Zum Sterben schön

Interview mit Elle Fanning zu The Neon Demon

In Nicolas Winding-Refns superstylishem The Neon Demon spielt Elle Fanning ein Provinzmädel, das von der Modelszene in L.A. aufgefressen wird. Sozusagen.

SKIP: Wie kam’s zur Zusammenarbeit mit Nicolas Winding Refn?

Elle Fanning: Ich habe gehört, dass er einen Horrorfilm über Models drehen will, fand das hochinteressant und wollte dabeisein. Er hat mich dann in sein Haus in L.A. eingeladen, dort habe ich seine Frau und seine Töchter getroffen – und die waren gerade als Prinzessinnen verkleidet und sangen laut Let It Go. Und Nicolas meinte, er steht total auf den Song. Das war der Tag, an dem ich seine weibliche Seite entdeckt habe (lacht).

SKIP: Wie viel aus dem Film passiert in Hollywood in der Realität so, deiner Erfahrung nach?

Elle Fanning: Ein paar Aspekte sind schon real, auch weil Nicolas mich danach gefragt hat. Er wollte hören, was mein damals 17-jähriges Hirn denn so zu sagen hätte und hat dann einiges natürlich adaptiert. Beispielsweise ist diese Jessie aus Georgia und zieht nach L.A., genau wie ich damals.

SKIP: Aber ist L.A. echt so gefährlich?

Elle Fanning: L.A. ist meine Heimat, und ich liebe die Stadt, aber klar: Viele Leute kommen da hin, um etwas zu werden – und wenn man versucht, seine Träume zu erfüllen, kann’s passieren, dass die einen verschlucken, verdauen und dann wieder ausspucken. Und gerade die Modelwelt ist wirklich brutal.

SKIP: Hast du in letzter Zeit gemodelt?

Elle Fanning: Ich hab in den letzten Jahren immer wieder Fotoshootings gemacht und auch Kampagnen, für Miu Miu, Marc Jacobs und so, aber ich war nie auf dem Laufsteg. Abbey (Supermodel Abbey Lee, die im Film mitspielt, Anm.) hat mir erst beibringen müssen, wie man da läuft. „Halt deine Arme still! Lehn dich zurück, damit die Beine länger wirken!” (lacht) Die Modeindustrie ist voller kreativer Leute, aber der Wettbewerb unter Models ist wirklich hart. Wie dünn bist du? Wie sieht dein Gesicht aus? Das ist unglaublich oberflächlich, und genau davon handelt unser Film. Ich meine, Perfektion existiert nicht, aber die Modeindustrie versucht, sie zu erlangen, v. a. mit Photoshop – und die Leute messen sich dann an den Bildern und finden sich selbst nicht mehr schön. Dabei ist alles nur Fake.

SKIP: Wie gehst du als öffentliche Person eigentlich mit dem Druck um, immer schön sein zu müssen?

Elle Fanning: Seit Kurzem bin ich auf Instagram. Ich hab das lange verweigert, aber da Susan Sarandon und Naomi Watts, die ich beide total cool finde, da recht aktiv sind, wollte ich’s mal ausprobieren. Und das ist total crazy. Man muss so aufpassen, was man da postet, es ist, als würde einen die ganze Welt beurteilen. Das kann etwas beängstigend werden.

Interview: Kurt Zechner, Magdalena Miedl, Foto: © Graham Whitby Boot / Mai 2016

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.