Don John

Interview mit John Turturro zu Plötzlich Gigolo

Wer aus Woody Allen einen Zuhälter macht, muss es faustdick hinter den Ohren haben: Dass nicht nur John Turturro selbst eine entscheidende Rolle beim filmischen Tête-à-tête in Plötzlich Gigolo gespielt hat, verriet uns der Darsteller und Regisseur im SKIP-Interview.

SKIP: Wer kam auf die Idee, ein gemeinsames Projekt über einen Hobby-Gigolo zu machen: Woody Allen oder Sie?

John Turturro: Keiner von uns beiden: Es war mein Friseur Anthony (lacht)! Er schneidet nämlich zufällig auch die Haare von Woody und war der festen Überzeugung, dass wir beide unbedingt einmal etwas zusammen machen sollten. Bei einem Abendessen mit einem guten Freund habe ich dann einmal aus Scherz gesagt: "Stell dir vor, wir wären im Sex-Business!" Wir haben uns beide halb totgelacht und so war die Idee für den Film geboren. Anthony hat dann den Vermittler gespielt, als Woody zufällig nachgefragt hat, was ich momentan so tue. Ich war ziemlich von den Socken, als er sich mit mir verabredet hat, um über das Projekt zu sprechen. Ich habe ihm meine Ideen erzählt und er hat mir ziemlich direkt gesagt, was er lustig oder weniger lustig findet, und gab mir den Rat, einfach ein Drehbuch zu schreiben, auf das er mir ein Feedback geben würde.

SKIP: Und wie ist dieses Feedback ausgefallen?

John Turturro: Ehrlich gesagt ziemlich vernichtend. Die ersten Drehbuchfassungen hat er überhaupt nicht gemocht. Woody kommt ja aus dem Stand-up-Bereich und ist auch gegenüber seinem eigenen Schaffen sehr kritisch: Sein Feedback war deshalb auch immer sehr direkt und unheimlich brutal. Er hat mich allerdings nie entmutigt und ich war mir sicher, dass ich ihn dazu bekommen würde als Darsteller mitzuwirken. Nach einigen Drehbuchentwürfen hat es ihm dann sichtlich Spaß gemacht sich mit mir auszutauschen und er hat mich gefragt, ob ich bei einigen Stücken am Broadway Regie führen möchte, die Elayne May, Ethan Cohen und er geschrieben hatten. Während der Arbeit daran habe ich ihn dann ziemlich gut kennengelernt. So kam das Projekt ins Rollen.

SKIP: Für eine Sex-Komödie geht der Film ja sehr subtil mit dem Thema Sexualität um. War es da nicht schwierig, eine Finanzierung zu bekommen, gerade weil er nicht unbedingt der Erwartungshaltung entspricht?

John Turturro: Man kann sich gar nicht vorstellen, dass zu wenig Sex ein Problem sein könnte, aber es ist tatsächlich so! Die meisten Geldgeber stellen sich beim Thema irgendetwas Schmutziges und Provokantes vor, aber ich wollte den Film nie in diese Richtung lenken. Sie waren ganz besessen von der Idee, einen Film über einen flotten Dreier zu machen. Ich hab sie dann ernsthaft gefragt: "Wie soll ich einen ganzen Film über einen Dreier machen? Der wird nur 10 Minuten lang!" Aber am Ende haben sie eingesehen, dass der Film nur funktionieren kann, wenn die Figuren auch die nötige Tiefe besitzen.

SKIP: Dafür sorgt ja auch die Love-Story zwischen Ihrer Filmfigur Fioravante und der chassidischen Jüdin, die von Vanessa Paradis gespielt wird. Wie kamen Sie gerade darauf?

John Turturro: Ich habe das eher zufällig entschieden, aber mir gefiel die Idee, weil in meiner Nachbarschaft eine große chassidische Gemeinschaft existiert, mit der ich mich immer mal näher beschäftigen wollte. Dort sind vor allem viele junge Frauen ohne Kinder, mit denen ich mich unterhalten habe und die mich dazu inspiriert haben. Ich denke, wenn man einen Film über Sex und Intimität macht, gehört auch Religion dazu: Es ist ein ideales Hindernis, das eine Figur überwinden muss.

SKIP: Gabs denn noch andere pikante Begegnungen von Fioravante, die es nicht in den Film geschafft haben?

John Turturro: Oh ja. Dazu muss ich etwas ausholen: Ich mochte schon immer Filme über Nonnen. Ihre Darstellung schien mir immer sehr sinnlich, gerade weil in ihrem Umfeld meist alles unterdrückt wird. Ursprünglich hatte ich auch eine Nonne im Film, eine ältere Dame im Ruhestand, die mit 80 Jahren noch Jungfrau ist und zum Ende ihrer Tage beschließt diesen "Umstand" zu ändern, aber leider war dafür nicht genug Platz im Film. Das kommt dann aber spätestens im Sequel (lacht)!

Interview: David Rams / März 2014

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