Filme sind wie Frauen

Interview mit Sean Penn zu The Last Face

In Cannes wurde Sean Penns neueste Regiearbeit The Last Face um Charlize Theron als Ärztin ohne Grenzen nicht gerade huldvoll aufgenommen – beim Exklusiv-Interview gab sich das notorische Hollywood-Enfant-terrible dennoch unverzagt überzeugt von seiner Mission.

SKIP: Was war Ihre Motivation dafür, diesen Film zu machen?

Sean Penn: Ausgangspunkt war ein Drehbuchentwurf, den ich schon vor 10 Jahren gelesen habe und später noch einmal. Und ich hatte immer mehr das Gefühl, dass diese Geschichte wirklich ausbaufähig wäre, und dass man sie noch aktueller machen könnte. Und so hat das Projekt schließlich seinen Anfang genommen.

SKIP: The Last Face ist ein Liebesdrama vor der Kulisse eines grausamen Bürgerkriegs. Welche Message war Ihnen da wichtig?

Sean Penn: Ich wollte die Geschichte so erzählen, wie ich sie selbst gerne erzählt bekommen würde. Und ich hoffe natürlich, dass das anderen Menschen auch gefällt. Ich erzähle eine Liebesgeschichte in Zeiten des Krieges. Eine persönliche Geschichte und die eines Kontinents, damit man sieht, wie internationale Entwicklungen Beziehungen zwischen einzelnen Menschen und zwischen Völkern sabotieren. Das finde ich interessant.

SKIP: Ihre Hauptfigur, die von Charlize Theron gespielt wird, sagt einmal: „Wie könnte ich die Welt retten?“ Ist das etwas, was Sie selber sich auch manchmal fragen?

Sean Penn: Nein. Sie sagt das ja auch nur als Anspielung an eine Erinnerung an ihre Kindheit – als erwachsener Mensch weiß man, dass es lachhaft wäre, zu glauben, dass das möglich wäre. Habe ich mir jemals ernsthaft vorgenommen, die Welt zu retten? Sicher nicht. Ich meine, klar habe ich mir vielleicht als kleiner Bub vorgestellt, wie ich mit fliegendem Superhelden-Cape das Böse vernichte. Aber das ist ja doch schon eine Weile her.

SKIP: Sie haben einmal gesagt, dass Sie immer auf der Suche nach der Schönheit sind und versuchen, in allem, was sie ansehen, etwas Schönes zu finden. War das auch so, als Sie diesen Film gemacht haben?

Sean Penn: Ja, natürlich. Schönheit ist ja nichts Statisches, sondern etwas, was sich in unseren Augen ständig verändert. Und bei diesem Film war es sicher nicht mein Hauptziel, die Schönheit ins Bild zu setzen, aber sie ist immer vorhanden. Ich war immer ein Fan der Schönheit unberührter, natürlicher Landschaften. Und z. B. Menschen zu sehen, die nichts haben außer dem, was in ihrem Zelt ist, und die bis spät in der Nacht wach bleiben, um ihre Kinder lesen zu lehren – das ist doch etwas zutiefst Schönes. Die Schönheit ist das, was uns Menschen aus der Dunkelheit herausholt. Ich sehe immer mehr hässliche Dinge, das schon, aber es gibt deshalb nicht weniger Schönheit auf der Welt. Man muss nur bereit sein, sie zu sehen.

SKIP: Ihr 22-jähriger Sohn Hopper Penn (aus der Ehe mit Robin Wright, Anm.) spielt eine Nebenrolle im Film. Haben Sie ihn ins Team geholt?

Sean Penn: Nein, ganz und gar nicht, er hat sich selbst darum gekümmert! Und ich finde, er macht die Sache ziemlich gut, und er scheint auch großen Spaß dabei zu haben. Ich hoffe, er bleibt bei der Schauspielerei.

SKIP: Seit Ihrer letzten Regiearbeit Into The Wild sind neun Jahre vergangen – warum hat es so lange gedauert, bis Sie sich auf ein neues Projekt eingelassen haben?

Sean Penn: Wissen Sie, ich fühle mich da zweigeteilt: Meine Schauspieler-Persönlichkeit hat nichts mit meiner Regisseur-Persönlichkeit zu tun, es sind unterschiedliche Jobs, und ich verfolge dabei komplett unterschiedliche Ziele und Träume. Regie zu führen war aber immer mein allererster Traum. Ich genieße allerdings den Luxus, nur dann Regie zu führen, wenn ich wirklich will. Und schließlich nehmen Regie-Projekte ja auch locker schnell mal zwei oder drei Lebensjahre in Anspruch. Ein Film ist für mich wie eine Frau: Wenn ich ein Drehbuch zum ersten Mal lese, dann ist das, wie wenn ich zum ersten Mal mit ihr schlafe – und dann, wenn ich sie in der Früh in den Nacken küsse, überlege ich mir, ob das wirklich die Frau ist, mit der ich die nächsten Jahre exklusiv Sex haben will. Und so jemanden zu finden, braucht seine Zeit.

SKIP: Ihre Filme sind also wie Geliebte?

Sean Penn: Oh ja, das will ich hoffen. Schließlich bekomme ich auch von da wie dort ordentlich Prügel.

Interview: Foto: © Graham Whitby Boot / Mai 2016

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