Schneepflug ohne Tabu

Interview mit Stellan Skarsgård zu Einer nach dem Anderen

In der Thrillerkomödie Einer nach dem anderen spielt der großartige Stellan Skarsgård einen verzweifelten Vater. Im SKIP-Interview gings um Schnee, schwarzen Humor und darum, dass man sich vor den Guten immer mehr in Acht nehmen muss.

SKIP: Wie war es, diesen riesigen Schneepflug zu steuern?

Stellan Skarsgård: Fantastisch. Ich bin ja normalerweise nicht so ein Outdoor-Typ, und Schneemassen und Kälte mag ich auch nicht besonders - aber das hatte echt was. 38 Tonnen mit 70km/h direkt in eine 2 Meter hohe Schneemauer zu lenken, WHOOM! In einer Szene durfte ich sogar selber mit dem Schneepflug ein Auto crashen. Dafür hab ich im Abspann einen Extracredit als "Stunt driver" bekommen.

SKIP: Einer nach dem anderen ist ein sehr sehr zynischer und schwarzhumoriger Film. Das ist ja etwas, was Sie recht gerne mögen, nicht wahr?

Stellan Skarsgård: Ja, auf jeden Fall, ich liebe schwarzen Humor. Ich finde ja auch, man sollte über wirklich alles Witze machen dürfen - je mehr Tabus damit verletzt werden, um so besser! Aber bei diesem Film ist es ja so, dass meine Figur gerade durch die Tatsache, dass sie etwas macht, was tabu ist - Leute umbringen nämlich - ihre Menschlichkeit zeigt, in all ihrer Schwäche.

SKIP: Können Sie als Vater von acht Kindern nachvollziehen, was in ihm vorgeht?

Stellan Skarsgård: Ja, natürlich, es ist sehr leicht für mich, mir den unheiligen Zorn vorzustellen, den man empfindet, wenn jemand einem meiner Kinder etwas antun würde. Und ich glaube, das können wir alle, und wir wären wohl alle fähig zu solchen Rache-Exzessen. Die Welt besteht nicht aus Guten und Bösen, wir sind alle Tiere, die sich in unterschiedlich viele Schichten aus Kultiviertheit und Zivilisiertheit eingehüllt haben. Aber letztlich hätte ausnahmslos jeder von uns das Zeug zum KZ-Aufseher oder zum Killer in Ruanda. Und nur, wenn man diese Seite an sich selbst erkennt, kann man daran arbeiten, den inneren Teufel beherrschen zu lernen. Die wirklich gefährlichen Leute sind ja die, die glauben, dass sie auf jeden Fall zu den Guten gehören und die anderen die Bösen sind.

SKIP: Ist Rache eigentlich jemals gerechtfertigt?

Stellan Skarsgård: Nein. Aber meiner Filmfigur bleibt kein anderes Mittel über - er hat nie gelernt, sich verbal oder emotional auszudrücken, er kann ja nicht mal mit seiner eigenen Frau wirklich über das, was ihn bewegt, kommunizieren. Das einzige, was ihm einfällt, ist das primitivste Mittel, das es gibt: draufschlagen. Es ist eigentlich sehr traurig.

SKIP: Eine sehr "männliche" Vorgehensweise.

Stellan Skarsgård: Stimmt, das macht es aber auch nicht besser (lacht). Eine Frau hätte die Gangster wahrscheinlich vergiftet.

SKIP: Sie sind einer der meistbeschäftigten Schauspieler Ihrer Generation, es scheint, als würden Sie jedes Jahr noch mehr Filme machen als im Jahr davor - werden Sie denn nie müde?

Stellan Skarsgård: Nein, weil ich es so gerne mache. Wird ein Kind je müde, zu spielen? Und nichts anderes mache ich ja auch: spielen!

Interview: Gini Brenner / September 2014

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