Mamma Mia!

Interview mit Monica Bellucci zu Asterix & Obelix: Mission Kleopatra

Veni, vidi, intervisti. Julius Caesar musste bis nach Äypten fahren, um Kleopatra zu finden. Peter Krobath stöberte Monica Bellucci in Los Angeles auf. Eine wahre Königin trifft man eben nicht an jeder Straßenecke.

SKIP: Im Internet habe ich auf einer Fansite eine interessante Beschreibung von dir gefunden: "Zu sagen, dass Monica Bellucci eine ganz normale Frau ist, wäre eine Lüge. Sie ist kein sterbliches Wesen; sie ist ein grausamer Scherz von Mutter Natur, einzig dazu da, um Männer aller Altersgruppen in den schieren Wahnsinn zu treiben. Wie kann jemand nur so schön sein?" Was denkst du, wenn du solche Sätze liest?

Monica Bellucci: Ich finde das ziemlich witzig. Aber es gibt ein anderes Problem: Ich surfe so selten im Netz, dass ich die meisten dieser Seiten gar nicht kenne. Irgendwann in nächster Zeit werde ich wohl meine eigene Website machen müssen, weil so kann das ja wirklich nicht weitergehen. Auch muss man dazu sagen, dass dieses quasi übermenschliche Bild, das manche Menschen von mir im Kopf haben, natürlich nicht der Wahrheit entspricht. Ich bin eine ganz normale Frau, die ein ganz normales Leben führt. Ich habe meine Arbeit, meine Freunde, meine Privatsphäre - wie jeder andere auch. Was die Leute von mir denken, hat nichts mit meinem Leben zu tun, das berührt mich nicht. Obwohl ich schon zugeben muss, dass mir natürlich lieber ist, sie vergöttern mich, als sie machen mich schlecht.

SKIP: Aber kommt so nicht das Gefühl auf, dass die Leute in dir nur einen schönen Körper sehen, nicht aber eine gute Schauspielerin?

Monica Bellucci: Natürlich. Besonders am Anfang war das schlimm. Aber das ist normal. Wenn du aus der Modeindustrie kommst, braucht es eben seine Zeit, bis die Öffentlichkeit in dir mehr als nur ein Ex-Model sieht, das unbedingt zum Film will. Noch nach meiner ersten Rolle in Francis Ford Coppolas Dracula wollten sich viele Filmemacher nur mit mir treffen, weil sie neugierig waren, ob ich wirklich so hübsch bin, wie alle erzählen. Du musst schon zwei, drei, vier Filme machen, bis die endlich begreifen, dass du neben Schönheit auch Talent hast. Das ist nun mal so.

SKIP: Mittlerweile wirst du als Schauspielerin akzeptiert. Warum ist das so? Bist du so gut? So ehrgeizig? Oder nur so stur?

Monica Bellucci: Kann auch gut sein, dass ich einfach nur Glück hatte. Sicher, harte Arbeit gehört auch dazu, aber ohne Glück läuft in diesem Geschäft gar nichts. Ich kenne viele Kollegen, die unglaublich talentiert sind, aber trotzdem keinen Job kriegen, während ich auf der ganzen Welt unterwegs bin, in Frankreich, Italien, Afrika und Amerika arbeite. Natürlich bin ich ein fleißiges Mädchen, aber Glück gehört auch dazu.

SKIP: Wie lange kennst du schon Asterix und Obelix?

Monica Bellucci: Alle Kinder in Italien kennen die Abenteuer von Asterix und Obelix. Die beiden sind bei uns unglaublich populär. Auch ich habe sie schon als kleines Mädchen geliebt. Aber wenn mir damals wer gesagt hätte, dass ich eines Tages die Kleopatra spielen werde, hätte ich nur gelacht.

SKIP: Du kommst aus Italien. Solltest du da nicht auf der Seite von Julius Caesar stehen, anstatt ihm ständig nur Schwierigkeiten zu machen?

Monica Bellucci: Das mag vielleicht stimmen. Andrerseits waren die Figuren vom Comicstrip vorgegeben. Da konnten wir natürlich nichts mehr ändern. Klar, Caesar und Kleopatra streiten die ganze Zeit, aber gleichzeitig können die auch nicht voneinander lassen. Mir gefällt die große Leidenschaft, die zwischen den beiden steht.

SKIP: Hast du Elizabeth Taylor als Kleopatra gesehen?

Monica Bellucci: Natürlich. Deshalb hätte ich es mir auch nie zugetraut, in einer ernsthaften Version der Geschichte die Kleopatra zu spielen. Da kann ich im Vergleich zur Taylor nur verlieren. Die war einfach zu gut. Da wurden für alle Zeiten Maßstäbe gesetzt. Meine Kleopatra ist eine Comicfigur, hysterisch, überdreht, lustig, abgefahren, mit dem wirklichen Leben hat das nicht viel zu tun. Wie gesagt, sonst hätte ich mich das nie zu spielen getraut. In so einer Rolle den direkten Vergleich mit Elizabeth Taylor zu suchen, wäre Selbstmord.

SKIP: Ich wage den Vergleich trotzdem und behaupte, dass deine Kleopatra viel sexier ist. Eigentlich absurd, wo doch Asterix & Obelix: Mission Kleopatra ein Film für die ganze Familie ist.

Monica Bellucci: Na hör mal! Ich bin kein einziges Mal nackt zu sehen!!!

SKIP: Sex-Appeal hat doch nicht nur mit nackter Haut zu tun. Da genügt schon die Art, wie du dich bewegst ...

Monica Bellucci: Okay, gut, das gefällt mir. Wie du schon sagtest, Asterix & Obelix: Mission Kleopatra ist ein Film für die ganze Familie. Und ich dachte mir eben: Da gibt es so viele Szenen für die Kinder - warum sollen manchmal nicht auch die Väter was zum Schauen haben?

SKIP: Was bedeutet Asterix & Obelix: Mission Kleopatra für deine Karriere als Schauspielerin?

Monica Bellucci: Sehr viel. Der große Erfolg in Frankreich hat mir gezeigt, dass ich mit dieser Art von Kinounterhaltung Altersgruppen ansprechen kann, die ich sonst nicht erreiche. Wer Filme wie Bram Stokers Dracula, Der Zauber von Malena oder Pakt der Wölfe macht, kommt ja mit Kindern eher nicht in Berührung.

SKIP: Und Kinder sind sicher auch eine Publikumsschicht, die sich nicht für deine Vergangenheit als Model interessiert.

Monica Bellucci: Ach, diese ganze Modelkiste liegt doch schon so lange hinter mir, dass das wirklich nicht mehr wichtig ist. Ich habe das ja überhaupt nur drei Jahre lang gemacht. Und Schauspielerin bin ich schon seit zehn Jahren.

SKIP: Nervt es dich, wenn du nach all den Jahren immer noch auf deine Vergangenheit als Model angesprochen wirst?

Monica Bellucci: Aber was, gar nicht. Als Model konnte ich mit den besten Fotografen der Welt arbeiten, natürlich hat das Spaß gemacht. Jetzt mache ich eben Filme. Aber wenn der Job stimmt, bin ich immer noch jederzeit bereit, wieder als Model zu arbeiten. Ich bin keines von diesen Ex-Models, die schlecht über ihre Vergangenheit reden. Dazu habe ich der Modeindustrie viel zu viel zu verdanken. Der einzige Grund, warum ich heute beim Kino bin, ist dass Francis Ford Coppola mein Foto als Model sah, damals als er Mädchen für seinen Dracula-Film suchte. Unter anderen Umständen wäre der doch nie auf mich aufmerksam geworden, da müssen wir uns gar nichts vormachen. Die Phase als Model war eine schöne Zeit meines Lebens. Jetzt mache ich eben etwas anderes. Aber das kann sich jederzeit ändern. Wer weiß schon, ob ich in fünf Jahren immer noch Schauspielerin bin.

SKIP: Was kannst du über die Dreharbeiten von Asterix & Obelix: Mission Kleopatra erzählen? War es anstrengend, in die Haut einer Königin zu schlüpfen?

Monica Bellucci: Das Anstrengendste waren die Kostüme. Meistens waren die Kleider so eng, dass ich nicht einmal sitzen konnte. Aber was erduldet man nicht alles, um großartig auszusehen. Außerdem möchte ich den Kostümbildnern Philippe Guillotel, Tanino Liberatore und Florence Sadaune hiermit meinen aufrichtigen Dank ausprechen. Ihre Kleider waren so genial, dass ich sie nur anziehen musste, und schon war Kleopatra wiedergeboren. Mit Schauspielen hatte das gar nicht mehr viel zu tun.

SKIP: Erzähl mir von Gérard Depardieu. Man sagt, er sei als Schauspieler bigger than life, größer als das Leben. Kannst du das bestätigen?

Monica Bellucci: Gérard Depardieu ist in jeder Hinsicht absolut erstaunlich. Nicht nur als Schauspieler, jeder Kinobesucher auf der ganzen Welt weiß, wie gut Gérard Depardieu als Schauspieler ist, aber er ist auch als Mensch eine Sensation. Ich mag ihn sehr, weil er so unglaublich sensibel ist. Wenn Gérard Depardieu dich anschaut, glaubst du, er kann deine innersten Gedanken lesen. Das klingt komisch, aber das ist ein schönes Gefühl.

SKIP: Du wirst auch in einem der heißesten Filme des nächsten Jahres zu sehen sein, Matrix Reloaded, einer der beiden langerwarteten Fortsetzungen zum Cyberspace-Kassenknüller Matrix. Auf welcher Seite stehst du da, gut oder böse?

Monica Bellucci: Schwer zu sagen. Die Frau, die ich in Matrix Reloaded spiele, ist böse, aber sie ist auch gut.

SKIP: Ist sie ein Mensch oder eine Maschine?

Monica Bellucci: Irgendwie ist sie schon ein Mensch. Irgendwie wieder auch nicht. Aber darüber darf ich eigentlich noch gar nicht reden. Matrix Reloaded wird doch erst 2003 in die Kinos kommen. Nur soviel: Die Arbeit mit den Wachowski-Brüdern war unglaublich toll für mich, besonders weil ich schon seit Bound ein großer Fan von ihnen bin.

SKIP: Und demnächst wirst du auch mit Bruce Willis drehen ...

Monica Bellucci: Das stimmt. Der Film heißt Man of War. Ich spiele eine Ärztin, die im afrikanischen Busch in den Wirren des Bürgerkriegs eine Krankenstation betreibt. Bruce Willis ist ein Soldat, der mir zu Hilfe kommt. Die Dreharbeiten beginnen Ende März in Afrika. Derzeit sind wir in Los Angeles mit Kostümproben beschäftigt.

SKIP: Es war nicht gerade leicht, mit dir in Kontakt zu kommen. Die letzten Tage hast du dich in Genf, Paris, Rom und Los Angeles aufgehalten. Ein hektisches Leben. Was tust du, um zwischendurch zur Ruhe zu kommen?

Monica Bellucci: Mein Terminkalender ist ja nicht immer so voll. Es gibt schon auch Phasen, wo ich gar nichts zu tun habe. Da versuche ich dann, ein ganz normales Leben zu führen, mit meinen Freunden und meiner Familie. Vor allem keine Interviews!

SKIP: Logisch. Ich habe gehört, dass du ein großer Fan von Pasta bist. Das kann ich bei deiner Figur nicht wirklich glauben.

Monica Bellucci: Es stimmt aber. Ich liebe Pasta. Und Schokolade. Man sieht es mir vielleicht nicht an, aber ich bin eine Genießerin.

Interview: Februar 2002

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