No rage against the machine

Interview mit Alex Garland zu Ex Machina

Zuerst war er Bestsellerautor (The Beach), dann einer der begnadetsten Drehbuchschreiber (28 Days Later), nun hat Alex Garland auch noch selbst einen Film gedreht, einen brillanten obendrein. SKIP hat den Alleskönner zum Start von Ex Machina zum Talk gebeten.

SKIP: Was hat Sie am Thema künstliche Intelligenz gereizt?

Alex Garland: Die Filmidee geht auf eine jahrelange Diskussion mit einem Freund zurück. Er vertritt die Meinung, dass Maschinen sich ihrer selbst nicht bewusst sein können, ich behaupte das Gegenteil. Je mehr ich mich dann in das Thema eingelesen habe, desto intensiver hat es mich beschäftigt.

SKIP: Die Filmgeschichte ist aber schon recht voll mit Robotern, Androiden und A.I.s - hat sich das als Problem erwiesen?

Alex Garland: Beim Entwerfen von Avas mussten wir in der Tat feststellen, dass gewisse visuelle Reize bestimmte Assoziationen hervorrufen. Bei weißem Plastik denkst du sofort an Björks Video All Is Full Of Love. Wenn etwas gold ist an C-3PO. Bei einem metallischen Torso an Metropolis. Es ging zunächst also darum, wie Ava nicht aussieht. Der Durchbruch war dann die Idee mit dem Geflecht, das die Form ihrer Haut ist. Man kann zum einen durch die Skelett-Maschinen-Struktur durchsehen, nimmt zum anderen aber bei verändertem Licht die Figur eines Mädchens wahr.

SKIP: Der Film wirft die nicht unbrisante Frage auf, wie man mit einer künstlichen Intelligenz mit Bewusstsein umgehen würde.

Alex Garland: Ich bin oft überrascht, dass es diese Diskussion gibt, weil für mich einige Aspekte so glasklar sind. Wenn du eine Maschine abschalten möchtest und dir diese sagt, dass sie das nicht möchte, dann hast du ein ethisches Problem. Allem, was eine emotional empfindungsfähige Existenz hat, die unserer nur entfernt ähnelt, muss man eine Form von Rechten zugestehen. Menschen, die künstlicher Intelligenz feindselig gegenüberstehen, tun dies aus vielen Gründen, selten aber aus rationalen.

SKIP: Wie weit sind wir Ihrer Meinung nach an einer Entwicklung wie jener im Film dran?

Alex Garland: Die Sache ist: Immer wenn man dem Ganzen zehn Schritte näher kommt, wandert es wieder drei ganz woanders hin. Es ist absolut möglich, dass wir in 20 Jahren empfindungsfähige Maschinen haben werden, aber genauso gut, dass es sie in 200 Jahren noch nicht gibt. Den Eindruck, den ich in Gesprächen mit Koryphäen auf dem Gebiet gewonnen habe, ist aber, dass diese Entwicklung noch nicht unbedingt vor der Tür steht.

SKIP: Wie kams eigentlich dazu, dass Sie eines Ihrer Drehbücher nun erstmals auch selbst verfilmt haben?

Alex Garland: Der Schritt war gar nicht so groß wie er scheint. Ex Machina ist mit Leuten entstanden, mit denen ich schon bei fünf, sechs Filmen zusammengearbeitet habe. Es hat sich also nicht wie eine große Veränderung angefühlt. Generell wird die Bedeutung von Regisseuren aber auch überschätzt! Dass sie so auf ein Podest gehoben werden, kommt mir oft wie ein reines Marketing-Tool vor.

Interview: Christoph Prenner / Februar 2015

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