No Regrets

Interview mit Kristen Stewart zu Café Society

Nach ihrem Blockbuster-Start in der Twilight-Filmreihe entwickelt sich Kristen Stewart nun immer mehr zum coolen Indie-Darling. Im neuesten Werk von Autorenfilm-Ikone Woody Allen, Café Society, spielt sie die weibliche Hauptrolle, uns spielte sie beim Interview nichts vor. 

SKIP: Ihr Co-Star Jesse Eisenberg erzählte uns, dass Sie extrem selbstsicher sind – so sehr, dass er fast Angst vor Ihnen hatte. Sehen Sie das selber auch so?

Kristen Stewart: Nicht immer, nein. Vor allem ist es witzig,wenn das ausgerechnet Jesse sagt – der ist so unglaublich klug, dass er mich damit immer schon eingeschüchtert hat. (lacht) Ich hab ihn ja schon vor vielen Jahren beim Dreh zu Adventureland kennengelernt, da war ich wirklich verunsichert von ihm. Aber mittlerweile kennen wir uns ganz gut und können gut miteinander. Aber ich glaube, das Leben überfordert ihn manchmal regelrecht, gerade weil er so hochintelligent ist und einfach so viel mitbekommt. Er leidet quasi unter viel zu vielen Eindrücken. Ich bin da ganz anders, vielleicht verstört ihn gerade das. (lacht)

SKIP: Sie wirken so, als wäre es Ihnen egal, was die anderen über Sie denken. Ist das wirklich so?

Kristen Stewart: Nein, egal ist mir das nicht. Ich lass mich nur nicht davon runterziehen, besonders wenn es Leute sind, die mir nicht persönlich nahestehen. Jeder Eindruck ist subektiv und eine Zusammenfassung aus dem, was man von mir bisher wahrgenommen hat. Wenn mich jemand nicht super findet, ist das nicht schmerzhaft für mich, weil es nichts mit mir persönlich zu tun hat. Es trifft mich nicht, weil ich durchwegs nichts von dem bereue, was ich gemacht habe: Ich habe immer das getan, was ich im Moment richtig fand. Wenn man halbwegs wahrhaftig bleibt, dann fällt es einem leicht, selbstbewusst zu wirken. Aber natürlich interessiert es mich, was Leute über mich denken. Ich bin schließlich Schauspielerin!

SKIP: Nach Ihrem Blockbuster-Start mit der Twilight-Serie haben Sie fast nur noch mit namhaften Independent-Filmemachern gedreht – von Walter Salles, Kelly Reichardt über Olivier Assayas bis jetzt Woody Allen. Ist das der Weg, den Sie nun weiter gehen wollen?

Kristen Stewart: Ja, ich mag einfach Regisseure, die ihre ganz eigene Filmsprache haben und diese auch umsetzen können. Ich habe in den letzten zwei Jahren fünf Filme mit Regisseuren gedreht, die ich immer schon verehrt habe. Wissen Sie, ich wollte Filme machen, seit ich 9 Jahre alt bin, und seit damals habe ich mir schon ein recht genaues Bild davon gemacht, in welche Richtung ich gehen will.

SKIP: Sehen Sie irgendeinen roten Faden in den Figuren, die sie spielen?

Kristen Stewart: Ja, mich! (lacht) Aber ernsthaft: Ich sehe mich nicht als Charakterdarstellerin. Viele meiner Kollegen sagen ja, dass sie sich hinter ihren Figuren verstecken können, ganz in ihnen verschwinden. Mir geht es umgekehrt: Bei Rollen, die ich super finde, habe ich endlich das Gefühl, dass ich mich darin selbst entdecke. Ich gehe auf in diesen Figuren.

SKIP: In Café Society spielen Sie eine junge Frau der 1930er. Hätten Sie gerne damals gelebt?

Kristen Stewart: Ich bevorzuge die Gegenwart, ehrlich gesagt. Aber ich mochte meine Figur Vonnie wirklich sehr. Sie ist furchtlos und steht zu dem, was sie tut. Außerdem ist sie für damalige Begriffe extrem unkonventionell. Und sie liebt das Leben, genießt jeden Augenblick, und das ist etwas, was sehr ansteckend wirkt. Viele Menschen überlegen ja vor jeder Entscheidung, wie sich die auf das zukünftige Leben auswirken könnte. Vonnie nicht, ihr ist das egal. Und das ist eigentlich eine durchaus moderne Einstellung. 

SKIP: Wie vertraut sind Sie mit Woodys Filmen?

Kristen Stewart: Sehr! Ich bin mit ihnen aufgewachsen, könnte man sagen. Seine Filmmusik, Diane Keaton in den Hauptrollen undundund – das sind Schlüsselerlebnisse für mich. (lacht) Der Stadtneurotiker mag ich am liebsten. Nicht die originellste Wahl, ich weiß.

SKIP: Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an Woody Allen und seiner Filmsprache?

Kristen Stewart: Er hat eine ganz einzigartige Sichtweise auf die Welt, und die finde ich sehr spannend. Und er kann sie extrem gut umsetzen. Woody hat einen sehr nüchternen, oft zynischen Zugang zu vielen ganz großen Themen, vor denen die meisten Leute viel zu viel Respekt haben. Ich mag, wie seine Filme so immer eine seltsame Leichtigkeit verströmen – und wenn dann seine wirklich treffenden Wahrheiten einfach so daherfliegen, ist man oft überrascht davon. Man hat einfach nur Spaß, und plötzlich kommt da echte, durchaus manchmal auch schmerzhafte Weisheit daher. Und seine Dialoge sind verdammt fantastisch. 

SKIP: Gibt’s irgendwas, was Sie sonst mit genauso großer Leidenschaft verfolgen wie die Schauspielerei?

Kristen Stewart: Oh ja, klar … alles!!

Interview: Kurt Zechner / Oktober 2016

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