Vogel-Perspektive

Interview mit Jacques Perrin zu Nomaden der Lüfte - Das Geheimnis der Zugvögel

Evolution im Kino: Nachdem er für seine bahnbrechende Insekten-Doku Mikrokosmos durchs Gras krabbelte, lernte der französische Schauspieler und Filmemacher Jacques Perrin für seinen neuen Film das Fliegen. Von den luftigen Dreharbeiten erzählte er Gini Brenner im Exklusiv-Interview.

SKIP: In Nomaden der Lüfte zeigen Sie das Phänomen der Vogel-Migration in sensationellen Aufnahmen direkt vom Ort des Geschehens. Wie geht man technisch an so ein Projekt heran?

Jacques Perrin: Zunächst einmal mussten wir große Teile unseres Equipments völlig neu entwickeln, weil es die geeigneten Geräte für unsere Anforderungen schlichtweg nicht gab. Zum Beispiel haben wir eine kugelförmige Kamera gebaut, mit der man in alle Richtungen filmen kann. Wir nannten sie die 'magische Kugel'. Aber wie das nun mal mit Zauberwerk so ist, hat unsere magische Kugel auch nie ordentlich funktioniert (lacht). Unsere Kameras haben wir, um die extremen Erschütterungen während des Fluges abzufangen, mit gyroskop-artigen Konstruktionen versehen, die auch bei heftigen Flugbewegungen die Balance hielten.

SKIP: Die Ausrüstung musste also auch während der Dreharbeiten ständig adaptiert werden?

Jacques Perrin: Und ob – es tauchten ja ständig Probleme auf, an die wir vor Drehbeginn nicht gedacht haben. Zum Beispiel wie wir unser hochempfindliches Equipment vor der ganzen Vogelscheiße schützen sollten (lacht)! Die Vögel lassen ja während des Fluges ständig ihren Kot fallen, und wie aggressiv der sein kann, weiß jeder Autobesitzer. So mussten wir widerstandsfähige Schutzabdeckungen für das Equipment basteln, die natürlich die Sicht nicht behindern durften – keine leichte Aufgabe.

SKIP: Ich kann mir vorstellen, dass während der Dreharbeiten nicht nur die Ausrüstung, sondern auch das Team extrem gefordert war.

Jacques Perrin: Natürlich. Gerade die Kameraleute, die ja – mit Leichtflugzeugen, Flugdrachen etc. – mitten in den Vogelschwärmen mitflogen, mussten körperlich topfit sein. Dazu brauchten sie noch einen extrem entwickelten Gleichgewichtssinn und mussten natürlich auch total schwindelfrei sein. Die Dreharbeiten waren für alle sehr anstrengend und auch sehr gefährlich. Aber es war mir einfach wichtig, den Vögeln so nahe wie möglich zu kommen. Deshalb haben wir auch nicht mit Teleobjektiven gedreht und die Vögel damit nahe herangezoomt, wie das sonst bei Tier-Dokus üblich ist. Das verfälscht die Perspektive, der Hintergrund verschwimmt, das Bild wird unnatürlich. Wir haben ganz im Gegenteil eher mit Weitwinkel gefilmt, um die Vögel und ihre luftige Welt so wahrhaftig wie möglich darzustellen.

SKIP: In Ihrer Heimat sind sie nicht nur als Naturfilmer, sondern vor allem als Schauspieler ein Star. Werden Sie auch in Zukunft schauspielen oder widmen Sie sich nur noch Ihrer dokumentarischen Arbeit?

Jacques Perrin: Schauspieler ist und bleibt mein Hauptberuf. Zum Produzenten und Regisseur werde ich nur dann, wenn mich ein Thema derart packt, dass ich nicht anders kann.

Interview: Februar 2002

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