Chuck it Out

Interview mit Cornelia Travnicek zu Chucks

Die roten Schuhe, Austrian Edition: Cornelia Travniceks Überraschungsromanerfolg Chucks schickt sich an, nun auch die Lichtspielhäuser im Sturm zu nehmen. SKIP hat sich mit der niederösterreichischen Autorin über geklonte Kunst und gesprengte Familien unterhalten.

SKIP: Wie stark warst du in die Verfilmung deines Buchs Chucks involviert?

Cornelia Travnicek: Es haben vorab einige Gespräche mit Sabine Hiebler und Gerhard Ertl stattgefunden. Nachdem deren letzter Film (Anfang 80, Anm. d. Red.) sehr gut geworden ist, habe ich mir gedacht: Die machen das schon! Obwohl die beiden alle Freiheiten hatten, haben sie immer wieder ganz freiwillig auf mich zurückgegriffen. Ich hatte hier ja auch nicht das Gefühl, dass ich mein „Kind“ hergebe, sondern nur die DNA, die dann geklont wird. Wenn dann ein Fehler beim Klonen passiert, dann ist es nicht meiner. Ich glaube, dass es ganz schön schiefgehen kann, wenn jemand versucht, in ein fremdes Kunstwerk einzugreifen – weil dannimmer bloß Kompromisse gefunden werden.

SKIP: Wie würdest du deine Herangehensweise ans Schreiben erklären? Ist das eine stark konzeptuelle oder eher eine spontane?

Cornelia Travnicek: Ich komme ja eher von der kürzeren Form, von der Kurzgeschichte. Chucks ist sehr szenisch entstanden, aus kleinsten Eingebungen heraus und überhaupt nicht chronologisch. Das spiegelt sich dann auch im stark fragmentierten Aufbau des Buchs wider. Das hätte man im Film aber so natürlich nie darstellen können, weil sich da kein Mensch ausgekannt hätte. Mein neues Buch Junge Hunde ist da übrigens sehr viel strukturierter und chronologischer.

SKIP: Welcher grundlegenden Idee bist du denn für Chucks gefolgt?

Cornelia Travnicek: Die Grundidee war die: Wenn einer Familie etwas zustößt, das sie in ihrer kleinsten Einheit erschüttert, dann gibt es zwei Dinge, die passieren können. Entweder rücken alle total nah zusammen und schotten sich von der Außenwelt ab. Oder aber das Ereignis sprengt die Familie. Ich hab mich in Chucks für zweiteres entschieden. Es gibt dann meist einen Kristallisationspunkt, eine Person, an der das hängt. In dem Fall ist das eben die Mutter, die mit dem Verlust des einen Kindes dermaßen überfordert ist, dasssie das andere quasi übersieht.

SKIP: Und die Herausforderung für die Hauptfigur Mae besteht gewissermaßen darin, dass sie sich von ihrem AIDS-kranken Freund Paul nun aktiv verabschieden kann und muss – etwas, das ihr bei ihrem Bruder einst verwehrt wurde?

Cornelia Travnicek: Im Buch wird ja noch um einiges expliziter dargestellt, dass Mae am Abschied von ihrem Bruder gar nicht teilhaben durfte. Es gab und gibt da die Überzeugung, dass man Kinder vor so etwas beschützen soll, dass man das nicht an sie ranlassen soll. Nun kann Mae als Quasi-Erwachsene jemanden in soeiner Lage begleiten. Sie weiß, dass es jemanden gibt, fürden sie da sein kann. Das ist die Handlung, an der sie selbst wachsen kann.

Interview: Christoph Prenner / September 2015

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