One last trip

Interview mit Florian David Fitz zu Hin und weg

Der Ice Bucket Challenge sei Dank, ist das Thema ALS derzeit in aller Munde. Was die Diagnose aber für den einzelnen Betroffenen und sein Umfeld bedeuten kann, versucht der Film Hin und weg nachzuzeichnen. SKIP hat sich mit Hauptdarsteller Florian David Fitz über den Wert von Freundschaft und interessante Grenzerfahrungen unterhalten.

SKIP: Die in Hin und weg thematisierte Krankheit ALS war in den letzten Wochen durch die Ice Bucket Challenge omnipräsent. Ist das deiner Meinung nach für den Film eher Fluch oder Segen?

Florian David Fitz: Ob das dem Film hilft, weiß ich nicht. Auf jeden Fall ist es so, dass den Leuten die Krankheit nun natürlich mehr sagt. Ich wusste davon vor meinen Recherchen auch nicht viel.

SKIP: Auf welche Art und Weise hast du dich mit der Krankheit denn im Vorfeld des Drehs auseinandergesetzt? Hast du mit Betroffenen gesprochen?

Florian David Fitz: Das fände ich bei ALS ehrlich gesagt etwas krass. Bei diesem Krankheitsbild ist es meiner Meinung nach eher zynisch, daherzukommen und zu fragen: "Ich bin Schauspieler, jetzt erzähl mal, wie ist das so?" Wir haben uns aber in Berlin in der Charité mit einer Koryphäe auf diesem Gebiet getroffen und sehr viel erfahren.

SKIP: Deine Figur im Film befindet sich aber noch vor dem Stadium, in dem es schlimm wird?

Florian David Fitz: Ja, definitiv. Die Handlung sollte zu einem Zeitpunkt ansetzen, an dem die Freunde die Krankheit noch nicht klar sehen können. Tatsächlich ist es bei ALS so, dass man Stück für Stück die Kontrolle über seinen Körper verliert. Da hast du dich eventuell grad erst dran gewöhnt, dass du dir den Pullover nicht mehr selber anziehen kannst - und in der nächsten Woche kannst du womöglich schon die linke Hand nicht mehr verwenden. Das ist das, was so niederschmetternd dran ist. Und genau das möchte meine Figur Hannes nicht erleben. Er hinterfragt, warum er denn auf Raten sterben soll, möchte die Entscheidung über Leben und Tod lieber selber treffen, so lange das noch möglich ist.

SKIP: Wie würdest du an seiner Stelle agieren?

Florian David Fitz: Ich weiß nicht, ob ich die Kraft und den Mut hätte, mein Leben vorzeitig zu beenden. Es geht in dem Film aber auch gar nicht primär um die Durchdeklinierung davon, wie man sich umbringt, sondern darum, was man dem Leben noch einmal abgewinnen kann. Die Frage ist die: Kann man unter diesen Umständen noch ein wirklich schönes Ende, und zwar zusammen mit allen Freunden, finden?

SKIP: Ist Hin und weg dabei letztlich nicht auch ein Film über den Wert von Freundschaft? Und über die Grenzen von Freundschaft?

Florian David Fitz: Ich glaube tatsächlich, dass das vielmehr die Fragen sind, die der Film stellt, Fragen, die durch so eine existentielle Situation aufgerissen werden. Der krasseste Konflikt ist ja der zwischen Hannes und seiner Frau - weil sie seine Entscheidung ja gleichsam mittragen muss. Man versteht sie ja nur zu gut und denkt sich: Mein Gott, was verlangt der von ihr? Ich verstehe aber wirklich beide Seiten. Letztlich müssen und wollen sie zusammen einen Weg finden.

SKIP: Du hast vor ein paar Jahren ja auch schon mal einen Tourette-Patienten gespielt (in Vincent will Meer, Anm.). Hast du da keine Angst, dass dich manch einer langsam mit einem gewissen Kranken-Rollenbild assozieren könnte?

Florian David Fitz: Das Tourette ist natürlich eine weit expressivere Krankheit als ALS in diesem Stadium. Hier spürt man eher, dass einer mit Müh und Not seinen Körper noch zusammenhält und kontrolliert. Das erfordert ein anderes, feineres Spiel. Ich habe diesbezüglich also keine Angst. Das ist was Spannendes zum Spielen, man macht da interessante Grenzerfahrungen. Ich habe da natürlich eine Luxussituation, ich darf ja nachher wieder gesund sein.

SKIP: Du hast deine Schauspielausbildung in den USA gemacht. Ist es irgendwann in der Zukunft mal ein Ziel von dir, auch dort Fuß zu fassen?

Florian David Fitz: Nein! (lacht) Das kann kein Ziel per se sein, das Ziel ist tatsächlich immer, so schön wie möglich zu spielen. Wie ich das erreiche, ist mir egal - ob das nun hier oder dort ist. Natürlich ist das schon eine Weltaufmerksamkeit da drüben. Mittlerweile hat man aber auch so ein bisschen ein Gespür bekommen, was so eine Aufmerksamkeit bedeutet. Da stellt sich eben schon auch die Frage, ob sich das mit einem gesunden Leben vereinbaren lässt.

Interview: Christoph Prenner / September 2014

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