Goldene Zeiten

Interview mit Helen Mirren zu Die Frau in Gold

Zwar wirft der Film Woman in Gold kein schmeichelndes Licht auf die österreichische Seele – der Dreh in Wien war trotzdem ein Genuss, erzählt Helen Mirren. Und beim Rathaus-Treffen mit Michael Häupl hätten wir gerne Mäuschen gespielt.

SKIP: Der jüdische Humor Ihrer Filmfigur passt sehr gut zu Ihnen.

Helen Mirren: Das finde ich auch! Ich frage mich, ob ich nicht doch ein paar Tropfen jüdisches Blut in meinen Adern habe.

SKIP: Die Geschichte ist ja nicht unbedingt ein Ruhmesblatt für Österreich. Wie war denn der Dreh in Wien?

Helen Mirren: Wirklich wunderbar. Wir haben ja sehr viel in Wien gefilmt, und ich war wirklich überrascht, wie nett wir aufgenommen wurden und wie großzügig man uns unterstützt hat. Als eine Art Willkommensgeste hat mich sogar der Wiener Bürgermeister eingeladen und mir so ein Männchen geschenkt, wie oben auf dem Rathaus eines steht! Obwohl ich ja eigentlich glaube, dass der in Wahrheit für Maria Altmann war. Der Bürgermeister hat gesagt: „Wissen Sie, Maria war sehr wichtig für uns, denn durch ihren Einsatz haben wir erst wirklich damit begonnen, unsere Geschichte aufzuarbeiten.“

SKIP: Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Helen Mirren: Indem ich mir Filmaufnahmen von ihr angesehen habe. Zum Glück gibt es da eine ganze Menge. Sie war eine beeindruckende Frau. Sie war klug und auch sehr gefühlvoll, aber nie hysterisch. Und wirklich sehr, sehr witzig. Ich bin wirklich traurig darüber, dass ich sie nicht mehr persönlich kennenlernen durfte.

SKIP: War es spannend, in Wien auf ihren Spuren zu wandeln?

Helen Mirren: Ja, das hat mich in der Tat sehr bewegt. Das Haus, in dem sie gewohnt hat, hat sich äußerlich kaum verändert. Ganz Wien hat sich ja nicht so sehr verändert. Und nur dieselben Straßen entlangzugehen wie sie damals, darüber nachzudenken, wie sehr sie und Tausende andere dort leiden mussten, das ist sehr aufwühlend. Und es ist etwas, was nie vergessen werden sollte.

SKIP: Mittlerweile haben Sie schon einige Biopics gedreht, allen voran ja The Queen …

Helen Mirren: Stimmt, dabei habe ich früher eigentlich immer gesagt, dass ich keine real existierenden Figuren spielen will. Ich dachte immer, das bringt eh nichts – schließlich kann man nie besser sein als der echte Mensch, nicht wahr? Aber bei solch guten Drehbüchern ist das Neinsagen halt recht schwer.

SKIP: Viele ihrer Kolleginnen klagen, dass es nicht genug gute Filmrollen für Frauen gibt. Sehen Sie das auch so?

Helen Mirren: Ob es genug gute Frauenrollen gibt, ist für mich ehrlich gesagt zweitrangig – aber es gibt definitiv zuwenige, gute, schlechte oder mittelmäßige. Unzählige schlechte Rollen wären mir weit lieber als eine einzige gute. Aber das Kino ist letztlich nur ein Abbild der Realität – deshalb müssen wir unsere Energie darin investieren, auch in der richtigen Welt mehr gute Frauenrollen zu ermöglichen, Frauen in Führungspositionen, als Expertinnen, Forscherinnen, Politikerinnen. Dann wird automatisch auch das Kino nachziehen. Und ja, es geht auch mir extrem auf den Arsch, dass in jedem Film, den ich sehe, 15 Männer auf eine Frau kommen.

Interview: Februar 2015

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