Flirty Diane

Interview mit Diane Keaton zu Das grenzt an Liebe

Bestens gelaunt, im Markenzeichen-Nadelstreif mit gepunkteten Socken und karierten Fingernägeln: Oscarpreisträgerin und Modeikone Diane Keaton  empfing beim Zürich Filmfestival stilvoll im Luxushotel. Anlass war der Golden Icon Award, den sie hier für ihr Lebenswerk bekam - und die fröhliche Romantikkomödie Das grenzt an Liebe, in der sie das harte Herz von Michael Douglas erobert.

SKIP: Sie sind eine der wenigen Schauspielerinnen, die zugeben, gerne vor der Kamera zu küssen.

Diane Keaton: Wie, die anderen behaupten, sie tun es nicht gerne? Blödsinn, die geben es nur nicht zu!

SKIP: An welchen Filmkuss erinnern Sie sich am liebsten?

Diane Keaton: Schwer zu sagen. Je älter ich werde, desto mehr genieße ich die Küsserei, weil das leider in meinem Leben seltener und seltener passiert. Ich liebe es wirklich. Morgan Freeman (der in dem Drama Ruth & Alex Keatons Ehemann spielt, Anm.) war der letzte, den ich geküsst hab, der kriegt die Note 1. Michael Douglas aber auch! Inzwischen kriegen alle die Bestnote, gebe ich zu. Als ich jünger war, so um die 40, da war ich noch strenger (lacht).

SKIP: War das romantisch mit Michael oder großer Spaß?

Diane Keaton: Es war Spaß, keine Romanze, nein. Er ist ja auch noch verheiratet! Und er ist ein netter Typ. Und nicht interessiert an mir.

SKIP: Sie sehen fantastisch aus und sind auf dem Roten Teppich - oder auf dem Grünen hier in Zürich - immer speziell, immer anders als die anderen gekleidet.

Diane Keaton: Ja, anders, da haben Sies, das bin ich! (lacht) Das habe ich immer hinbekommen, das stimmt. Ich geh gerne einkaufen, ja, ich schaue auch gerne Modemagazine durch und ich liebe Pinterest. Eigentlich hab ich hier in Zürich auch vor, in ein Vintage-Geschäft zu gehen, auf Twitter hat mir eine Zürcherin einiges empfohlen. Hoffentlich ist genug Zeit! Den Flohmarkt hab ich ja leider schon verpasst.

SKIP: Was mochten Sie an der Story von Das grenzt an Liebe?

Diane Keaton: Mich hat vor allem gereizt, dass ich singen durfte, und dass ich endlich mal mit Michael Douglas arbeiten konnte. Und ich mag Regisseur Rob Reiner. Ich mochte am Drehbuch, dass mein Charakter eine Frau ist, die jemanden braucht, der sie aufstachelt, der ihr sozusagen Pfeffer untern Arsch reibt, sodass sie zu kämpfen beginnt. Sie hat bis dahin schon fast aufgegeben. Ich mag es, Frauen zu spielen, die nicht aufgeben.

SKIP: Sie wirken auch wie eine Frau, die nicht Angst hat, älter zu werden, anders als viele ihrer Kolleginnen.

Diane Keaton: Ich wüsste ja nicht, was ich dagegen tun soll! Es passiert ja jedem und jeder von uns. Wenn wir das Glück haben, überhaupt älter zu werden, da denke ich mir, wie sollte ich anders damit umgehen? Es bringt nichts, das Alter zu leugnen.

SKIP: Als Leah sind Sie in diesem Film sehr emotional, Sie fangen ständig an zu weinen. Sind Sie auch so nah am Wasser gebaut wie Leah?

Diane Keaton: Oh durchaus, auch wenn es nicht ständig so rauskommt. Musik reizt mich besonders zum Heulen, wenn ich Musik höre und den Song auch nur irgendwie mag … es gibt da eine neuen Song von John Legend, eine große Ballade, und ich bin ganz verliebt in diesen Song. Es braucht nicht viel für mich, um mich berühren zu lassen.

SKIP: Haben Sie an der Rolle der Leah ein bisschen mitgeschrieben?

Diane Keaton: Oh ja, sogar einiges! Das Drehbuch war an sich fertig, als ich es bekam. Aber da hatte Leah einen Job, den ich fürchterlich fand. Ich will keine Frau sein, die Wandteppiche bestickt, das ist schrecklich, diese Frau ist schon passiv genug! Viel besser wäre es doch, wenn sie Sängerin wäre, damit ich nämlich auch zum Singen komme, nicht? (lacht) Kann ich da nicht bitte eine Person spielen, die noch Wünsche hat, eine dieser Ladies, die jeden Montag in einem Club singen möchte, einfach weil sie so gerne singt, wissen Sie? Lasst mich das doch versuchen! Zum Glück hat mir Rob Reiner das ermöglicht.

SKIP: Fühlen Sie sich bei solchen Forderungen heute freier als in jüngeren Jahren?

Diane Keaton: In manchen Aspekten, sicherlich, ja. Es ist immer ein hin und her, manche Dinge ändern sich zum besseren, manche zum schlechteren. Ich weiß mittlerweile, wie es läuft, und bevor ich mit Filmemachern zusammenarbeite, sag ich ihnen: "Hey, das ist, was ich kann, und bei jenem bin ich einfach nicht gut, also erwartet das auch nicht von mir." Damit schütze ich mich selbst, denke ich mir, aber vielleicht ist das auch dumm. Immerhin: Hier darf ich singen!

Interview: September 2014

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