trotzdem ist er derselbe geblieben: freundlich, bodenständig und etwas schüchtern spricht er im Exklusiv-Interview zu One Chance über sein altes und sein neues Leben.

SKIP: Ganz ehrlich: Was halten Sie selber eigentlich von Casting-Shows?

Paul Potts: Es kommt darauf an. Viele Menschen beschweren sich, wenn die Juroren nicht nett zu den Kandidaten sind - weil sie vergessen, dass es hier ja nicht nur ums Talente finden geht, sondern vor allem um die Unterhaltung des TV-Publikums. Aber es darf nicht an Mobbing grenzen. Manchen Leuten macht das aber auch Spaß: In Großbritannien gibt es einen Typen, der sich jedes Jahr wieder bewirbt, obwohl er überhaupt nicht singen kann und genau weiß, dass er jedes Mal gnadenlos verarscht wird. Der steht einfach auf das Rampenlicht. Mir gings nie darum, berühmt zu werden - ich wollte immer nur singen.

SKIP: Hat der Erfolg Ihre Einstellung zum Leben verändert?

Paul Potts: Nein, ich bin immer noch derselbe, der ich damals war. Ich habe ein schöneres Haus, aber in der gleichen Gegend. Ah, doch, etwas hat sich geändert: Ich habe letztes Jahr endlich den Führerschein gemacht! Die britischen Zeitungen haben sich darüber lustig gemacht, dass ich mir einen Gebrauchtwagen gekauft habe und keinen Neuwagen. Aber neue Autos sind so eine Geldverschwendung! Da zahlt man ein paar tausend Euro nur dafür, ihn zum ersten Mal anzustarten. Und sobald man in dem Auto einmal gefahren ist, ist es nicht mehr neu. Ich sehe da keinen Sinn drin.

SKIP: Sie sagen, dass Sie ein unsicherer Mensch sind - wie geht es Ihnen da mit dem Singen vor Publikum? Gibt ihnen Ihr Talent Sicherheit?

Paul Potts: Ich bin immer noch kein sehr selbstbewusster Mensch, und werde das wohl auch nicht mehr werden. Aber ich bin, wie ich nun mal bin und wie ich mir selber vertraut bin. Ich hatte es sehr schwer als Kind, ich wurde oft verprügelt und in der Schule gemobbt - und einer der Gründe dafür war, dass ich nicht "normal" sein wollte, sondern ich wollte ich selber sein. Und dazu hat immer auch das Singen gehört. Es ist sicher nicht einfach für mich, vor vielen Leuten aufzutreten, aber andererseits ist das Singen immer noch ein sicherer Hafen für mich, wie es das schon als Kind war.

SKIP: Sie setzen sich mittlerweile aktiv gegen Mobbing und Kindesmissbrauch ein - was wollen Sie gemobbten Kindern vermitteln?

Paul Potts: Dass sie es anders machen sollen als ich damals. Ich habe einfach versucht, es zu ignorieren. Das wird einem gemobbten Kind auch immer noch viel zu oft geraten: Kümmere dich nicht darum, lass es dir nicht nahegehen, dann wird es schon aufhören. Aber das ist komplett falsch und führt nur dazu, dass man alles in sich reinfrisst und sich immer wertloser fühlt - und das macht einen zum einfachen Opfer für noch schlimmere Arten des Missbrauches. Je wertloser man sich fühlt, desto wehrloser ist man auch.

Interview: Gini Brenner / März 2014

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