Zurück in die Zukunft

Interview mit Manu Luksch zu Mobilisierung der Träume - Dreams Rewired

Die Science Fiction von gestern ist unsere heutige Realität: Regisseurin Manu Luksch über Technikutopien, über die Arbeit an Mobilisierung der Träume – Dreams Rewired und über Tilda Swintons technikbegeisterte Vorfahren.

SKIP: Deine beiden Co-Regisseure Martin Reinhart und Thomas Tode haben sieben Jahre lang recherchiert für diesen Film. Welche historischen Grenzen habt ihr euch dabei gesetzt?

Manu Luksch: Der Anfangspunkt sind die 1880er Jahre, noch vor dem Kino, wo wissenschaftliche fotografische Experimente zu Fotoserien geführt haben, die nachträglich animiert werden können, und das Enddatum sind die Dreißigerjahre. Unsere These ist, dass bis zu diesem Zeitpunkt alle Medienversprechen, alle Visionen, die wir heute kennen, bereits durchdacht und zum Ausdruck gebracht wurden, vom Livefernsehen über erste Ansätze von Computing bis zum Bildtelefon. Vielleicht war noch nicht alles technisch realisierbar, vielleicht gab es nur halb funktionale Prototypen. Aber uns interessiert ja nicht eine chronologische Erfindergeschichte, sondern eine Vorstellung, die in der Luft liegt.

SKIP: Viele der audiovisuellen Ideen, die im Film vorkommen, sind inzwischen Alltag. Dadurch scheint der Film weniger von der Vergangenheit als von unserer Gegenwart zu erzählen …

Manu Luksch: Ja, das war meine Aufgabe, die Relevanz für unser Heute herauszuarbeiten. Mir wurde schnell klar, dass mein eigener „utopischer Moment“ mit den Medien die neunziger Jahre waren, als das Internet praktisch in jeden Haushalt kam. Ich war damals völlig fasziniert, dass hier ein neues Medium entsteht, das den Einfluss der alten Einbahnmedien wie staatlichem Fernsehen und Radio unterminieren und uns allen eine Stimme verleihen wird. Ich habe mich künstlerisch intensiv damit beschäftigt, wie das Netz Distanzen zum Verschwinden bringt und zugleich eine Beschleunigung der Zeit auslöst. Und eigentlich dachte ich, dieses Erlebnis definiere meine Generation. Aber durch die Recherche ist mir klar geworden: Die Macht der Medien, Distanz auszulöschen und Zeit aufzuheben, existiert schon sehr lange.

SKIP: Ihr habt als Erzählstimme die großartige Tilda Swinton gewonnen. Warum ist sie die Richtige?

Manu Luksch: Ich habe schon bei meinem letzten Film Faceless mit ihr zusammengearbeitet. Tilda beherrscht die Kunst, den Zuschauer unmerklich von der Vergangenheit in die Zukunft zu führen, sie wechselt die Erzählstile, von akademisch-autoritär über provokant und verspielt bis zum Tonfall eines Werbeslogans. Sie ist auch als Person die richtige, weil sie sich ja selbst um Vermittlung von Kinokultur bemüht mit ihrem Wanderkino. Und dann hat sich bei den Aufnahmen herausgestellt, dass sie einen Vorfahren hat namens Alistair Campell-Swinton, der im 19. Jahrhundert in Schottland höchstwahrscheinlich Lehrer von John Logie Baird war, einem der Väter des elektronischen Fernsehens. Auch Tildas Vorfahr hat offenbar schon früh mit mechanischem Fernsehen herumexperimentiert. Es musste also ganz einfach so kommen.

Interview: Magdalena Miedl / März 2016

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