Tanz dich frei

Interview mit Ralph Fiennes zu A Bigger Splash

Er war der romantische Held in Der englische Patient, das personifizierte Böse in den Harry Potter-Filmen, der Gentleman-Beamte in Spectre – doch in A Bigger Splash sehen wir Ralph Fiennes zum allerersten Mal wild abtanzen.

SKIP: Im Film sehen wir Sie hinreißend zu Emotional Rescue von den Rolling Stones abshaken. Ein sehr ungewöhnlicher Auftritt, hätte man Ihnen gar nicht zugetraut! Wie intensiv haben Sie sich darauf vorbereitet?

Ralph Fiennes: Naja, schon ziemlich. Ich war nie ein guter Tänzer. Eine Freundin hat mal zu mir gesagt: „Du tanzt nur mit deinem Kopf, nicht mit den Füßen!“ Ich war immer der mit den zwei linken Füßen. Für den Film habe ich eigens mit einer Tanzlehrerin gearbeitet, die ich vom Theater in London kannte. Sie kam auch mit nach Pantelleria. Dort gibt’s ein winziges altes Kino, das haben wir tagsüber als Probebühne verwendet. Tja, und dann habe ich eben so lange geübt, bis ich mutig genug war, auch vor der Crew so eine exaltierte Sohle aufs Parkett zu legen. Aber dass die Szene im fertigen Film letztendlich so gelungen ist, haben wir nicht zuletzt unserem genialen Cutter zu verdanken (lacht).

SKIP: Sie haben ja davor noch nie auf der großen Leinwand getanzt, oder?

Ralph Fiennes: In Der Englische Patient gab’s eine kurze Paartanz-Szene, aber sonst nie, nein.

SKIP: Waren Sie vielleicht mal in einer Band, als sie jünger waren?

Ralph Fiennes: Nein, um Gottes Willen! (lacht)

SKIP: Wie ging es ihnen mit Harry, Ihrer Filmfigur? Der Typ ist ja schon eine spezielle Nummer …

Ralph Fiennes: Ja, in der Tat. Er ist unmoralisch, boshaft, provokant und hält mit der Wahrheit nie hinterm Berg, auch wenn er Menschen damit vor den Kopf stößt. Er hat eine extrem niedrige Toleranzschwelle für alle Arten von Bullshit. Aber innen drin ist er halt trotzdem ein wenig verloren und einsam.

SKIP: Und er steckt mitten in der Midlife-Crisis. Kennen Sie das Gefühl?

Ralph Fiennes: Natürlich. Ich bin seit Jahren in der Midlife-Crisis! (lacht)

SKIP: Kennen Sie eigentlich auch so Leute wie Harry? Und versuchen Sie solch extrovertierte Showbiz-Menschen eher zu meiden?

Ralph Fiennes: Normalerweise schon, ja, aber ich habe einen Bruder, Magnus, der ist zumindest ein klein bisschen wie Harry. Er ist auch Musikproduzent. Ich habe ihn für diese Rolle um Rat gefragt und mir auch einiges von ihm abgeschaut.

SKIP: Können Sie selber dem Rock-’n’-Roll-Lifestlye was abgewinnen?

Ralph Fiennes: Durchaus. Diese Art zu leben übt eine gefährliche Faszination aus – und spricht immer genau die falschen Instinkte an (lacht).

SKIP: Als Schauspieler lässt sich das aber nicht so durchziehen, oder? Keith Richards wäre beim Film oder am Theater wohl nicht so weit gekommen.

Ralph Fiennes: Stimmt. Als Musiker hat man ganz andere Zeithorizonte – da ist es auch kein Problem, wenn man mal stoned ins Studio kommt, die Session kann trotzdem genial werden. Es ist ein ganz anderer kreativer Prozess, der nicht einem Programm folgt. Man wartet, spielt, wartet, und irgendwann springt der Funke über, und es kommt was Geniales raus, aber das kann man nicht erzwingen. So wie bei den Stones – alles, was man braucht, sind vier Künstler und ein solider Unterbau. Beim Film geht das nicht, da gibt’s viel mehr geplante Zusammenarbeit, jeder muss sich auf jeden verlassen können. Wenn da nicht alle genau auf den Punkt halbwegs funktionieren, steht der Laden still.

SKIP: Wie war das zuletzt bei den Coen-Brüdern bei Hail, Caesar! – lief da alles wie am Schnürchen?

Ralph Fiennes: Die beiden haben eine sehr … außergewöhnliche Dynamik laufen. Ethan sagt dir irgendwas, dann taucht Joel auf und sagt was anderes – und es ist nicht konträr, aber auch nicht immer vereinbar. Trotzdem läuft dann doch alles immer wunderbar zusammen. Es war jedenfalls einer der entspanntesten Drehs, die ich je erlebt habe.

SKIP: Werden Sie auch wieder mal selbst Regie führen?

Ralph Fiennes: Ja! Ich arbeite gerade an einem Film über den Balletttänzer Rudolf Nurejew, ein sehr spannendes Projekt – mehr darf ich aber noch nicht dazu sagen!

SKIP: Und, sind Sie beim nächsten Bond wieder mit dabei?

Ralph Fiennes: Das steht noch in den Sternen. Natürlich würde ich nicht ablehnen, wenn man mich fragen würde. Ich bin ja wirklich großer Bond-Fan – ich habe alle Filme gesehen, und die Bücher liebe ich fast noch mehr. Die Romane hab ich alle mindestens zweimal gelesen: Früher war ich ein regelrechter Ian-Fleming-Nerd und bin bei Bond-Filmen allen mit meinen dauernden „Aber im Buch ist das ganz anders“-Kommentaren furchtbar auf den Wecker gegangen.

Interview: Kurt Zechner / September 2015

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