Gruber kommt!

Interview mit Doris Knecht zu Gruber geht

Nun hat ihr Baby ein Gesicht bekommen: Zum Kinostart der Verfilmung von Doris Knechts Debütroman traf SKIP die in Wien lebende Journalistin, Autorin und Kolumnistin zum Gespräch über Film, Freundschaften und warum es einfacher ist, über Männer zu schreiben.

SKIP: Wie hast du es aufgenommen, als du erfahren hast, dass dein Debütroman verfilmt wird?

Doris Knecht: Ich war hin und weg - das Angebot kam nämlich schon zehn Tage, nachdem das Buch erschienen ist. Und ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass das jemand für verfilmbar hält.

SKIP: Du bist bei der Verfilmung selbst nicht beteiligt, oder?

Doris Knecht: Nein. Ich hab von Anfang an gesagt, dass ich mich nicht einmischen will. Filme sollten die Leute machen, die das können.

SKIP: Hast du dir nie Sorgen gemacht, dass der Film in eine Richtung gehen könnte, die dir nicht so gefällt?

Doris Knecht: Nicht bei Marie Kreutzer. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass sie den Gruber genau so versteht, wie ich ihn geschrieben habe. Außerdem war mir klar, dass sie sich nicht sklavisch an das Buch wird halten können, dass manche Szenen dazu- und manche wegkommen

SKIP: Wie zufrieden bist du mit dem Casting?

Doris Knecht: Sehr. Und es ist auch lustig, wie viele Dinge bei diesem Film mit meinem Leben ineinanderfallen: Dass der Manuel Rubey die Hauptrolle spielt zum Beispiel, der ein guter Bekannter von mir ist. Ich hatte aber nichts mit dem Casting zu tun, gar nichts. Und als ich erfahren habe, dass die Bernadette Heerwagen gecastet wurde, habe ich sie gegoogelt, weil ich sie damals noch nicht kannte - und sie hat am selben Tag Geburtstag wie ich.

SKIP: Hat dich Marie Kreutzer mal um Rat gefragt?

Doris Knecht: Nicht wirklich. Hin und wieder hat sie mich bei kleinen Entscheidungen gefragt, was ich da tun würde, aber sie war eh immer der gleichen Meinung wie ich. Sie ist eine großartige, sehr selbstbewusste Regisseurin, die weiß, was sie kann.

SKIP: Und Manuel Rubey wollte auch nichts von dir, seiner Schöpferin, über den Gruber wissen?

Doris Knecht: Nein, eigentlich gar nicht. Ich wollte mich da auch wirklich nicht einmischen. Allerdings fand ichs richtig toll, dass er sich wegen mir ein paar Muckis antrainieren musste (lacht).

SKIP: Es ist erstaunlich, dass in du eine männliche Figur als Hauptfigur gewählt hast. Man erwartet ja eher, dass eine Frau über eine Frau schreibt.

Doris Knecht: Genau deswegen. Ich bin schon so besetzt mit meinen Kolumnen, ich wollte da auf keinen Fall eine Fortsetzung machen von dem, was ich eh dauernd schreibe. Es ist aber auch leichter, über einen Mann zu schreiben als über eine Frau.

SKIP: Wieso das?

Doris Knecht: Weil man sich als Frau besser distanzieren kann und nicht so leicht in die Falle geht, über das eigene Erleben und Fühlen zu schreiben. Wenn es sich um einen Mann handelt, denkt man sich was aus - wird sich schon keiner beschweren (lacht). Und Männer zu verstehen, haben wir ja alle lange gelernt.

Interview: April 2014

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