Helden auf Twitter

Interview mit Emma Stone zu Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

In Birdman spielt die Ex-Superheldenfilmdarstellerin (The Amazing Spider-Man) die Tochter eines ehemaligen Superhelden-Darstellers, gespielt von Ex-Batman Michael Keaton. Zum Interview erschien Emma jedenfalls vor allem wie immer mit Super-Charme.

SKIP: Die Verbindung von Batman und Birdman ist offensichtlich. Sie selbst waren noch dazu in zwei Amazing Spider-Man-Filmen zu sehen, Edward Norton war der unglaublich Hulk ... War die Stimmung am Set sehr superheldenhaft?

Emma Stone: Eigentlich gar nicht! Ich habe ein bisschen mit Michael Keaton über Batman geredet, aber das wars. Seltsam eigentlich. Denn irgendwie hatte das Ganze schon eine gewisse Meta-Ebene.

SKIP: Michael Keaton und Edward Norton spielen beide sehr exponierte Rollen, ihre Performances sind teilweise wirklich gewagt …

Emma Stone: Ja, total, es war beeindruckend. Edward ist absolut unglaublich in dem Film. Und Michael - Birdman ist eine seiner besten Performances aller Zeiten. Ihm zuzuschauen hat mir echt den Atem geraubt. Ich wusste oft gar nicht, was geschieht.

SKIP: Es geht im Film viel um Schauspieler-Egos und ihre Allüren - ist Ihnen das sehr vertraut?

Emma Stone: Oh ja, absolut (lacht). Und was ich auch sehr gut kenne, ist diese Dualität zwischen dem, was man ist, und dem, was die Öffentlichkeit in einem sieht. Was die Leute über dich denken, wird manchmal wichtiger als das, was du über dich selbst denkst.

SKIP: Im Film manifestiert sich das auch viel über Social Media …

Emma Stone: Ja, und das ist eine so eigenartige Art des Dialogs! Man sagt irgendwas, und Leute, die man überhaupt nicht kennt, kommentieren zurück. Ich finde das eher bedrohlich.

SKIP: Sie sind nicht auf Twitter?

Emma Stone: Nein, das würde mich überfordern, diese ganzen gesichtslosen Reaktionen von so vielen Menschen. Aber es wirkt andererseits auch aufregend, mit dieser Doppelwelt verbunden zu sein. Und es ist natürlich lustig, wie viele Leute glauben, dass sie diese Präsenz unbedingt haben müssen, um auf der Welt zu existieren. Sie verbringen manchmal sogar den Großteil ihres Tages damit. Sie hängen die ganze Zeit über ihren Phones und denken an die ganzen Leute, denen sie antworten müssen (lacht).

SKIP: Sie sind ja jemand, der das Privatleben, Ihren Alltag, überhaupt nicht öffentlich macht.

Emma Stone: Für mich gibts einfach eine natürliche Trennung zwischen dem, womit ich mein Geld verdiene, und wie ich mein Leben lebe. Das überschneidet sich eigentlich nur, wenn gerade ein Film herauskommt, ich Interviews gebe und sich alle auf einmal ganz fürchterlich für mich zu interessieren scheinen. Aber auch da versuche ich, so weit es geht beim Thema Kino zu bleiben. Allerdings passierts manchmal schon, dass Leute mich bis zur Haustür verfolgen … das wird dann eher unangenehm.

SKIP: Sie sind seit Ihren Teenager-Jahren im Showbiz. Inwiefern hat sich Ihre Sicht des Berufs mittlerweile verändert? Ist aus dem Hollywood-Märchen nun Realität geworden?

Emma Stone: Realität würde ich eher nicht sagen, eher "seltsame, bizarre Gegenwelt" (lacht). Es fühlt sich überhaupt nicht wirklich an. Es passiert so viel Irreales, ich bekam Gelegenheiten, von denen ich nie zu träumen gewagt hätte - wie etwa jetzt mit Alejandro Iñárritu oder nun schon zum zweiten Mal mit Woody Allen arbeiten zu können. Ich hätte mir nie gedacht, dass ich so etwas einmal erleben würde.

SKIP: Machen Sie sich Sorgen, dass es mit Ihrer Karriere irgendwann vielleicht einmal nicht mehr so gut laufen wird, ein Gedanke, der in Birdman ja auch sehr präsent ist?

Emma Stone: Oh nein, Sorgen mach ich mir keine - denn ich weiß ganz sicher, dass das so sein wird. Es wird sicher nicht so bleiben, wie es jetzt ist. Gerade darin liegt aber auch etwas sehr Tröstliches, weil man dann in meinem Job nie Gefahr läuft, sich selbst wirklich zu ernst zu nehmen. Denn man weiß ganz genau: Es steht immer eine hinter dir, die noch viel besser ist als du.

Interview: Kurt Zechner / August 2014

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