Märchenkönigin

Interview mit Salma Hayek zu Das Märchen der Märchen

Mit den harmlosen Zeichentrick-Prinzessinnen hat Salma Hayeks Fantasy-Queen in Das Märchen der Märchen nicht viel gemein. Aber auch in echt ist der Hollywoodstar hinter dem Klischee von quirligem Sex-Appeal eine sehr dreidimensionale Gesprächspartnerin.

SKIP: In Matteo Garrones extravagantem Filmmärchen sieht man unter anderem, wie Sie mit großer Lust das riesige Herz eines Ungeheuers verspeisen. Es sieht ziemlich echt aus, was haben Sie da wirklich gegessen?

Salma Hayek: (lacht) Ja, das wüsste ich auch gerne! Matteo wollte unbedingt, dass das so realistisch wie möglich aussieht, aber mit Fleisch haben sie das nicht hinbekommen. Also musste ich eine Liste machen mit allen Sachen, gegen die ich allergisch bin – und dann haben sich die Set Designer an die Arbeit gemacht und irgendwas gebastelt. Es hat widerlich geschmeckt! Und erst die Konsistenz, so grausig! Ich habe gefragt, was da drin wäre, und die meinten nur: „Ah, vieles!“

SKIP: Klingt nach der größten Herausforderung seit Ihrer legendären Schlangen-Szene in From Dusk Till Dawn …

Salma Hayek: Stimmt (lacht). Da sehen Sie, was ich für meinen Job für Opfer bringe. Ich mache wirklich alles mit.

SKIP: Matteo hat uns auch erzählt, dass während der ersten beiden Drehwochen am Set kein Wort gesprochen wurde?

Salma Hayek: Ja, das stimmt, wir haben alle meine stummen Szenen am Anfang gedreht. Das war spannend. Aber auch wirklich, wirklich schwierig für mich, wie Sie sich sicher vorstellen können! Eine echte Qual.

SKIP: Wenn Sie als etablierter Star hier in Cannes die vielen Jungtalente sehen, die versuchen, sich einen Namen zu machen, denken Sie dann manchmal an Ihre Anfänge zurück?

Salma Hayek: Ja, klar. Und da fällt mir zuallererst nicht Cannes, sondern die Berlinale ein. Vor ziemlich genau 20 Jahren war ich dort, mit dem allerersten Film, den ich je gemacht habe, El Callejón de los Milagros (Midaq Alley, 1995, Anm.). Und damals hatte ich weder Connections noch Geld für ein großes Gala-Outifit, also beschloss ich, mich bei der Premiere als Frida Kahlo anzuziehen, in einem traditionellen mexikanischen Kleid. Das war auch gar nicht sexy oder so, und Frida war in Europa auch noch nicht so bekannt wie jetzt. Aber heute noch reden mich die Leute darauf an. Damals hat alles angefangen.

SKIP: Sie haben mal davon erzählt, wie Sie und Penélope Cruz einander als junge Frauen in Hollywood kennengelernt haben und Freundinnen wurden – und wie Sie sich gemeinsam ihre Zukunft ausgemalt haben.

Salma Hayek: Haha, ja, das war eine lustige Zeit damals. Aber aber auch eine sehr unsichere, wir wussten beide nicht, wo wir wirklich hinwollten – weder beruflich noch privat. Immer diese Spekulationen, ob der aktuelle Prinz jetzt endlich der Richtige ist oder doch nicht! (lacht) Ich wirklich bin froh und dankbar, dass das vorbei ist und wir beide unseren Platz gefunden haben. Und wir sind immer noch sehr eng befreundet. Auch wenn wir uns zur Zeit nicht mehr so oft sehen, es ist schwierig, jetzt wo wir beide Familie haben und ich woanders lebe.

SKIP: Mittlerweile leben Sie ja in Paris …

Salma Hayek: Eigentlich bin ich gerade beim Umzug nach London! Aber ich bin oft in Paris, vielleicht ziehen wir auch bald wieder zurück dorthin.

SKIP: Ist es in London einfacher, Ihrer Tätigkeit als Produzentin nachzugehen?

Salma Hayek: Ach, ich produziere jetzt schon so lange Zeit Filme, da macht es eigentlich gar nicht mehr viel Unterschied, wo ich bin. Ob London, Paris oder in der Schweiz – ich arbeite sowieso am Abend, wenn in Hollywood gerade alle aufwachen. Vielleicht hab ich deshalb noch nicht als Produzentin am europäischen Markt Fuß gefasst. Dafür müsste ich einfach viel früher aufstehen.

SKIP: Weil Sie vorhin Ihr Frida-Kahlo-Outfit erwähnt haben – wie wählen Sie mittlerweile Ihre aufregenden Outfits aus?

Salma Hayek: Ich nütze es natürlich gern aus, dass ich so viel Zugang zu so vielen Designern habe. Und ich suche mir alles selber aus, ich habe keine Stylistin! Aber dafür ein ganzes Team für Haare, Make-up u.s.w. Meine Mädels, alles starke Frauen mit ihrer eigenen Meinung, mit der sie auch nie hinterm Berg halten (lacht). Wenn ich mich zwischen mehreren Kleidern nicht entscheiden kann, dann stimmen wir ab. Es ist ein demokratischer Prozess. Manchmal darf auch mein Mann mitvoten.

SKIP: Ist Ihnen Mode eigentlich wichtig, oder eher ein notwendiger Teil Ihres Jobs? Hadern Sie manchmal mit der Oberflächlichkeit dieser Welt, in der es für Frauen nur um Schönheit zu gehen scheint?

Salma Hayek: Wissen Sie, das ist eben nicht nur oberflächlich. Dieser Schönheitskult hat sehr tief liegende Ursachen. Gerade bei Frauen. Wir werden immer noch zum großen Teil über unser Aussehen definiert. Das heißt, wenn eine Frau alles tut, um ihre Schönheit zu erhalten, dann ist sie nicht unbedingt oberflächlich – sondern sie versucht sich vielleicht nur vor Verletzungen zu schützen, in einer Welt, die auf Frauen einen großen Druck ausübt. Es ist in Wirklichkeit eine Reaktion auf die Oberflächlichkeit vieler Männer, die Frauen eben nur über ihres Äußeres wahrnehmen.

Interview: Kurt Zechner / Mai 2015

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.