Klassiker

Interview mit Timothy Spall zu Mr. Turner - Meister des Lichts

Charakterkopf Timothy Spall übertraf sich als britischer Maler William Turner in Mike Leighs Mr. Turner selbst - dafür gab es den Darstellerpreis.

SKIP: Überzeugend "malen spielen" ist schwer. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Timothy Spall: Ich habe zwei Jahre vor Beginn der Dreharbeiten tatsächlich malen gelernt, bei einem brillanten englischen Porträtmaler namens Tim Wright. Theoretisch hab ich mich vorbereitet, in dem ich alles an Büchern über Turner las, was ich finden konnte. Und eines half: Turner war ein komisch aussehender, dicker kleiner Mann, genauso wie ich (lacht).

SKIP: Turners Privatleben war ganz schön verwickelt ...

Timothy Spall: Genie präsentiert sich eben nicht unbedingt in romantischer Verpackung. Die meisten Genies sind voller innerer Konflikte. Turner stammte aus der Arbeiterklasse und hatte diese große, poetische Seele. Da ist ein Widerspruch zwischen der Raubeinigkeit dieses Mannes, der nicht weiß, wo er mit der Liebe in seinem Herzen hinsoll, und dem beeindruckenden visuellen Genie.

SKIP: Im Film kommunizieren Sie oft nur durch Grunzen …

Timothy Spall: Das ergab sich aus diesem instinktiven, emotionalen, intellektuellen Mann, der eine Milliarde Dinge zu sagen hatte, aber nicht verbalisieren kann. Er hat so viel auf dem Herzen, aber statt es auszuformulieren, bringt er nur ein "Hrrrrrm!" raus. Sie kennen das Geräusch, wenn jemand ein Niesen unterdrückt, statt genussvoll quer durch den Raum zu niesen? Das ist die Kunst von Turners Grunzen (lacht).

Interview: Magdalena Miedl / Mai 2014

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