Family Affair

Interview mit Mamie Gummer zu Ricki - Wie Familie so ist

Mamie Gummer, Meryl Streeps Tochter in Ricki – Wie Familie so ist wie auch im wirkichen Leben, hat nicht nur das Aussehen, sondern auch das Talent von der berühmten Mama geerbt. SKIP sprach mit ihr in Cancun über Arbeit & Familie.

SKIP: Wie war das, als Sie und Ihre Mutter diese Rollen angeboten bekamen – mussten Sie lange überlegen, ob Sie das wirklich machen wollen?

Mamie Gummer: Nein, eigentlich gar nicht. Wir haben das Drehbuch gelesen und beide gesagt: „Das könnte echt eine großartige Sache werden!“

SKIP: Und wie ist es, mit Meryl Streep zu arbeiten, wenn man ihre Tochter ist?

Mamie Gummer: Spannend. Und das Interessante war: bei diesem Film hatte ich erstmals das Gefühl, dass sie mich als Erwachsene sieht. Es kommt ja bei jedem Menschen irgendwann einmal der Moment, von dem ab man seine Eltern nicht mehr nur als Eltern, sondern vor allem als Menschen wahrnimmt. Und umgekehrt ist das  anscheinend genauso. Wir waren hier wirklich auf Augenhöhe. Das war schön.

SKIP: Hatten Sie klassische Mutter-Tochter-Meinungsverschiedenheiten am Set?

Mamie Gummer: Nein, gar nicht. Das Streiten haben wir gerne unseren Filmfiguren überlassen, und sobald die Kameras aus waren, haben wir uns umarmt (lacht).

SKIP: Hat Ihre Mutter eigentlich im Film wirklich selber Gitarre gespielt?

Mamie Gummer: Ja, das hat sie alles live eingespielt! Beeindruckend, nicht? Sie hat nämlich erst kurz vor dem Dreh überhaupt mit dem Gitarrespielen angefangen. Aber so was ist typisch für sie. Für Music of the Heart hat sie damals Geige spielen gelernt, und Irish Dance für Tanz in die Freiheit. Und gleich nach Drehschluss alles wieder vergessen.

SKIP: Sie haben Ihre Mutter wirklich schon in vielen Rollen gesehen, aber wie hier als Rockerbraut, das war doch ziemlich außergewöhnlich, oder?

Mamie Gummer: Absolut! Und ich fand, dass sie wirklich großartig aussah. Umwerfend sexy. Und ich dafür total hässlich (lacht).

SKIP: Für diesen Film mussten Sie in der Tat jegliche Eitelkeit außen vor lassen. Wie gings Ihnen damit?

Mamie Gummer: Es war wunderbar. Ich habe mich selten so frei gefühlt. Ich meine, schon alleine, dass ich mich nicht um meine Haare kümmern musste, war eine Wohltat! Es passiert so oft, dass man Szenen wiederholen muss, weil die Haare nicht richtig sitzen oder fallen. Ich habe es wirklich genossen, mich endlich mal ganz auf meine Figur konzentrieren zu können. Und ja, sie ist hässlich, aber das ist die Wirklichkeit ja auch oft. 

SKIP: Ihre Filmfigur ist auch eine ziemlich unglückliche Person.

Mamie Gummer: Ja, sie geht grad durch eine wirklich schwierige Zeit. Sie hätte sich ihr Leben so schön vorgestellt, und nun fällt alles auseinander. Sie wollte glücklich verheiratete Hausfrau und Mutter sein, ganz anders als ihre eigene Mutter war, aber dann kommt eben alles anders. 

SKIP: Ist in Ihrem Leben auch vieles anders gekommen als Sie es sich vorgestellt haben?

Mamie Gummer: Tut es das nicht bei jedem? Klar gab’s zahllose Wendungen und Zufälle, und man kann nichts vorhersehen. Aber im Grunde bin ich heute trotzdem genau dort, wo ich immer hinwollte. 

SKIP: Das heißt, Sie wollten immer schon Schauspielerin werden?

Mamie Gummer: Ja, schon, ich habe es schon immer geliebt. Ich stehe gern im Mittelpunkt, ich spiele gerne Rollen. Schon als Kind war mein Lieblingsspiel eine Theatervorführung – und ich war alles, Kartenabreißerin, Inspizientin und natürlich Hauptdarstellerin! Meine Schwester (Grace Gummer, ebenfalls Schauspielerin, Anm.) durfte immer nur irgendeine kleine Nebenrolle spielen. 

SKIP: Haben Sie Ihre Eltern bei Ihrer Berufswahl unterstützt oder Ihnen eher abgeraten?

Mamie Gummer: Sie haben mich sehr unterstützt. Sie sind ja selber beide Künstler (Mamies Vater, Streeps Ehemann seit 1978, ist der Bildhauer Don Gummer, Anm.), deshalb haben sie auch verstanden, was mein Beruf für mich bedeutet. Ich hatte großes Glück, in diese Familie hineingeboren zu werden. Meine Eltern sind großartig, nicht nur zu uns Kindern, auch miteinander. Es ist wunderbar, dass diese beiden Menschen einander gefunden haben.

SKIP: Hat Ihre Mutter Ihnen viel beigebracht?

Mamie Gummer: Sie hat gesagt, dass ich immer und in jedem Fall meiner Rolle, meiner Figur treu bleiben muss. Egal, ob sie abstoßend ist und schreckliche Dinge tut oder von allen geliebt wird – sie muss wahrhaftig und menschlich bleiben. Aber abgesehen davon haben wir eigentlich nie viel über die Arbeit geredet. An einer Rolle zu arbeiten ist ein sehr privater Prozess für mich; wenn ich darüber zu viel spreche, habe ich Angst, meinen Fokus zu verlieren. 

SKIP: Welche Art von Rollen interessieren Sie eigentlich am meisten? Würden Sie auch gern einmal in einem großen Blockbuster mitspielen, in einem Superheldenfilm vielleicht?

Mamie Gummer: Nein. In dieses Genre passe ich nicht rein. Außerdem: Es würde wohl ein sehr seltsamer Superheldenfilm werden, wenn sie jemanden wie mich dafür engagieren. 

Interview: Kurt Zechner / August 2015

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