Teufel noch mal

Interview mit Armin Rohde zu 666 - Traue keinem mit dem du schläfst

Himmlisch böse ist Armin Rohde als schwuler Teufel in 666 - Traue keinem mit dem du schläfst. Höllisch gut war er beim Exklusiv-Interview, das Kurt Zechner mit ihm in Hamburg führte.

SKIP: Stichwort Faust: Ist für Sie als Theatermann der Mephisto sowas wie die Traumrolle schlechthin?

Armin Rohde: Momentan bin ich am Theater gerade schwer mit Shakespeares Richard III. beschäftigt, das war lange Zeit so eine Traumrolle von mir. Aber klar steht der Mephisto aus Goethes Faust ganz oben auf meiner Wunschliste. Bei unserer Komödie lieferte Goethes Faust ja nur die brillante Grundidee – ich habe gequiekt vor Vergnügen, als ich das Buch gelesen habe.

SKIP: In 666 - Traue keinem mit dem du schläfst gibt’s jede Menge Gastauftritte von Promis, die teilweise sehr wenig Schauspielerfahrung haben. Mussten Sie da helfen?

Armin Rohde: Nein, gar nicht. Claudia Schiffer z. B. hatte einen eigenen Schauspieltrainer dabei, die hat ungeheuer professionell gearbeitet. Auch Henry Maske, der ja weiß Gott kein Schauspieler ist, hat sehr gut gespielt, weil er eben als Boxer auf Präzision ausgerichtet ist.

SKIP: Und rumgezickt hat auch niemand?

Armin Rohde: Nee, das hatte keiner von denen nötig. Das erlebt man eher bei den Halbgaren, bei den Möchtegerns. Die machen immer viel Wind um sich. Wirklich gute Leute tun das nicht, mit denen hast du nie Probleme. Claudia Schiffer z. B. kam ganz normal zur Tür rein und hat sich sogar vorgestellt: "Guten Morgen, ich bin die Claudia!" Als ob wir das nicht gewusst hätten (lacht)!

SKIP: Glauben Sie, dass es so wie bei Frank Faust tatsächlich möglich ist, nur durch den Umgang mit den "richtigen" Leuten zum Star zu werden, obwohl man nur heiße Luft verkauft?

Armin Rohde: Na da brauchen Sie sich doch nur die Leute anzuschauen, die mit Dieter Bohlen zusammen waren ... (lacht). Wobei ich da Verona eindeutig ausnehmen möchte, weil für die Frau hege ich eine große Bewunderung. Aber ein gutes Beispiel sind diese ganzen Containerleute, die ja wirklich nicht mehr zu bieten hatten als öffentliches Nasenbohren. Wenn das Stars sind, möchte ich keiner sein.

SKIP: Wie sind Sie überhaupt zum Schauspielen gekommen?

Armin Rohde: Zunächst wollte ich eher Journalist werden oder Simultandolmetscher, oder zur Kripo gehen. Irgendwann hab ich mich dann aber extrem für Theater zu interessieren begonnen. Nun komme ich aber aus einer Arbeiterfamilie, da wird es einem nicht unbedingt in die Wiege gesungen, wie man Schauspieler wird. Ich verband mit dem Beruf Schauspieler immer nur den Begriff "entdeckt werden". Also hab’ ich mich in meiner Heimatstadt Wuppertal in Straßencafes gesetzt und versucht, ein interessantes Gesicht zu machen, in der Hoffnung, es würde jemand vorbeikommen und sagen: "Hey Junge, du siehst aus wie ein Schauspieler! Willst du nicht einer werden?" Die Möglichkeit, dass das in Wuppertal aufgeht, ist natürlich äußerst gering, selbst wenn du noch so interessant dreinschaust (lacht). Irgendwann hab ich dann bei einer Laientruppe mitgespielt, und da haben mich Leute vom Wuppertaler Schauspielhaus gesehen, die mich daraufhin tatsächlich engagierten.

SKIP: Aber Ihren allerersten Bühnenauftritt hatten sie doch in den USA, oder?

Armin Rohde: Ja, mit 21 hab ich in einem College-Musical debütiert, in Wisconsin. Ich hab dort ein Jahr lang gelebt. Seit ich mit 15 Easy Rider gesehen hatte, war es nämlich mein größter Traum, ein guter amerikanischer Hippie zu werden. Ich hab Wörterbücher gelesen wie andere Leute Romane und verbissen amerikanischen Akzent trainiert. Ich hab’s auch weit gebracht damit, in den USA muss ich heute ständig meinen deutschen Pass zeigen, um zu beweisen, dass ich kein Amerikaner bin (lacht).

SKIP: Sie sind also topfit für Hollywood ...

Armin Rohde: Klar, wär kein Problem. Ich hab ja auch schon in Englisch gedreht, mehrfach. Vor ein paar Jahren eine kleine Rolle mit Robert Mitchum und kürzlich mit Harvey Keitel unter der Regie von István Szabó in Taking Sides – Der Fall Furtwängler, der voraussichtlich demnächst bei der Berlinale läuft.

SKIP: Inwieweit glauben Sie selber an Himmel und Hölle?

Armin Rohde: Das ist doch eine sehr westliche Vorstellung. Ich habe mich aber schon in meiner Jugend auch mit östlichen Philosophien beschäftigt – und bin sogar einmal aus purer Angeberei zum tibetanischen Buddhismus übergetreten, bloß um eine Frau zu beeindrucken (lacht). Das hat übrigens auch geklappt mit der Frau, volle zwei Jahre lang. 1:0 für den Buddhismus könnte man da sagen (lacht)! Also ich selber bin nicht in der Lage, die Welt rein in Gut und Böse aufzuteilen. Dafür gibt´s zu viele Grauzonen. Selbst was gut Gemeintes kann etwas ganz Böses zur Folge haben. Oder umgekehrt: Abtreibung z. B. ist kein schöner Vorgang, aber bei Adolf Hitler wünscht man sich, es wär’ passiert (lacht) – und bei manch anderem vielleicht auch.

Interview: Januar 2002

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