Hummer-Nummer

Interview mit Colin Farrell zu The Lobster

In der großartigen Psycho-Groteske The Lobster von Yorgos Lanthimos, der dafür in Cannes mit dem Jury-Preis ausgezeichnet wurde, spielt Colin einen Mann, der die Liebe sucht.

SKIP: Die Geschichte von The Lobster ist reichlich durchgeknallt. Was haben Sie gedacht, als Sie das Drehbuch zum ersten Mal gelesen haben? Haben Sie es gleich verstanden?

COLIN FARRELL: Nein, sicher nicht beim ersten Mal. Weil man diese Geschichte einfach nicht so schnell einordnen kann, sie ist komplett anders als alles, was ich bisher so gemacht habe.

SKIP: Haben Sie konkret mal nach so einem ungewöhnlichen Projekt gesucht?

COLIN FARRELL: Nein, eben nicht! Obwohl ich schon Yorgos’ letzten Film Dogtooth so großartig fand. Ich hab mir den damals mit meiner Schwester angesehen, und wir waren hin und weg. Rachel (Weisz, Farrells Filmpartnern, Anm.) hat mir erzählt, dass sie nach Dogtooth ihrem Agenten aufgetragen hat, sich unbedingt um eine Rolle in Yorgos’ nächsten Film zu bemühen. Und ich hab mir nur gedacht: „Wieso hab ich das eigentlich nicht getan?“ (lacht) Ich bin ganz schlecht bei solchen Sachen, ich sollte mich wirklich proaktiver um meine Karriere kümmern.

SKIP: Also war es reiner Zufall, dass Sie die Rolle dann angeboten bekamen?

COLIN FARRELL: Ja! Mein Agent rief mich an und fragte: „Hast du schon mal von einem Film namens Dogtooth gehört? Der Regisseur will jetzt seinen ersten englischsprachigen Film drehen …“

SKIP: Wie haben Sie sich eigentlich körperlich für diese doch recht gewichtige Rolle vorbereitet?

COLIN FARRELL: Ich habe acht Wochen lang gefressen wie ein Schwein. Zucker, Carbs … 8.000, 9.000 Kalorien am Tag. Wenn man den Speiseplan liest, klingt es wie die Traum-Diät – aber glauben Sie mir, am dritten Tag hat man’s echt satt. Ich liebe Cheeseburger, Pizza und Eis, aber wenn man’s den ganzen Tag regelrecht in sich reinstopfen muss, dann hat man sehr, sehr schnell genug davon.

SKIP: Es gibt ein wunderschönes Zitat in dem Film: „Es ist einfacher, so zu tun, als ob man etwas fühlt, wenn man nichts fühlt, als so zu tun, als ob man nichts fühlt, wenn man etwas fühlt.“ Können Sie das nachvollziehen?

COLIN FARRELL: Ehrlich gesagt nicht, nein, da bin ich anderer Meinung. Wir alle müssen doch ständig unsere Emotionen unter Kontrolle halten, sonst wären wir schnell in der Klapse. Wir fühlen so viel und wissen kaum, wann und wo wir wieviel davon rauslassen können und was nicht. Wer akzeptiert das, was wir wirklich fühlen, wie wir wirklich sind? Das wissen wir doch nicht mal selber. Also wer weiß denn, welche Gefühle echt sind und welche nicht? … Mann. Ich weiß nicht, ob das jetzt erklärt, was ich meine. Es ist ein ziemlich gutes Zitat, und wie Sie sehen, beschäftigt es mich wirklich.

SKIP: Sie wirken heute viel ruhiger und ausgeglichener als noch vor wenigen Jahren. Was hat Sie so verändert?

COLIN FARRELL: Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht! (lacht) Vielleicht Yoga?

SKIP: Also nicht mehr Sex, Drugs & Rock’n’Roll wie früher?

COLIN FARRELL: Been there, done that. Es wird fad mit der Zeit. Saufen war sooo 2005 (lacht).

SKIP: Sie sehen auch viel gesünder aus als vor 10 Jahren.

COLIN FARRELL: Ich lebe auch sehr gesund. Viel gesünder, als ich mir das je hätte vorstellen können. Aber es gefällt mir, ich genieße es wirklich, ich mach’s nicht primär, weil ich gut aussehen will. Schon auch, aber nicht nur (lacht). Ich liebe Yoga. Jedes Mal, wenn ich die Matte ausrolle, bevor ich mich noch draufstelle, freue ich mich total drauf. Und das jetzt schon seit Jahren, mit ungebrochener Begeisterung. Und ich geh gerne wandern. Ich wohne in L. A. in der Nähe vom Griffith Park, dort gibt’s jede Menge Natur und Hügel, wo man wandern kann. Ich spaziere da oft alleine rum oder nehme die Kinder mit.

SKIP: Wohnen Sie fix in Los Angeles? Gar nicht mehr in Irland?

COLIN FARRELL: Nein, seit 10, 12 Jahren nicht mehr. Zum Glück taucht alle paar Jahre mal ein Projekt auf, und ich kann für Dreharbeiten rüberfliegen. Klar vermisse ich es hin und wieder, Irland ist wirklich ein einzigartiger Ort und meine Heimat, wo ich aufgewachsen bin – aber meine Kinder sind hier in L. A., und Kinder definieren mehr als alles andere, wo man wirklich zu Hause ist.

Interview: Kurt Zechner / Mai 2015

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