Allein mit Schafen

Interview mit Grímur Hákonarson zu Sture Böcke

Sture Böcke unter sich. Regisseur Grímur Hákonarson spricht im SKIP-Interview über die isländische Lust an der Isolation.

SKIP: Wie sind Sie auf diese ungewöhnliche Geschichte gekommen?

GRÍMUR HÁKONARSON: Ich habe des Öfteren von Brüdern gehört, die über einen sehr langen Zeitraum kein Wort miteinander gesprochen haben. Diese vermeintliche Sturheit hat mich ziemlich fasziniert – auch im Angesicht der Isolation, in die sich beide Brüder in meinem Film mit ihren Schafen begeben.

SKIP: Gehört diese Isolation nicht auch zur isländischen Seele?

GRÍMUR HÁKONARSON: Es ist ein großer Unterschied, ob man in der Stadt lebt oder nicht. Zwei Drittel aller Isländer leben in Reykjavík oder im direkten Umland. Die Menschen am Land begeben sich hingegen oft freiwillig in eine Art Isolation und haben große Vorurteile gegenüber den Städtern – doch andersrum ist es genauso. Was aber beide Lager verbindet, ist die Tatsache, dass vielen die ständige Finsternis im Winter aufs Gemüt schlägt. Die einen werden depressiv und fangen an zu trinken, während andere ein gutes Buch lesen oder künstlerisch aktiv werden. Jeder muss für sich das richtige Rezept finden. Meines ist Humor.

SKIP: Was war für Sie schwerer zu finden: die Hauptdarsteller oder die Schafe?

GRÍMUR HÁKONARSON: Definitiv die Schafe. Sie mussten ja nicht nur toll vor der Kamera aussehen, sondern auch sehr umgänglich sein. Es braucht Zeit, um die richtigen Schafe zu casten. Bei den Hauptdarstellern war das wesentlich einfacher.

Interview: David Rams / Februar 2016

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