Watson, übernehmen Sie!

Interview mit Emma Watson zu Regression

Gegen den Teufel und das Patriarchat: Emma Watson kämpft an vielen Fronten. SKIP traf sie zum Interview in Madrid – und plauderte mit der 25-jährigen Ex-Hexe über Alejandro Amenábars Thriller Regression, über ihr Studium und über die Doppelmoral in Hollywood. 

SKIP: Gruseligerweise beruht Regression auf wahren Begebenheiten. Weißt du mehr darüber?

Emma Watson: Ja, Alejandro hat mir einen ganzen Stapel Unterlagen geschickt, die ich durchgeackert habe. Ich war baff, wie viele ähnliche wahre Fälle es gab. Das ist noch gar nicht so lange her! 

SKIP: Im Film spielt die umstrittene Regressionstherapie eine entscheidende Rolle. Bist du da jetzt Profi?

Emma Watson: Meine Mutter hat vor Kurzem ihr Psychologiestudium abgeschlossen, also war sie eine ideale Gesprächspartnerin, weil sie sich jetzt mit den unterschiedlichsten therapeutischen Methoden auskennt. Wir haben stundenlang darüber diskutiert. Manche Aspekte der Regressionstherapie ergeben ja wirklich hilfreiche Ergebnisse, aber natürlich kann da auch einiges schieflaufen, wie man im Film sieht (lacht).

SKIP: Du selbst wurdest aber noch nie hypnotisiert, oder?

Emma Watson: Oh Gott, nein. Ich halte den Verstand für sehr mächtig, und wir müssen vorsichtig sein, wen wir darin herumwühlen lassen. Ich würde nie jemand anderem die Kontrolle über mein emotionales und psychisches Wohlbefinden überlassen. Eine Therapie muss mir erlauben, mir selbst zu helfen. In meinem Kopf will ich niemand anderen herumpfuschen lassen. 

SKIP: Alejandro Amenábar sagt, du hast dich innerhalb von 24 Stunden für diese Rolle entschieden. Bist du immer so schnell?

Emma Watson: Meine Entscheidungen bei Filmen sind immer instinktiv und ziemlich schnell. Wenn ich merke, dass ich zu lange über etwas nachgrüble, ist das meistens ein schlechtes Zeichen. Ich treffe meine besten Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Das kann manchmal recht frustrierend sein für andere, wenn die mich umstimmen wollen. Das ist nämlich nicht einfach! (lacht)

SKIP: Stimmt es, dass du während dieses Films deinen Studienabschluss gemacht hast? Das klingt stressig.

Emma Watson: Ja, ich war mitten im Abschluss. Auch deswegen war diese Rolle für mich die richtige: Sie ist komplex und interessant, aber es ist keine Hauptrolle, Regression ist vordringlich Ethan Hawkes Film. Das gab mir die Flexibilität, an der Uni zu tun, was zu tun war. 

SKIP: Freust du dich, dass du dein Studium hinter dir hast?

Emma Watson: Eigentlich überlege ich gerade, ob ich nicht doch einen Master dranhänge (lacht). Mir fehlt die Uni wirklich. Aber ich weiß noch nicht genau, wie ich entscheide.

SKIP: Hast du einen Plan, wie du weitermachen willst? Studium, Schauspielerei, und dann ist da ja auch noch die Arbeit für die Vereinten Nationen ...

Emma Watson: Klar, eines der guten Dinge an meinem Abschluss ist, dass ich jetzt wieder zwei Hauptrollen annehmen konnte. Und die Arbeitfür die UNO ist beglückend, ich lerne dabei so viel, und ich will weiter reisen. Ich will am liebsten immer so weitermachen!

SKIP: Du hast mit 17 entschieden, auf die Uni zu gehen. Wärst du auch zufrieden gewesen, nur Schauspielerei zu machen? 

Emma Watson: Ich denke, ich hätte in jedem Fall etwas Zusätzliches gebraucht. Die Schauspielerei erlaubt mir, in andere Menschen zu schlüpfen. Zugleich will ich aber meine Stimme auch für mich selbst benutzen, nicht nur, um andere darzustellen. Ich hab schließlichschon mit neun Jahren begonnen, so zu tun, als wäre ich eine andere. Und davon brauch ich auch einmal eine Pause. Die Uni war für mich wichtig, um sicherzustellen, dass ich nicht lauter imaginäre Leben führe, sondern mein eigenes (lacht). 

SKIP: Du hast in deiner UN-Rede erwähnt, dass du schon als 14-Jährige erlebt hast, wie es ist, zum Objekt gemacht zu werden. Wie bist du damit umgegangen?

Emma Watson: Ich hab damals viele negative Kommentare persönlich genommen. Mir wurde suggeriert, ich sei schwierig, und ich fragte mich, was denn falsch sei mit mir. War ich das Problem? Oder lag das Problem ganz wo anders? Das war ein langwieriger Prozess, an dessen Ende ich dann verstanden habe:Wenn ich etwas nicht will, dann ist das okay. 

SKIP: Lustigerweise hört man das nie über männliche Schauspieler – dass sie „schwierig” seien. Ist das nicht eine Doppelmoral?

Emma Watson: Absolut. Junge Frauen werden dafür belohnt, wenn sie gefügig und brav sind, und wenn du dich nicht an dieses Stereotyphältst, wirst du eben nicht belohnt. Das ändert sich nur langsam, gesellschaftlicher Wandel braucht Zeit. Ich ertappe mich selbst immer wieder dabei, etwas zu sagen, bei dem ich mir denke: „Oh Gott, das ist unfassbar frauenfeindlich, woher kommt das?!“ Wir absorbieren diese Dinge aus unserer Umgebung, fast wie durch Osmose. Die soziale Konditionierung ist stark, aber ich denke doch, dass es besser wird. Wir bekommen das hin.

Interview: Magdalena Miedl / September 2015

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