Dancer in the Light

Interview mit Soko zu Die Tänzerin

Move it. In Stéphanie Di Giustos Biopic La Danseuse spielt die Sängerin und Schauspielerin Soko die legendäre Loïe Fuller, eine Ikone des Bühnentanzes.

SKIP: Bei der Cannes-Premiere gab’s für La Danseuse Standing Ovations – wie fühlte sich das an?

Soko: Ach, wir hatten einfach nur jede Menge Freunde im Publikum, die für Geld ganz lange geklatscht haben (lacht) … aber im Ernst, es war großartig, fast schon surreal. Ich wusste schon gar nicht mehr, wie oft ich mich noch verbeugen sollte!

SKIP: Wie sehr haben Sie sich in der Figur der Loïe Fuller wiedergefunden?

Soko: Ich bin ebenso ehrgeizig und getrieben wie sie. Dieser Film ist ja nicht nur die Geschichte von Loïe Fuller, sondern auch das Porträt einer Künstlerin. Wenn ich Musik mache, bin ich dabei genauso ein Kontrollfreak wie sie, ich muss bei jedem Detail den Überblick haben. Und ich mache nicht nur die Musik, sondern auch meine Videos selber, mein Artwork … alles, das komplette Paket. Loïe war genauso. Sie hat nicht nur getanzt, sondern auch gezeichnet, gemalt, ausgestattet, Kostüme entworfen, genäht … Loïe war eine Universalkünstlerin zu einer Zeit, als das noch nicht üblich war.

SKIP: Quälen Sie sich auch so wie sie?

Soko: Auf jede nur erdenkliche Weise. Ich muss immer 110% von mir in alles reinstecken, was ich mache. Das ist sehr anstrengend und oft auch schmerzhaft.

SKIP: Viele weibliche Künstlerinnen sind im Schatten der Geschichte verschwunden. In La Danseuse wird eine davon wiederentdeckt.

Soko: Es ist unfair, dass man sie vergessen hat und ihre Kunst so verdrängt wurde. Ich meine, jeder, der sich ein bisschen mit der Geschichte des modernen Tanzes oder auch der Bühnentechnika beschäftigt, wird früher oder später auf ihren Namen stoßen, aber es ist ein Wahnsinn, dass sie nicht viel berühmter ist. Stéphanie hat so viele Details aus ihrem Leben ausgegraben, die fast unbekannt waren; sie wollte ihrer Figur wirklich so gerecht wie möglich werden, in jeder Beziehung.

SKIP: Wie ging es Ihnen mit dem Tanzen?

Soko: Ich musste unglaublich hart trainieren. Ich meine, ich bin die ungeschickteste Person der Welt, und ich habe überhaupt kein Fünkchen Anmut im Leib. Ich habe eher so die männliche Energie, eckig und ungestüm. Die hübsche, zarte, elegante Ballerina ist überhaupt nicht mein Ding (lacht). Ich wollte auch nie Ballett machen; schon als Kind wollte ich immer Schauspielerin werden. Und dann ging ich zur Schauspielschule, und in der Gesangsklasse war ich immer die Schlechteste, mit Abstand. Ich musste erst viel später meine eigene Stimme entdecken, und das war nicht die, die sich mein Musiklehrer von mir gewünscht hat. Und jetzt bin ich die einzige meines Jahrgangs, die sowas wie eine Musikkarriere hat.

Interview: Foto: © Graham Whitby Boot / Mai 2016

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