Toi toi toi

Interview mit Simon Pegg zu Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück

In Hectors Reise ist er dem Glück auf der Spur, privat hat er es längst gefunden: als Ehemann und Vater einer vierjährigen Tochter, als Schauspieler und Filmemacher in Europa und nicht zuletzt als Brit-Nerd vom Dienst in Hollywood. SKIP hat Simon Pegg in Berlin getroffen.

SKIP: Wie sehr können Sie sich mit Hector identifizieren?

Simon Pegg: Es ist mir relativ leicht gefallen, zu Hector eine Verbindung herzustellen. Ich bin aber sicher offener als er, mehr im Reinen mit mir selber als er es am Beginn des Films ist. Hector spürt, dass irgendwas falsch läuft, und glaubt, das liegt an seinen nicht zufriedenzustellenden Patienten, aber er selbst ist der Grund. Und je befreiter er im Laufe seiner Reise wird, umso mehr kann ich mich mit ihm identifizieren. Überhaupt ist es sehr angenehm, jemanden zu spielen, der etwas über sich selbst erfährt.

SKIP: Haben Sie auch etwas erfahren bei diesem Film, über das Glück oder über sich selber?

Simon Pegg: Ich muss sagen, ich war eigentlich schon immer recht glücklich, auch in meiner Kindheit. Aber wenn man ein Kind ist, ist es ja viel einfacher, glücklich zu sein, weil man ja eigentlich nicht danach streben muss, wie man das später vielleicht tut. Für Kinder sollte Glück ja der Normalzustand sein.

SKIP: Und die Kunst ist, sich das zu bewahren, wenn man erwachsen wird?

Simon Pegg: Spätestens, wenn man von zuhause auszieht und fürs eigene Leben plötzlich nicht mehr die Eltern verantwortlich sind, wirds haarig. Aber ich kann jetzt mit 44 wirklich sagen, das ich glücklich bin. Ich würde sogar sagen, dass mein Glückszustand ein nachhaltiges Ausmaß erreicht hat.

SKIP: Dann verraten Sie uns doch bitte Ihr Geheimnis!

Simon Pegg: Kein Geheimnis, es ist in Wahrheit ganz banal: Man muss glücklich aufwachen. Tut man das nicht, wird man wohl nie wirklich glücklich sein. Man kann sich zwar Luxus und Vergnügungen gönnen oder sich betrinken - aber das sind immer nur kurzfristige Ablenkungen. Ein Rausch ist vielleicht das beste Beispiel: Auf die Euphorie folgt der Kater. Und wichtig ist eben nicht der kurzfristige Glückszustand, sondern das, was danach kommt, die Normalität.

SKIP: Eine von Hectors Notizen lautet: Dem Unglück aus dem Weg zu gehen, ist nicht der Weg zum Glück.

Simon Pegg: Das ist vielleicht die wichtigste Maxime, die man aus dem Film mitnehmen sollte. Zum Glücklichsein gehört auch, die andere Seite zu kennen. Viele Menschen tendieren ja dazu, gar nicht wahrzunehmen, dass sie glücklich sind oder sein könnten. Und dann verbringen sie ihr Leben mit der verzweifelten Suche nach dem Glück.

SKIP: Sind Sie in jungen Jahren, nach der Schule beispielsweise, selber mal auf eine längere Reise gegangen, zur Selbstfindung?

Simon Pegg: Nein, gar nicht, ich bin erst mit 19 Jahren das erste Mal überhaupt aus Großbritannien rausgekommen. Darüber bin ich rückblickend immer noch erschüttert! Mittlerweile habe ich das gottseidank aufgeholt dank meines Berufes.

SKIP: Aber von vielen Plätzen, die Sie bereisen, kriegen Sie wahrscheinlich kaum etwas mit, oder?

Simon Pegg: Auf Promo-Tour ist das oft schwierig, ja, aber für Hectors Reise waren wir jeweils drei bis vier Wochen im Land, in China, Tibet, Südafrika, und das großteils an Orten, die man als Tourist gar nicht besuchen würde. Und wir haben dort ja nicht ununterbrochen gearbeitet, sondern richtig gelebt.

SKIP: Welcher Ort war am interessantesten?

Simon Pegg: Am liebsten sind mir eigentlich die Erinnerungen an Johannesburg. Ich habe dort - so wie Hector auch - ein gewisses Glücksgefühl verspürt. Oder besser gesagt diesen Zusammenhang zwischen Glück und Unglück, Unsicherheit, Angst erlebt. In den Townships herrscht Armut in unvorstellbarem Ausmaß. Und die Apartheid ist natürlich auch noch längst nicht verschwunden, politisch vielleicht, aber nicht im Alltag. Aber ich habe in dem Township, in dem wir gedreht haben, mehr Freude und Glück erlebt als in allen weißen Überflussgegenden zusammen. Da sind wir wieder bei der Erkenntnis, dass es das eine nicht ohne das andere geben kann.

SKIP: Hector steht gegen Ende seiner Reise etwas verloren zwischen dem Hier und Jetzt und dem, was hätte sein können. Passiert Ihnen das auch manchmal?

Simon Pegg: Gar nicht! Wenn man glücklich ist, lebt man ganz automatisch im Hier und Jetzt. Was wäre wenn, was hätte sein können - das bedeutet nichts, es ist unrealistisch.

SKIP: Wenn Hollywood einen britischen Nerd für eine Nebenrolle braucht, hat man Sie offenbar als Kurzwahlnummer gespeichert. Geht Ihnen das schon auf die Nerven?

Simon Pegg: Aber nein, das ist wunderbar. Ich bin bei Mission: Impossible und Star Trek dabei - und ich habe daneben meine eigenen Projekte. Wenn meine Karriere nur aus diesen Blockbustern bestünde, wäre es etwas anderes, aber ich kann mich ja abseits davon völlig ungestört verwirklichen, und das ist ein sehr großes Glück.

Interview: Dina Maestrelli / Juni 2014

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