"Land-Idylle gibt es nicht."

Interview mit Anita Lackenberger zu Vals

Die Dokumentaristin und TV-Regisseurin (Verlorene Leben) präsentiert mit Vals ihr beeindruckendes Kinospielfilm-Debüt.

SKIP: Warum diese Geschichte als Ihr erster Spielfilm?

Anita Lackenberger: Mein Lebensgefährte stammt aus der Region, wir haben dort schon mehrere TV-Dokus gemacht. Damals hat mir jemand erzählt, dass es in der Gegend tolle Geschichten gibt dazu, und wir haben Zeitzeugen interviewt.

SKIP: Hat es die Rosa aus dem Film wirklich gegeben?

Anita Lackenberger: Rosa Ripfl, eine der Zeitzeuginnen, ist das Vorbild. Ich durfte sie mit 93 Jahren noch kennenlernen. Die Liebesgeschichte ist so ähnlich tatsächlich passiert. Nachdem sie Vals verlassen hat, hat sie ein langes, erfülltes Leben gehabt - aber die Glückseligkeit ihrer jungen Jahren ist doch hauptsächlich in Vals gelegen.

SKIP: Dabei war das Leben dort doch vor allem hart.

Anita Lackenberger: Wenn man weiß, wie die Leute damals wirklich gelebt haben, gibts keinen Anlass zu Heimatfilm-Romantik. Es gibt für mich am Land keine Idylle, weder damals noch heute. Aber es gibt sehr viel, was das Leben dort lebenswert macht.

SKIP: Sie haben aber die Frage der Ideologie fast gänzlich aus dem Film rausgelassen.

Anita Lackenberger: Oft wurden in kleinen Dörfern gerade die Ausgegrenzten zu Nazis. Zugleich haben die Nazis ja auch eine lang erwartete Moderne gebracht, zum Beispiel wurde endlich eine Straße nach Vals gebaut - aber der Preis dafür ist natürlich indiskutabel. Man kann hier sehr oft nicht präzis einteilen, was das Gute und was das Böse war. Bei manchem aber schon: Man schickt niemanden in den Krieg. Das ist sehr eindeutig.

Interview: Gini Brenner / September 2014

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.