Und täglich grüßt der Alien

Interview mit Doug Liman zu Edge of Tomorrow

Er machte mit Die Bourne Identität Matt Damon zum Star, brachte in Mr. und Mrs. Smith Brangelina zusammen, und folgt nun mit Edge of Tomorrow dem Rat seiner Therapeutin: Doug Liman über Tom Cruise, seine Mutter und Schnee.

SKIP: Der Komödienklassiker Und täglich grüßt das Murmeltier ist sozusagen die Mutter aller Zeitschleifenfilme. War das eine Inspiration für Sie?

Doug Liman: Indirekt. In Und täglich grüßt das Murmeltier ist es ja immer der Wecker, der die nächste Schleife anzeigt, wir steigen aber nicht immer im selben Moment ein. Aber meine Psychotherapeutin zitiert diesen Film sehr gerne, schon seit Jahren: "Schauen Sie sich Und täglich grüßt das Murmeltier wieder an!" Sie meint damit die Grundidee, dass jemand den selben Tag wieder und wieder durchlebt, und entdeckt: Alle anderen handeln immer gleich, das einzige, was das du ändern kannst, bist du selbst. Meine Therapeutin wollte mir damit sagen, dass ich nicht versuchen soll, meine Mutter zu ändern, das ist zwecklos. Ich selbst muss mich ändern! Das erlebt Bill Murray in diesem Film. Als ich dann den ersten Drehbuchentwurf für Edge of Tomorrow gelesen habe, war ich begeistert - weil ich von diesem Konzept längst überzeugt bin (lacht).

SKIP: Was für einen Anteil haben Tom Cruise und Emily Blunt an ihren jeweiligen Rollen?

Doug Liman: Bei mir sind Casting und Schreiben sehr eng verknüpft: Wir schreiben die Rollen, finden die Schauspieler und erarbeiten erst dann die Szenen, für genau diese Darsteller. So habe ich es schon bei Die Bourne Identität gemacht: Da hatte ich kein richtiges Drehbuch, wir haben das Skript sozusagen unterwegs erfunden. Am Ende hatte ich dann zwar viele Szenen und einen Helden, der von Matt Damon verkörpert wurde, aber irgendwie passte alles nicht zusammen. Wir haben dann ein paar Szenen mit Matt nachgedreht - und plötzlich spielte er den Jason Bourne, den wir die ganze Zeit gesucht hatten! Wir haben daraufhin den ganzen Film umgeschnitten (lacht). Diesmal haben wir sicherheitshalber abgewartet, was uns Tom und Emily in den Proben anbieten. Idealerweise versteht man den Charakter ja doch, bevor man zu drehen beginnt.

SKIP: Tom Cruise ist dafür berühmt, sich am Set körperlich nicht zu schonen. War das diesmal auch so?

Doug Liman: Oh ja! Am ersten Tag haben wir eine Szene gedreht, wo die ganze Abteilung mit Bill Paxton als Drill Sergeant joggen geht. Das ist im Film übrigens Heathrow Airport, der in eine Militärbasis umgewandelt wurde. Sie können sich also vorstellen, wie groß die Kulisse war. In dieser ersten Szene joggten also alle los, gefolgt von einem Kameraauto, bis zum anderen Ende des Sets. Wir waren in Funkverbindung, weil sie mich auf die Distanz niemals gehört hätten, wenn ich „Cut!“ rufe. Und dann höre ich Tom über sein Funkmikro, wie er zu den anderen sagt: "Hey, ich bin 50 Jahre alt. Wer von euch schafft es, mich einzuholen?" Die anderen, das waren Bill Paxton, acht weitere Schauspieler und ungefähr 50 Statisten - und plötzlich kamen die alle um die Wette wieder zu mir zurückgerannt (lacht). Tom wurde zwar geschlagen von ein paar jungen, durchtrainierten Statisten. Aber er hatte binnen Minuten die ganze Mannschaft  wieder zurück zur Startposition geholt, für den nächsten Take. Und von dem Zeitpunkt war klar: Wir werden bei diesem Film keine Sekunde vergeuden. Sogar wenn ich aufs Klo musste, bin ich gerannt (lacht).

SKIP: Viele der Kampfszenen, vor allem die am Strand, wirken komplett chaotisch. Wie inszenieren Sie solche Sequenzen?

Doug Liman: Ich hatte einen fantastischen technischen Regisseur, Simon Crane, mit dem ich schon bei Mr. and Mrs Smith gearbeitet habe. Er hat schon bei Der Soldat James Ryan als Second Unit Director die ganze Strandsequenz inszeniert, er ist also vertraut mit großen Kampfszenen. Trotzdem war das die komplizierteste Szene, die ich je gedreht habe. Ursprünglich hatten wir die Gelegenheit, zwei Wochen an einem Strand zu drehen, der dem Militär gehört. Das Gelände dort sieht aus wie die Normandie, die haben dort real für die D-Day-Invasion trainiert, und bis heute wird der Strand für Übungen verwendet, also wäre das perfekt gewesen. Aber wir hatten keine Ausweichmöglichkeit bei Regen, also haben wir das Set lieber doch auf dem Studiogelände nachgebaut, Strand, Meer, alles. Das war auch die richtige Entscheidung, weil wir am Ende nicht wie geplant zwei, sondern sechs Wochen gedreht haben, bis spät in den Dezember hinein. Bei der letzten Szene hatte es über Nacht geschneit, und Simon sagte zu mir: "Ich glaube, Mutter Natur will uns mitteilen, dass wir mit diesen verdammten Strandszenen endlich fertig werden müssen." (lacht)

Interview: Magdalena Miedl / März 2014

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