Der vierte Streich

Interview mit Daniel Craig zu Spectre

Craig, Daniel Craig. In Spectre gibt er unter der Regie von Sam Mendes zum vierten Mal den Agenten aller Agenten. Wie immer gibt’s bis zum Filmstart viel Geheimniskrämerei um das neue James-Bond-Abenteuer – für SKIP gab’s beim Interview in Cancún trotzdem Antworten auf drängende Fragen.

SKIP: Sie haben schon für Ein Quantum Trost in Österreich gedreht. Wie war es, wieder zurückzukommen?

DANIEL CRAIG: Na, toll natürlich (lacht), was soll ich zu Ihnen denn sonst sagen? Aber im Ernst, ich habe den Dreh in den Alpen sehr genossen. Es ist einfach so eine schöne Gegend, die Landschaftskulisse dort in der Steiermark und in Tirol ist wirklich überwältigend. Und außerdem: Bond war schon so lange nicht mehr im Schnee unterwegs, es war wirklich höchste Zeit!

SKIP: Bond düst aber nicht nur durch die Winterlandschaft – es gibt auch einige sehr heiße Szenen in Mexico City, nicht wahr?

DANIEL CRAIG: Ja, das stimmt, wir haben während der Feierlichkeiten zum Día de los Muertos, dem Tag der Toten gedreht, bei dem alles mit bunten Totenköpfen dekoriert ist. Es war eine unglaubliche Atmosphäre, Tausende Menschen auf der Straße, Musik, Lärm, Farben … Diese Kulisse, diese Stimmung, und diese grandiosen Kostüme – das kann sich kein Set-Designer der Welt ausdenken. Wir haben ja mehrere Leute in unserem Team, die zu den Besten der Welt gehören, schon ewig dabei sind und echt schon so ziemlich alles gesehen haben. Sogar die waren völlig aus dem Häuschen. Und trotz des Chaos ging der Dreh überraschend reibungslos über die Bühne; wir hatten wirklich tollen Support der örtlichen Zuständigen.

SKIP: James Bond war viele Jahrzehnte lang der unangefochtene Platzhirsch im Agenten-Action-Kino. In der letzten Zeit aber gibt’s gewaltige Konkurrenz – wie können Sie da mithalten?

DANIEL CRAIG: Wir müssen einfach damit weitermachen, besser zu sein als die anderen (lacht). Die Bond-Filme haben immer schon die Standards für den jeweils aktuellen Action-Trend gesetzt. In den Sixties waren das die damals hypermodernen Technik-Spielereien, dann kamen akrobatische Stunts, dann möglichst aufwendige Computertricks … wir versuchen jetzt, alles zugleich so spektakulär und so realistisch wie möglich zu machen, und nur so wenig wie nur möglich auf computergenerierte Unterstützung zurückzugreifen. Das ist sicher nicht immer einfach, da gehe ich oft an meine Grenzen und darüber. Ich hab mich ja diesmal auch wieder beim Dreh verletzt, mein Knie musste sogar operiert werden. Aber das ist nun mal Berufsrisiko, damit ist zu rechnen.

SKIP: Sie sind aber schon eine Woche nach der OP wieder am Set gestanden, nicht wahr?

DANIEL CRAIG: Ja, das stimmt, aber man kann eben eine Produktion dieses Maßstabs nicht einfach anhalten, das wäre eine Katastrophe. Ich habe aber anfangs nur Dialogszenen drehen können, weil das operierte Knie noch nicht belastbar war. Für alles, was schneller ging als langsames Gehen, musste erst mal mein Stunt-Double einspringen.

SKIP: Wenigstens bekam der mal wirklich was zu tun – sonst machen Sie ja eh fast alle Stunts selber.

DANIEL CRAIG: (Lacht) So kann man es auch sehen.

SKIP: Wie fühlt sich das eigentlich an, der berühmteste Geheimagent zu sein? Wie leben Sie mit dem Job als Kino-Ikone?

DANIEL CRAIG: Ganz ehrlich, ich versuche so wenig wie möglich darüber nachzudenken und mein Leben so normal wie möglich zu leben. Einen ganz gewöhnlichen Alltag zu haben, soweit das halt geht – und wenn ich im Geschäft einen Liter Milch hole, dann kümmere ich mich bewusst nicht darum, ob mich irgendwer seltsam anschaut. Und ich bin ja Bond auch unendlich dankbar: durch ihn bin ich an Orte gekommen, die ich sonst nie gesehen hätte, habe Dinge erlebt, die ganz außergewöhnlich sind, und habe die Gelegenheit, mit den besten Köpfen des Filmbusiness zu arbeiten. Bevor ich meinen ersten Bond gedreht habe, hatte ich ja überhaupt keine Ahnung von dieser Welt.

SKIP: Wie haben Sie sich diesmal mit den Bond-Girls verstanden?

DANIEL CRAIG: Naja, was soll ich sagen, bestens natürlich. Monica Bellucci ist einfach eine fantastische Schauspielerin und auch schon eine Legende für sich – es war eine Bereicherung, sie dabeizuhaben. Sie ist auch so eine nette, warmherzige Person. Und mit Léa hab ich mich auch sehr gut verstanden, es hat großen Spaß gemacht, sie zu retten. Sie ist wirklich bemerkenswert talentiert, das war ja ihre erste richtige Action-Rolle; sie hat sich echt gut gehalten.

Interview: Kurt Zechner / Oktober 2015

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