Oh Tenenbaum

Interview mit Owen Wilson zu Die Royal Tenenbaums

Drei Filme im Kino (The Royal Tenenbaums,Zoolander,Im Fadenkreuz - Allein gegen alle), die richtigen Freunde (Regie-Jungstar Wes Anderson, Ben Stiller) und auf dem geraden Weg in den Hollywood-Olymp: Kein Wunder, dass Owen Wilson beim Exklusiv-Interview mit Gini Brenner strahlte wie ein Weihnachtsbaum.

SKIP:Für The Royal Tenenbaums, in dem du auch eine Hauptrolle spielst, bist du und Co-Autor und Regisseur Wes Anderson gerade für den Drehbuch-Oscar nominiert worden. Es ist euer drittes gemeinsames Skript nach Bottle Rocket und Rushmore. Wie gestaltet sich eure Zusammenarbeit?

Owen Wilson: Erst entwickeln wir die Charaktere. Dann erzählen wir uns kleine Geschichten, bringen uns gegenseitig zum Lachen und entscheiden dann, welche davon in den Film kommen sollen und welche nicht.

SKIP: Wie kamt ihr eigentlich auf den doch eher ungewöhnlichen Namen Royal Tenenbaum?

Owen Wilson: Nun, mein älterer Bruder Andrew ging mit einem Brian Tenenbaum zur Schule, sie waren enge Freunde, und mir gefiel der Name. Den Vornamen Royal haben wir von einem legendären texanischen Football-Coach namens Derryl Royal geklaut.

SKIP: Deine beiden Brüder sind ja auch beide im Filmbiz tätig ...

Owen Wilson: Luke, der jüngere, spielt in The Royal Tenenbaums eine Hauptrolle (als ehemaliger Tennis-Crack Richie Tenenbaum, Anm.) und ist als Schauspieler auch sonst ziemlich gut im Geschäft. Andrew, der Ältere, spielt kleinere Rollen – er hat sich aufs Drehbuchschreiben und Regie führen spezialisiert.

SKIP: Wie hat eigentlich deine überaus fruchtbare Zusammenarbeit mit Wes Anderson begonnen?

Owen Wilson: Wir haben uns am College in Austin, Texas, kennen gelernt. Ich habe Englisch studiert, und Wes Philosophie. Er wollte schon damals unbedingt Regisseur werden, und wir schrieben gemeinsam Stories für das Uni-Magazin. Und dann fingen wir irgendwann mit unserem ersten Drehbuch zu unserem ersten Film Bottle Rocket an.

SKIP: Du spielst sehr oft gemeinsam mit Ben Stiller – vor The Royal Tenenbaums etwa in Meine Braut, ihr Vater und ich und Zoolander. Seid ihr auch privat befreundet?

Owen Wilson: Ja, wir sind sehr gute Freunde. Ich war sogar Trauzeuge bei seiner Hochzeit. Wir lernten uns nach Bottle Rocket kennen – ihm hatte der Film so gut gefallen, dass er uns einen sehr netten Brief geschrieben hat. So hat unsere Zusammenarbeit begonnen. Gerade planen wir ein neues gemeinsames Projekt: Eine Kinoversion der 70ies-Kultserie Starsky und Hutch mit uns beiden in den Hauptrollen.

SKIP: Und wer wird wen spielen?

Owen Wilson: Rate mal (lacht).

SKIP: Du giltst als einer der größten Shooting-Stars in Hollywood. Wie definierst du für dich den Begriff Star?

Owen Wilson: Was ich unter einem Star verstehe? Arnold Schwarzenegger. Ich habe ihn übrigens heute persönlich treffen dürfen – er ist ja auch gerade hier in Berlin. Ich war sehr nervös und aufgeregt. Er hat mich enorm beeindruckt.

SKIP: Ist er eines deiner großen Vorbilder?

Owen Wilson: Ich glaube nicht, dass ich jemals einen guten Schwarzenegger-Nachfolger abgeben könnte (lacht).

SKIP: Du erinnerst eher ein bisschen an den jungen Dennis Hopper.

Owen Wilson: Ja, das sagen einige. Und das ehrt mich, denn Dennis ist auch ein echter Star für mich. Im College waren sie damals für uns die Größten: Dennis Hopper, Marlon Brando, James Dean ...

SKIP: Die Klassiker.

Owen Wilson: Genau (lacht). Als Wes und ich mit Bottle Rocket begonnen haben, wollten wir auch einen harten Krimi im Scorsese-Stil machen. Dann ist eine schräge Komödie daraus geworden. Es ist nicht so, dass wir krampfhaft versucht hätten, witzig zu sein – wir konnten es einfach nicht anders (lacht). Das Lustige ist, dass Scorsese von Bottle Rocket trotzdem beeindruckt war. Er hat uns einen ganz lieben Brief geschrieben, und ich hab’ ihn dann auch in diesem Studio bei Rom besucht, 'Cincada' oder so ...

SKIP: Cinecittá?

Owen Wilson: Ja, genau.

SKIP: Ben Stiller, Martin Scorsese ... von welchen Stars habt ihr denn nach Bottle Rocket noch alles nette Briefe bekommen?

Owen Wilson: Ben Affleck hat uns auch geschrieben. Und noch ein paar andere ... das Lustige daran ist, dass sowohl Bottle Rocket als auch unser zweiter Film Rushmore kommerziell völlig gefloppt sind. Das Test-Screening von Bottle Rocket lief als schlechtestes in der Geschichte des Studios – nur die Kritiker liebten den Film. Und The Royal Tenenbaums, den ich persönlich für den viel schrägeren Film halte, wird jetzt erstaunlicherweise ganz groß. Irgendwie verstehe ich das nicht so ganz (lacht).

SKIP: Kino-mäßig lebst du in zwei Welten: Einerseits bist du hoffnungsvoller Jung-Star in Großproduktionen wie Im Fadenkreuz - Allein gegen alle, andererseits spielst du immer wieder in kleinen, schrägen Filmen mit. Hat das Methode?

Owen Wilson: Nein, überhaupt nicht. Auf diese Weise ist es halt bei mir gelaufen, von Anfang an. Zuerst hab’ ich in Bottle Rocket gespielt, dann in Anaconda. Ich habe zur gleichen Zeit gemeinsam mit Wes an Rushmore gearbeitet, während ich Armageddon drehte.

SKIP: Und auf welcher Seite stehst du lieber?

Owen Wilson: Immer auf der, wo ich gerade arbeite. Ich werte nicht. Es ist ja auch nicht so, dass ich mir meine Rollen alle hätte aussuchen können (grinst).

SKIP: Owen, noch eine ganz persönliche Frage: Woher kommen eigentlich die extremen 'Kurven' in deiner Nase?

Owen Wilson: Ich hab’ sie mir zwei Mal gebrochen, beim Football-Spielen am College.

Interview: Februar 2002

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