Für immer jung

Interview mit Harvey Keitel zu Ewige Jugend

Altern ist für ihn kein Thema, Filmpartner Michael Caine aber schon: Mit SKIP sprach die 76-jährige Hollywood-Legende über Paolo Sorrentinos neuen Film Youth, der hier in Cannes Weltpremiere feierte.

SKIP: Ihre Filmfigur in Youth hat große Probleme mit ihrer verlorenen Jugend. Wie geht es Ihnen selbst mit dem Älterwerden?

Harvey Keitel: Nehmen Sie mir das bitte nicht übel, aber ganz ehrlich – diese Frage möchte ich jetzt nicht beantworten. Ich möchte nicht, dass die Leute diesen Film sehen und wissen, was ich persönlich über die Fragen denke, die da aufgeworfen werden. Ich bin nur Schauspieler in einem Film. Ich will, dass die Leute Paolo zuhören und über seine Ideen nachdenken, nicht über meine. In einem Jahr, wenn ihn dann alle gesehen haben, können wir uns gerne wieder über das Thema unterhalten.

SKIP: Dann lassen Sie mich die Frage anders formulieren: Fühlen Sie sich jung?

Harvey Keitel: Ja, schon. Zwangsläufig, weil ich immer noch wachse, weil ich mich ja jeden Moment verändere. Jeder neue Gedanke verändert mich. Und egal wie alt man ist – es passiert einem immer wieder etwas Neues, und man kann nie wissen was als nächstes geschieht. Bis zum Schluss: Auch der Tod wird eine neue Erfahrung sein.

SKIP: Gibt es auch Erfahrungen, die Sie gerne vergessen würden?

Harvey Keitel: Nein, ganz sicher nicht. Ich versuche, mich an alles zu erinnern. Das Vergessen ist der direkte Weg in die Hölle. Das Ziel ist es doch, unser Bewusstsein ständig zu erweitern – wenn man Erfahrungen verdrängt, führt das zu großen Problemen.

SKIP: Wie war eigentlich die Arbeit mit Paolo Sorrentino? Ist er wirklich so ein Tyrann am Set, wie viele Ihrer Kollegen behaupten?

Harvey Keitel: Aber nein, keineswegs, er ist ein großartiger Künstler. Außerdem ist die Tyrannei doch schon lange abgeschafft. Tyrannen gibt es längst keine mehr, die sind alle geköpft worden (kichert) … Ich meine, schauen Sie sich Sorrentinos Filme an, sind die das Werk eines Tyrannen?

SKIP: Und die Zusammenarbeit mit Michael Caine, wie war die?

Harvey Keitel: Ach, was soll ich sagen. Ich erzähle das ja oft und gern: Als ich vor vielen Jahren ein junger Schauspieler in New York war, hatte ich hatte keinen Agenten und fast kein Geld. Ich arbeitete als Schuhverkäufer! Und dann sah ich Michael in Alfie und ich dachte mir: Mein Gott, dieser Typ – wer immer er auch sein mag – setzt echt einen ganz neuen Standard der Schauspielerei. Und jetzt, viele Dekaden später, denke ich mir das immer noch.

SKIP: Aber Madalina Ghenea als Miss Universe (die nackte Dame am Filmplakat, Anm.) als Filmpartnerin war sicher auch nicht übel, oder?

Harvey Keitel: Ganz ehrlich? Ich arbeite lieber mit Michael Caine und schau ihm zu. Allerding ziehe ich es in dem Fall vor, wenn er die Kleidung anbehält (lacht).

Interview: Kurt Zechner / Mai 2015

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