Mr. Festival

Interview mit James Franco zu I Am MichaelEvery Thing Will Be Fine

Es ist immer wieder überraschend, wie viele Projekte dieser Mann gleichzeitig am Laufen hat. Auf der Berlinale war James Franco heuer gleich dreimal vertreten: In Wim Wenders' Every Thing Will Be Fine, in Justin Kellys I Am Michael und in Werner Herzogs Queen of the Desert.

SKIP: Berlinale-Direktor Dieter Kosslick bezeichnete Sie heuer scherzhaft als „Mister Berlinale“, weil Sie mit gleich drei Fimen im Programm zu sehen sind …

James Franco: Es war nicht geplant und ist ein schöner Zufall, aber ich fühle mich natürlich vor allem mal sehr geehrt.  

SKIP: Aber bedeutet das nicht auch dreifachen Stress?

James Franco: Ja schon. Ich muss ja auch drei Mal so viele Interviews geben, das ist schon anstrengend. Aber ich liebe es, auf einem Filmfestival zu sein, für mich ist das hier jetzt gerade der schönste Platz auf der Welt. Ich liebe Filme, sie sind ein wesentlicher Teil meines Lebens.

SKIP: In I Am Michael, den Sie hier präsentieren, geht es um einen Homosexuellen – ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

James Franco: Schon, aber weniger wegen der Sexualität, sondern weil diese Geschichte mich extrem interessiert. Normalerweise sieht man ja eher Geschichten, in denen jemand lernt, sich als homosexuell zu akzeptieren – hier jedoch geht es um einen Mann, der sich zuerst als Schwuler und dann als schwulenfeindlicher Heterosexueller definiert, das fand ich faszinierend.

SKIP: Bei I Am Michael haben Sie mitproduziert, dazu schreiben Sie, lernen für Ihre Doktorarbeit, halten selber eine Vorlesung an der Uni in L. A. und drehen, produzieren, entwickeln einen Film nach dem anderen ... wann machen Sie das alles? Und ist es für Sie wichtig, immer beschäftigt zu sein?

James Franco: Wissen Sie - wenn Leute zum ersten Mal ein Filmset besuchen, sagen sie meist: „Meine Güte, ist das fad!“ Wenn man nicht der Regisseur ist, kann ein Filmset etwas enorm Langweiliges sein, gerade als Schauspieler ist man ja wirklich nur einen Bruchteil der Zeit wirklich beschäftigt. Wenn ich an allen Filmsets nur herumgesessen hätte, wenn ich gerade nicht dran war, dann wäre das insgesamt wohl mindestens ein ganzes Jahr meines bisherigen Lebens gewesen. Ich will diese Zeit lieber sinnvoll nutzen und das tue ich auch.

SKIP: War es eigentlich für Ihre Rolle als Schriftsteller in Every Thing Will be Fine wichtig, dass Sie selber auch Autor sind?

James Franco: Nicht sehr. Es geht im Film nicht so um seinen Beruf, der wichtigste Aspekt daran ist eigentlich die Frage, wie sehr sich sein Zugang dazu durch diese Tragödie, die er erlebt hat, verändert hat. Ich selber bin ja nicht unbedingt der Meinung, dass man zwingend große Tragödien durchgemacht haben muss, um große Kunst erschaffen zu können, aber ich finde es interessant, sich mit der Frage zu beschäftigen.

SKIP: Ist es moralisch und ethisch überhaupt zulässig, das Unglück anderer für sein eigenes Schaffen zu verwerten?

James Franco: Ja, prinzipiell finde ich das schon. Wie die meisten Geschichtenerzähler verwende auch ich Elemente aus meinem richtigen Leben in meinen Büchern, ob das nun Charakterzüge sind oder Erlebnisse. Und wenn das was Negatives oder Trauriges ist, kommt natürlich immer die Frage auf, ob es den oder die Betreffenden verletzt, wenn er das in meiner Geschichte wiederfindet. Aber eine meiner Lehrerinnen, die großartige Schriftstellerin Amy Hempel, hat immer gesagt: "Wenn du nicht weißt, ob du etwas niederscheiben sollst, weil du Angst hast, dass es die Gefühle von jemandem verletzen könnte - dann schreib es trotzdem, du musst es ja nicht veröffentlichen. Zumindest nicht sofort. Aber so tötest du nicht die Idee, bevor sie die Gelegenheit hat, zu leben."

SKIP: Einer Ihrer Filme, der gar nicht bei der Berlinale läuft, hat Sie trotzdem bis hierher verfolgt: Wie haben Sie eigentlich die Ereignisse um The Inteview rückblickend betrachtet erlebt?

James Franco: Ach, wir haben einen lustigen Film gedreht, der bei Testscreenings super ankam und das Potenzial zum echten Hit hatte. Alles lief optimal nach Plan - und dann ist jede Menge passiert, worauf wir schlicht und einfach keinerlei Einfluss hatten. Sony wurde gehackt, und die Dinge überschlugen sich, aber es war nicht gerade so, dass mich jemand vom Studio angerufen und gefragt hat, was ich jetzt tun würde. Ich konnte nur zusehen, wie andere die Entscheidungen trafen. Natürlich war das ziemlich frustrierend, aber manchmal ist das halt so im Leben.

Interview: Gini Brenner, Kurt Zechner / Februar 2015

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