Ausgeglitzert

Interview mit Robert Pattinson zu Life

Wenn man ausgerechnet als Glitzer-Vampir mit einem Teenie-Phänomen wie Twilight berühmt wird, ist es für einen Schauspieler gar nicht einfach, auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren.  Robert Pattinson scheint aber alles richtig zu machen – in Anton Corbijns Life beeindruckt er mit echtem Talent. 

SKIP: In Life spielen Sie den berühmten Fotografen Dennis Stock. Fotografieren Sie selber gerne?

Robert Pattinson: Nein, das war eigentlich nie wirklich einHobby von mir. Aber für diesen Film bekam ich den gleichen Fotoapparat wie Stock, eine alte Leica, und ich habe damit recht viel herumfotografiert.

SKIP: Und wie geht es Ihnen mit dem Fotografiertwerden?

Robert Pattinson: Es wird langsam. Früher hab ich das überhaupt nicht beherrscht. Als der erste Twilight-Film rauskam, wollte ich unbedingt auf eine bestimmte Art und Weise wahrgenommen werden, und glaubte tatsächlich, ich hätte irgendeine Kontrolle über die Bilder, die die Öffentlichkeit von mir zu sehen bekommt. Aber das geht natürlich nicht – und die Panik, diese Kontrolle zu verlieren, hat man mir echt angesehen (lacht).

SKIP: Wie gut haben Sie sich mit Ihrem Filmpartner Dane DeHaan verstanden?

Robert Pattinson: Ich hätte den Film nie gemacht, wenn sie da jemanden anderen hingesetzt hätten. Und es war fantastisch, ihm zuzusehen, wie er sich dieser unglaublich schwierigen Rolle stellt. Schon wegen dem unglaublichen Aufwand, dem er sich täglich in der Maske hat aussetzen müssen. So viel Make-up! Stellen Sie sich vor, er hatte sogar falsche Ohrläppchen! 

SKIP: Sind Sie ein Fan von James Dean?

Robert Pattinson: Er war definitiv ein ganz Großer. Ich glaube, dass bis heute jeder Schauspieler irgendwann durch eine Phase geht, wo er versucht, James Dean zu emulieren. Wenn man sich vorstellt, seine Filme entstanden zwischen 1955 und 1956 und haben immer noch so enorm viel Einfluss! Und dabei hat er damals erst angefangen! Und was mich auch total fasziniert, gerade jetzt, wo ich mir so viele Fotos von ihm angesehen habe: Es gibt kein einziges schlechtes Bild von ihm.

SKIP: Hatten Sie jemals so ein Verhältnis zu einem Fotografen, der Sie ein Stück Ihrer Karriere begleitet hat, wie James Dean mit Ihrer Filmfigur Dennis Stock?

Robert Pattinson: Nicht mit Fotografen, eher mit Journalisten. Als Twilight herauskam, gabs ein paar Schreiber, mit denen ich mich ganz gut verstanden habe. Ich erinnere mich noch, als mein erstes Porträt in einem größeren britischen Magazin herauskam. Das ist ziemlich cool geworden, weil ich mich mit dem Journalisten wirklich gut verstanden habe. Wir sind in eine Bar gegangen und haben uns betrunken (lacht). Sowas könnte ich heute nicht mehr machen. Denn wenn man so viele Interviews gemacht hat, dann istsozusagen die „Unschuld“ weg. Jeder versucht,irgendwas aus dir herauszuquetschen, was noch keiner weiß – und je schlechter das ist, desto besser. 

SKIP: Ist das etwas, was Ihnen abgeht? Dass Sie nicht mehr in einer Bar abhängen können und einfach schauen, was passiert?

Robert Pattinson: Wissen Sie was: Es beginnt langsam, wieder möglich zu werden! Wenn etwas so groß gehypt wird wie Twilight, dann ruft alles, was man tut, die heftigsten Reaktionen hervor. Aber mittlerweile hat sich das wirklich schon sehr beruhigt.

SKIP: Ihr Leben wirkte ja teilweise wie eine einzige Seifenoper. Haben Sie selbst das auch manchmal so wahrgenommen?

Robert Pattinson: Ja, das war schräg. Ich habe ja immer darauf bestanden, nie über mein Privatleben zu sprechen - aber das hat überhaupt keinen Unterschied gemacht (lacht). Die Leute haben einfach irgendwas erfunden, ich konnte absolut nichts dagegen tun. Wenn ich mich weigerte, dazu fotografiert zu werden, dann haben sie einfach alte Fotos genommen.

SKIP: Verkleiden Sie sich noch, wenn Sie rausgehen?

Robert Pattinson: Nein. Nicht mehr. Vor zwei Wochen habe ich beschlossen, dass ich ab nun nicht mehr mit Kappe und Schal rausgehen werde. Das macht einen nur verrückt, wenn man sich dauernd versteckt. Also buchstäblich verrückt. So hab ich damit aufgehört - und es auch überlebt. Aber es gibt mittlereweile auch ein paar Sachen, die ich gelernt habe: Dass ich mich auf keinen Fall selber googlen darf zum Beispiel. Das ist echt das Schlimmste. Und wird zur totalen Sucht: Man kann einfach nicht mehr aufhören damit. Ich meine, stellen Sie sich vor, im Nebenzimmer würden alle über Sie reden - natürlich drücken Sie das Ohr an die Tür und hören zu! Und im Internet ist das noch schlimmer. Gerade wenn man so eine absurde Hotelzimmer-Existenz lebt wie wir das oft tun und ständig alleine ist. Man beginnt dann, so Sachen nachzuschauen, wohl um sich daran zu erinnern, wer man eigentlich ist - oder wer man sein sollte.

SKIP: Viele Ihrer Kollegen umgeben sich mit Freunden und Familie, damit ihnen das nicht passiert.

Robert Pattinson: Ja, aber meine haben alle Jobs, ich kann die nicht so einfach überallhin mitnehmen. Außerdem würde ich das irgendwie auch nicht wollen. Ich meine, das ist doch ein garantierter Weg, eine Freundschaft dauerhaft zu zerstören: "Hey, arbeite doch für mich als mein Assistent!"

SKIP: Aber wie haben Sie es denn dann geschafft, nicht verrückt zu werden?

Robert Pattinson: Wer sagt denn, dass ich es nicht bin?

Interview: Gini Brenner / Februar 2015

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.