Wild Wild Wien

Interview mit Michael Steinocher zu Planet Ottakring

Schon in den CopStories verschlägt es Michael Steinocher in den Wiener Westen – jetzt lässt ers in der genialen Gangster-Liebeskomödie Planet Ottakring krachen. SKIP traf den aufgeweckten Charismatiker am anderen Ende der Großstadt, in Floridsdorf, zum Interview.

SKIP: Planet Ottakring ist eine wirklich gelungene Komödie. Habt ihr eigentlich schon beim Dreh bemerkt, dass ihr da was ziemlich Cooles auf die Beine stellt?

Michael Steinocher: Eigentlich schon, wir hatten unglaublich viel Spaß am Set. Aber das kann auch ein bisschen trügerisch sein: Wenn man beim Dreh unglaublich viel zu Lachen hat, dann übersieht man gern, wenn das, was dabei herauskommt, gar nicht so lustig ist. Diesmal wars aber definitiv anders.

SKIP: Habt ihr an Originalschauplätzen gedreht?

Michael Steinocher: Ja, zu 99% waren wir tatsächlich die ganze Zeit im Sechzehnten, vor allem am Yppenplatz. Ich kenn mich da ja durch die CopStories recht gut aus, außerdem hab ich früher mal dort um die Ecke gewohnt.

SKIP: Wie sehr ist das reale Ottakring wie das im Film?

Michael Steinocher: Es ist ein ganz klein wenig überzeichnet – aber im Grunde ist es ganz genau so. Ich verbinde den 16. ja generell mit Highlife. Es ist wirklich immer was los. Ich kenne keinen anderen Platz in Wien, an dem es wirklich rund um die Uhr so viel Leben gibt. Und es ist wirklich Multikulti, im besten Sinne. Man hat so viele verschiedene Ethnien, die dort zusammenkommen. Am Yppenplatz wohnt wirklich alles, was es in Wien gibt. Die Leute, denen wir im Film helfen, sind auch alle wirklich von dort.

SKIP: Der Film stellt ganz locker viele wirtschaftstheoretische Grundsätze vor. Hast du da auch Neues gelernt?

Michael Steinocher: Ja, schon. Wirtschaft hat mich an sich ja nie so interessiert, und BWL war auch das einzige Fach in der Schule, in dem ich auf einer Schularbeit einen Fetzen gerissen habe. Das war echt nicht so meins.

SKIP: Hast du dich auf dem Gebiet noch weitergebildet?

Michael Steinocher: Ich habe mich über die Hintergründe von dem informiert, was meine Filmfigur Sammy im Film redet, aber viel darüber hinaus gings nicht. Es ist noch immer nicht mein Lieblingsthema (lacht).

SKIP: So richtig bekannt geworden bist du mit den CopStories, dabei bist du schon ziemlich lang Schauspieler …

Michael Steinocher: Ja, angefangen hab ich schon mit 13. Ich bin erst vor Kurzem draufgekommen, dass ich das jetzt schon seit 19 Jahren mach …19 Jahre! Das pack ich irgendwie gar nicht. Aber es ist halt irgendwie passiert.

SKIP: Kannst du dich noch daran erinnern, wie es damals „passiert“ ist?

Michael Steinocher: Ja natürlich. Meine Mutter hat in der Zeitung gelesen, dass für die Kinder-TV-Serie Die Knickerbocker-Bande (lief im ORF 1997 Anm.) junge Darsteller gesucht werden, und meine Schwester war totaler Fan, also sind wir hingegangen. Mich hat das eigentlich gar nicht so interessiert, aber es war sooo cool dort! Das waren die ersten Menschen, die nicht zu mir gesagt haben: „Hey, Michi, komm ein bisserl runter“, sondern stattdessen: „Ja!! Super! Gib uns mehr! Gib uns noch was!!!“ Das war so lustig. Von dem Zeitpunkt habe ich dann gewusst, das will ich machen. Als Erwachsener merkt man dann, dass es sinnvoll ist, dafür auch eine Ausbildung zu haben, also bin ich dann vier Jahre auf die Schauspielschule gegangen, bei der Elfriede Ott. Und da bin ich dann draufgekommen: „Oh, Schauspielerei ist nicht nur lustig, das macht auch Arbeit!“ (lacht).

SKIP: Wie gehts dir jetzt mit deiner zunehmenden Prominenz, vor allem mit CopStories?

Michael Steinocher: Mein Leben ist immer noch sehr normal, aber das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich nicht in den Promi-Kreisen unterwegs bin, weil ich mir meine Freunde immer nach Sympathie ausgesucht habe und nie nach ihrer Position. Ich hab die „Wichtigen“ immer gern vermieden, weil ich mir nie nachsagen lassen wollte, ein Arschkriecher zu sein. Und alles, was ich geschafft habe, hab ich mir selbst erarbeitet. Ich finds immer furchtbar, wenn sich Schauspieler über die „nervigen“ Fans aufregen oder wie furchtbar die Paparazzi sind. Ich mein – hey? Ohne die arbeitest du nicht mehr! Auch wenn ich seit CopStories mehr als einmal den „Scheißkieberer“ zu hören gekriegt habe (lacht). Aber was mich persönlich freut, ist, wenn ich Halbwüchsige treffe, denen scheißegal ist, was man über sie denkt, und die sagen: „Endlich mal ein leiwander Kieberer!“ So was freut mich ehrlich. Ich will ja jetzt nicht für alle Schauspieler reden, aber in diesem Beruf macht man sich schon sehr angreifbar, was Kritik betrifft. Man gibt sehr viel Persönliches in eine Rolle. Wenn nicht, dann läuft man schnell Gefahr, dass es „gespielt“ wirkt. Es sagen viele „Schauspielen ist lügen“. Das ist ein Blödsinn. Ich bin ein ganz schlechter Lügner, der schlechteste, dens gibt!

SKIP: Das sagen immer die, die am besten lügen können.

Michael Steinocher: (lacht) Nein, ich kanns wirklich nicht. Ehrlich! 

Interview: Gini Brenner / Juli 2015

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