Einmal Ritter, immer Ritter

Interview mit Christian Bale zu Knight of Cups

Machinist, Dark Knight, American Hustle … Hollywood-Extremist Christian Bale hat schon einiges an darstellerischen Herausforderungen bravourös gemeistert. Aber die Arbeit mit Aus-nahme-Regisseur Terrence Malick an Knight of Cups hat sogar ihn noch überrascht, wie er SKIP beim Exklusiv-Talk in Berlin erzählte. 

SKIP: Sie sind berühmt dafür, sich für Ihre Rollen immer sehr intensiv vorzubereiten. Was haben Sie diesmal gemacht – sehr viele philosophische Schriften gelesen?

Christian Bale: Nein, das nicht. Gelesen habe ich aber viel, ja. Zum Beispiel Der Kinogeher von Walker Percy, das habe ich sehr genossen. Aber hauptsächlich haben wir geredet und viel an meiner Figur gearbeitet, während wir gedreht haben. Terry(Regisseur Terrence Malick, Anm.) hatte jedenfalls mehr Ahnungdavon, was im Film passiert, als ich. Wenn ich in der Früh ans Set kam, wusste ich nicht, was an diesem Tag passieren sollte. Oder mit wem ich drehen würde. Terry nannte das „Torpedo-Taktik“, wenn er wieder irgendwen auf mich losgelassen hat, der mich in ein Gespräch verwickelt hat. Schauspieler, Laien, alle möglichen Leute waren das.

SKIP: Aber war das für Sie, der doch eine kontrolliertere Arbeitsweise gewöhnt ist, nicht ziemlich stressig?

Christian Bale: Ein bisschen, aber das war ja auch Sinn der Sache. Klar ist es wasanderes als wenn man mit einem fertigen Drehbuch arbeitet. Und es hat trotzdem Spaß gemacht, mit Terry auf diese Art zu arbeiten, weil er wirklich offen ist und nicht auf eine bestimmte Reaktion wartet. Manchmal hat er mir am Set gesagt: „Komm, sag was!“ und ich war aber nicht zum Reden aufgelegt. Er hat trotzdem mitgefilmt und dann oft gemeint: „Das war jetzt echt super, sehr authentisch!“

SKIP: Er hat Ihnen auch eine eigene kleine Kamera gegeben, mit der Sie Aufnahmen gemacht haben?

Christian Bale: Ja, wenn ich zum Beispiel mit einem anderen Schauspieler im Auto rumgefahren bin oder so. Es sind auch einige Aufnahmen davon im Film gelandet.

SKIP: Sind Sie überrascht vom fertigen Film?

Christian Bale: Ja schon. Bei Terry weiß man nie, was im fertigen Film auftaucht, er hätte aus dem vorhandenen Material wahrscheinlich sechs verschiedene Filme machen können. Aber klar war immer, dass es mehr oder weniger um diesen Mann geht, der die soziale Leiter emporklettert und dann ganz oben feststellt, dass es ihm dort überhaupt nicht gefällt und er eigentlich nach etwas ganz anderem sucht.

SKIP: Ist das etwas, was Sie aus Ihrem eigenen Leben kennen?

Christian Bale: Naja, ich glaube, das ist generell etwas Menschliches - dass man etwas unbedingt erreichen will, und wenn man es geschafft hat, merkt man, dass es gar nicht so toll ist wie erwartet. Oder dass der Weg dorthin viel interessanter war als das Ziel. Und meine Filmfigur gesteht sich schließlich ein, dass sie nach irgendetwas sucht, aber gar nicht weiß, warum - und das ist ganz schön mutig. Viele Leute ignorieren das und denken sich "Alle sagen, ich bin erfolgreich, also ist mein Leben super", anstatt auf sich selber zu hören und zu merken, dass man dort, wo man ist, gar nicht glücklich ist und sich verloren und unwohl fühlt.

SKIP: Also hat Ihre Filmfigur eine Midlife Crisis?

Christian Bale: Ja, eigentlich könnte man das so sagen (lacht).

SKIP: Ist das Los Angeles im Film dasselbe, das Sie aus Ihrer Realität kennen?

Christian Bale: Nicht mehr. Ich habe es kennengelernt und war Gast bei solchen Parties, wie man sie im Film sieht - und ich habe sie auch wirklich genossen. Als ich nach L. A. kam, hatte ich sowas noch nie gesehen. Das Wildeste bis dahin war, unter Autobahnbrücken herumzuhängen, Joints zu rauchen und Bierflaschen zu zerdeppern. Und dann kam ich nach L. A. und erlebte diese Wahnsinnsparties, unglaublich. Ich konnte gar nicht genug kriegen, ich habe nicht gewusst, dass Leute so leben! Aber ich mache das nicht mehr, irgendwann bekommt man sogar davon genug.

SKIP: Und wie genießen Sie jetzt das Leben?

Christian Bale: Gemeinsam mit meiner Familie. Und ich liebe es, mit meinem Traktor auf meiner Farm herumzufahren; das ist wirklich unglaublich entspannend.

Interview: Gini Brenner / Februar 2015

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