Ernst und trotzdem mit Humor

Interview mit Robert SchindelLukas Stepanik zu Gebürtig

Peter Krobath sprach mit Lukas Stepanik und Robert Schindel über den Wert der Melancholie und den Humor als gutes Schmiermittel für schwierige Dinge.

SKIP: Der Film Gebürtig beruht auf dem gleichnamigen Bestsellerroman von Robert Schindel. In der Regel wird der Autor eher vom Filmset ferngehalten. Hier stieg er sogar zum Co-Regisseur auf. Warum?

Robert Schindel: Gleich von Beginn an, als uns klar war, dass wir den Film selber machen und den Stoff nicht sozusagen einem anderen Regisseur geben, sind wir überall als Team aufgetreten. Also wenn überhaupt, dann war das höchstens ein Problem für die anderen, die es offensichtlich nicht so gewohnt sind, dass es eben auch eine Doppel-Regie gibt.

Lukas Stepanik: Außerdem hat es damit zu tun, dass ich den Roman, zumindest in Teilen schon sehr früh kennengelernt habe, und auf der anderen Seite der Robert auf sehr filmisch Weise denkt und schreibt. Es gibt da so viele Ansatzpunkte, abgesehen von unserer Freundschaft, die doch schon seit über 20 Jahren dauert. Das funktioniert wie bei Brüdern. Sicher gab es Diskussionen, aber das führte nie zu sinnloser Profilierungssucht. Es ist immer um die gemeinsame Sache gegangen.

SKIP: Wie kann man die allgemeine Müdigkeit erklären, die über den Charakteren in Gebürtig liegt?

Robert Schindel: Diese Menschen sind mit ihren Widersprüchen und Problemen bepackt, sie tragen den Ranzen der Vergangenheit auf den Schultern und versuchen, damit zurechtzukommen. Wobei ihnen die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit aufgezwungen wird, sie tun das ja nicht freiwillig, und so was ermüdet und erschöpft natürlich.

Lukas Stepanik: Wobei mir in diesem Zusammenhang weniger der Begriff Müdigkeit einfällt, ich würde das eher Melancholie nennen.

Robert Schindel: Denn Melancholie ist das Gefühl, das sich einstellt, wenn man etwas begehrt, sich aber damit abfindet, dass man es nie bekommt. Und das trifft sowohl auf die Figur von Gebirtig als auch auf die von Demand sicher zu.

SKIP: Woher kommt der feine Humor, der sich trotz des schweren Themas durch den ganzen Film zieht?

Robert Schindel: Ich bin Jude, und der Humor ist Teil meines Stammes. Außerdem ist Humor ein gutes Schmiermittel, mit dem man als Geschichtenerzähler schwere Dinge leicht transportieren kann. Es gibt ja dramaturgisch gesehen nichts Ärgeres, als eine ernste Sache todernst darzustellen. Ich finde, schwere Dinge brauchen eine gewisse Leichtigkeit, und lustige Dinge sollte man sowieso nur tragisch darstellen. Also wenn wir uns etwas wünschen im Nachhinein, dann nur, dass der Film um noch eine Spur witziger ausgefallen wäre als er ohnehin schon ist.

Lukas Stepanik: Wobei klar sein muss, dass Gebürtig natürlich nicht als Komödie angelegt ist. Das sind alles nur Humorbrechungen. Es gibt viele Stellen im Film, die manche witzig finden und andere wiederum überhaupt nicht. Da gibt es oft ein richtiggehendes Lachverbot. Wie in der Szene, wo der Konrad Sachs zum Danny Demand sagt: "Ich interessiere mich sehr für jüdische Kultur." Und der antwortet: "Manche interessieren sich für Rock´n´Roll, andere für Pornofilme." Manche lachen da, aber es gibt auch manche, die ganz leise werden.

Interview: PK / Februar 2002

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