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Interview mit Tommy Lee Jones zu The Homesman

Man sagt ihm nach, er sei wie ein verkohltes Steak: knallhart und knochentrocken. Als der Grumpy Old Man Hollywoods in Cannes seine zweite Kino-Arbeit, The Homesman, präsentierte, gab er sich aber um ein Jota jovialer.

SKIP: Das ist Ihr zweiter Kinofilm als Regisseur ...

Tommy Lee Jones: Der vierte! 

SKIP: Naja, waren die anderen nicht fürs Fernsehen? 

Tommy Lee Jones: Ich mache da keinen Unterschied. Schließlich verwenden wir ja auch dieselben Kameras.

SKIP: Gut, also vier Filme - aber bereuen Sie, dass Sie nicht früher in Ihrer Karriere damit begonnen haben?

Tommy Lee Jones: Ich hätte schon gerne Gelegenheiten zum Regieführen gehabt, als ich noch jünger war. Und ich würde gerne noch lange weitermachen damit. Aber bereuen tu ich sowieso nie etwas, nein.

SKIP: Was hat Sie an dieser Geschichte so fasziniert, dass Sie dafür wieder auf dem Regiestuhl Platz genommen haben?

Tommy Lee Jones: Es war ihre Originalität. Wir verbringen ja alle unser Leben mit dem Wunsch, so etwas wie Einzigartigkeit zu erreichen - und bei dieser Geschichte wusste ich, würde uns da ein Film gelingen, dann wäre das einer, wie ihn noch niemand gesehen hat.

SKIP: Die Frauen im Film haben schwere psychische Schäden - sind es das Land und die Umstände, die sie krank machen?

Tommy Lee Jones: Ja, sicher. Man muss sich vorstellen, diese Einwanderer kamen mit viktorianischen Erwartungen an, die unweigerlich enttäuscht wurden. Viktorianische Frauen sollten hübsch sein, zuhause arbeiten und Kinder aufziehen. Doch in den Grasebenen Nordamerikas gibt es kaum Bäume, Holz war selten und teuer, also mussten sie in dreckigen Häusern aus Lehm wohnen, oder sie lebten überhaupt in einem Loch in der Erde. Diese Frauen wurden nicht nur nicht umsorgt, die mussten die ganze Zeit hart arbeiten, von der Morgendämmerung bis nach Einbruch der Dunkelheit, bei jedem Wetter, und das an einem Ort, an dem es definitiv keine Teegesellschaften gab, keinen Tanz, keinerlei Sozialleben. Also keine Freundschaften, ganz bestimmt kein Penicillin und eine Kindersterblichkeit von 65%. Es war also eine gewaltige Enttäuschung für jemanden, der mit der freudigen Absicht ankam, die Wildnis zu zivilisieren und zu christianisieren und am Ende in einem friedlichen, freien Land zu leben.

SKIP: Meryl Streep ist in einer Gastrolle zu sehen - wie haben Sie sie dafür gewonnen?

Tommy Lee Jones: Über ihre Tochter Grace Gummer (die eine tragende Nebenrolle in The Homesman spielt, Anm.). Bei irgendeinem beruflichen Treffen sagte Meryl zu mir: "Gracie hat mir dein Drehbuch geschickt, das ist ja schrecklich gut!" Ich bedankte mich sehr herzlich, und sie meinte, "Gibt es eine Chance, dass ich diese alte Dame am Ende spielen könnte?" Und ich sagte. "Nun, ich überleg mir das", ging um die nächste Ecke und sprang heimlich in die Luft vor Freude.

SKIP: Viele Schauspieler, die Regie führen, denken mehr über die Interpretation, über das Schauspiel nach als über die technischen Aspekte. Wie technisch denken Sie, wenn Sie Regie führen?

Tommy Lee Jones: Auf einer Skala von 0 bis wieviel?

SKIP: Ich weiß nicht, auf welcher Skala, aber machen Sie sich viele Gedanken über Brennweiten etc.?

Tommy Lee Jones: Ja, das tu ich. Ich kontrolliere das zu 100 Prozent.

SKIP: Sie kontrollieren alles?

Tommy Lee Jones: Äh ... ja. Wenn ich einen Film mache und nicht alles selbst kontrolliere, dann kontrolliere ich zumindest den, der es kontrolliert.

Interview: Kurt Zechner / Mai 2014

1 Kommentar

tommy lee jones ist immer eine klasse für sich

tommy lee jones ist immer eine klasse für sich. ob als schauspieler oder regisseur.

25. Dezember 2014
14:16 Uhr

von Movie Fan 21810

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