Schön wie ein Roman

Interview mit James Franco zu The Sound and the Fury

In Venedig präsentierte James-in-allen-Gassen Franco schon wieder einen neuen Film, im SKIP-Interview gings um Buchvorlagen, Diktatoren und Twitter-Unfälle.

SKIP: He, seit wir uns zuletzt getroffen haben, haben Sie aber ganz schön Haare gelassen (Franco hat eine Glatze, Anm.)!

James Franco: Ja, aber nicht, weil ich am Red Carpet unbedingt auffallen will (lacht). Es ist für einen Film. Ich schlage nämlich hier in Venedig zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstens bin ich hier, um The Sound and the Fury zu promoten, andererseits drehe ich hier auch ein paar Szenen für meinen Film Zeroville, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Steve Erickson. Da gehts um die Filmindustrie in den 70ern und 80ern, und meine Figur besucht ein Filmfestival. Im Buch ist es zwar Cannes, aber wir fanden Venedig schöner.

SKIP: Auch The Sound and the Fury ist ja eine Literaturverfilmung, eines bekannten Romans von William Faulkner.

James Franco: Ja, und der Grund, warum ich es unbedingt machen wollte, ist simpel: weil ich dieses Buch sehr liebe - und wusste, dass es verdammt schwer werden würde, es zu verfilmen.

SKIP: Ihre Kollegen aus The Sound and the Fury schwärmen in den höchsten Tönen von der Zusammenarbeit mit Ihnen - so sehr, dass es fast schon verdächtig wirkt.

James Franco: (lacht) Manche Regisseure lieben es, hinter der Kamera ihre Kämpfe auszufechten. Sie glauben, dass sie das besser macht - vielleicht haben sie recht. Ich jedoch will Spannung nur auf der Leinwand sehen. Und deshalb arbeite ich nur mit Leuten, von denen ich weiß, dass ich nicht mit ihnen um das kämpfen muss, was ich von ihnen will. Ich nehme übrigens auch prinzipiell keine Rollen an, wenn ich weiß, dass ich mich mit dem Regisseur nicht gut verstehe.

SKIP: Mit Ihren Mitarbeitern wollen Sie nicht streiten, aber den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un haben Sie ziemlich verärgert: In The Interview spielen Sie und Seth Rogen zwei Journalisten, die ein Attentat auf ihn planen.

James Franco: Ohje, ich will jetzt wirklich nicht schwierig sein, aber ich habe einen Vertrag mit der Filmfirma unterschrieben und darf da wirklich gar nichts mehr drüber sagen. Und glauben Sie mir: Die Filmfirmen sind sowas von noch viel brutaler als Kim (lacht).

SKIP: Apropos brutal: Die Presse hat Sie nach einigen Tweets mit einem jungen Fan ziemlich in die Mangel genommen. Wie stehen Sie seitdem zu Social Media?

James Franco: Wissen Sie, eine der wichtigsten Währungen heutzutage ist Aufmerksamkeit. Und ich bekomme ziemlich viel davon auf Instagram und Twitter. Das gibt mir eine gewisse Macht: Ich kann direkt mit Menschen kommunizieren, die sich dafür interessieren, was ich mache. Da muss ich die Nachteile wohl auch in Kauf nehmen.

Interview: Kurt Zechner / September 2014

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