Die coole Tante Cameron

Interview mit Cameron Diaz zu Annie

Als Miss Hannigan ist sie im Musical Annie zu einer ganzen Schar niedlicher Kinder ziemlich widerlich. Dabei ist Cameron Diaz im echten Leben nicht nur charmant und witzig - sondern in manchen Situationen ein ziemlicher Angsthase. SKIP hat nachgefragt.

SKIP: Das ist das erste Mal, dass Sie in einem Film singen - wie wars?

Cameron Diaz: Furchteinflößend! Es gibt zwei Dinge, vor denen ich echt Angst habe: am Rand einer Klippe zu stehen und zu singen. Aber dieser Film war eben eine dieser Gelegenheiten, die ich nicht auslassen konnte. Meine Höhenangst versuche ich auch zu ignorieren, wenn ich für Filme Felswände raufklettern oder aus Flugzeugen springen muss, und genauso hab ich mich hier meiner Angst gestellt, mit vollem Einsatz. Unglücklicherweise hab ich mich dabei nicht als heimliches Gesangstalent entpuppt (lacht). Immerhin ist meine Stimme nicht ganz so beschissen, wie ich immer gedacht habe.

SKIP: Wie klingt das live?

Cameron Diaz: Ich hatte jede Menge Hilfe von sehr begabten Tontechnikern, zum Glück. Live würde ich mich das nie trauen - und Sie würden es auch nicht hören wollen! Zum Glück ist im Film alles Playback.

SKIP: Und wie läuft das mit Ihrer Höhenangst in der Praxis?

Cameron Diaz: Wenn ich wo raufklettern muss, tu ich es zwar, aber ich heule die ganze Zeit herum: "Warum, oh, warum hab ich mich nur darauf eingelassen, zu Hilfe, ich muss sterben!" (lacht) Aber da muss ich dann eben durch.

SKIP: Von Annie gibt es eine heißgeliebte klassische Verfilmung aus 1982. Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine neue Annie?

Cameron Diaz: Die Geschichte spricht die Leute nach wie vor an. Wie Sie sagen, der Film ist nach wie vor sehr beliebt, in Amerika sind mehrere Generationen von Kindern damit aufgewachsen, zuerst mit dem Theaterstück, später mit dem Film. Wir lernen diese Songs im Kindergarten und haben das bei Volksschulaufführungen gesungen. Und als bekannt wurde, dass ich Miss Hannigan spielen würde, die jeder kennt, da wurde ich sogar auf der Straße darauf angesprochen.

SKIP: Regisseur Will Gluck hat Annie aber ziemlich rundumerneuert.

Cameron Diaz: Oh ja, der Film hat ihm alles zu verdanken: das geniale Drehbuch, die Adaptierung, den frischen Tonfall, die Witze, den Humor, die Neuinszenierung der Musik - er ist wirklich der Mastermind bei diesem Film, und sich bei einem so bekannten Stoff an eine Neuverfilmung zu wagen, ist keine Kleinigkeit. Aber ich finde, es ist ihm gelungen, all die tollen Momente des Originals sozusagen nochmal aufzuwerten.

SKIP: Den Bösewicht in einem Kinderfilm zu spielen muss eine der lustigsten Schauspielerfahrungen überhaupt sein.

Cameron Diaz: Es war toll! Ich durfte straflos Kinder anbrüllen, herumschubsen und sie an den Zöpfen ziehen (lacht). Zum Glück hatten alle Riesenspaß dabei. Ich muss aber dazusagen, meine Miss Hannigan ist eine modernisierte Variante, sie ist zu meiner großen Freude etwas komplexer geschrieben als die ursprüngliche Version. In der Originalstory ist sie so ekelhaft, weil sie keinen Mann hat und sich um all diese Kinder kümmern muss, während sich niemand um sie kümmert. Meine Hannigan hat viel modernere Probleme: Sie ist überzeugt, um glücklich und erfolgreich zu sein, muss sie berühmt werden, und da ihr das nicht gelingt, wird sie immer verbitterter. Dabei ist das alles nur eine Illusion, Bekanntheit alleine macht ganz und gar nicht glücklich, das kann ich Ihnen verraten (lacht).

SKIP: Zufällig sind Sie aber sowohl berühmt als auch erfolgreich, können also aus Erfahrung plaudern. Was mögen Sie daran?

Cameron Diaz: Oh, ich mag meinen Job sehr gerne, und das Berühmtsein ist ein Teil davon, das hat sich sozusagen so ergeben. Ich habe gelernt, damit umzugehen. Aber was ich daran mag ist, dass ich dadurch meinen Job tun kann: Dass ich Filme machen kann, die viele Leute sehen, und sie zum Lachen bringen, vielleicht auch zum Weinen, durch die sie sich selbst vielleicht ein Stückweit besser verstehen. Das empfinde ich als Privileg.

SKIP: Als Miss Hannigan sind Sie ein richtiges Ekel. Aber als Cameron Diaz - können Sie mit Kindern?

Cameron Diaz: Oh ja, ich steh drauf, die coole Tante zu sein, egal, ob es da um meine eigenen Nichten und Neffen geht oder um die Kinder von Freunden. Wobei ich allerdings schon finde, dass ich Kindern nicht alles durchgehen lassen muss, auch wenn ich nicht die Mama bin. Ich mag diesen alten Spruch, dass es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind aufzuziehen - und ich bin gern Teil dieses Dorfs und übernehme ein Stück dieser Verantwortung.

Interview: Magdalena Miedl / Juni 2014

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