Magic Eddie

Interview mit Eddie Redmayne zu Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Als Stephen Hawking holte er sich den Oscar, als Transsexuelle eine Oscar-Nominierung, und jetzt ist er als Magier in Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind der neue Star im Potter-Universum: Meet Eddie Redmayne, der wohl vielseitigste Schauspieler seiner Generation.

SKIP: Wie vertraut waren Sie mit dem Potter-Universum, bevor Sie zu diesem Projekt kamen?

Eddie Redmayne: Ziemlich gut eigentlich. Ich habe einen kleinen Bruder, der sechs Jahre jünger ist als ich und ein riesiger Potter-Fan, der hat mich dazu gebracht, die Bücher zu lesen – und ich fand die wirklich super. Sie sind wirklich außergewöhnlich gut. Ähnlich ging’s mir dann auch mit den Filmen.

SKIP: Was sagt denn jetzt Ihr Bruder dazu, dass Sie diese Rolle spielen?

Eddie Redmayne: Er ist total aufgeregt. Genau wie meine ganze Familie. Aber es war wirklich gemein: Ich musste eine superstrenge Geheimhaltungsklausel unterschreiben, und durfte wirklich gar nichts über die Filmhandlung erzählen, nicht mal meinen engsten Verwandten. Mein Bruder hat mich angefleht: „Erzähl mir wenigstens irgendwas! Ich bin doch dein Bruder!“ Und ich konnte nur sagen: „Nope, sorry.“ Wenigstens haben wir eine Newt-Actionfigur bekommen. Allerdings hatte die keine Sommersprossen, meine Frau musste erst welche draufmalen.

SKIP: Das „Potterversum“ ist ein multimediales Phänomen, außer Büchern und Filmen gibt es auch Themenparks, jede Menge Merchandise, Computerspiele usw. Was halten Sie von solchen Dingen?

Eddie Redmayne: Man kann das zynisch betrachten, klar – aber wenn man Fan ist, was gibt es Schöneres? Als ich Kind war, war ich Riesenfan der US-Cartoon-Serie Thundercats. Ich wünschte mir alle Actionfiguren, die es gab, und jede, die ich bekam, hat mich unglaublich glücklich gemacht. Warum sollte man das den Menschen nicht gönnen?

SKIP: Es wird voraussichtlich noch vier weitere Teile von Phantastische Tierwesen … geben. Mit welchen Gefühlen sehen Sie dem entgegen?

Eddie Redmayne: Ich will nicht zu lange darüber nachdenken, bevor es nicht sicher ist. Bei solchen Dingen ist es immer alles oder nichts: Ich habe vor Kurzem einen Pilotfilm für eine TV-Serie gedreht, die dann doch nicht in Produktion ging. So waren das 10 Tage Arbeit für mich – aber wäre die Serie tatsächlich produziert worden, hätte das für mich 7 Jahre bedeutet, und einen Umzug in die USA. Da darf man nicht zu viel drüber nachdenken.

SKIP: Sie haben also keine Angst for dem Franchise-Ungetüm?

Eddie Redmayne: Noch nicht (lacht). Es macht mir jedenfalls nichts aus, ein paar meiner Lebensjahre für diese Serie verkauft zu haben. Wissen Sie, ich habe mehrere Freunde, die bei Franchises mitmachen. Die einen können gar nicht erwarten, den nächsten Teil zu drehen, die anderen sagen nur: „Bitte, erschieß mich.“ (lacht)

SKIP: Und wie fühlt es sich an, jetzt die kompletten Erwartungshaltungen der Potter-Fans auf den Schultern zu tragen, die jetzt sehnlichst auf genau diesen Film – mit Ihnen in der Hauptrolle – warten?

Eddie Redmayne: Zum Glück ist hoher Erwartungsdruck nichts völlig Neues für mich. Als ich Stephen Hawking gespielt habe, wusste ich, dass er höchstpersönlich sich den Film anschauen würde. Oder bei The Danish Girl: Lili EIbe war eine Ikone der LGBT-Community, viele Leute hatten eine sehr klare Meinung darüber, wie man sie am besten darstellen sollte. Bei jedem Job gibt’s Gründe, schwer nervös zu werden. Bei diesem hier vielleicht ein paar mehr.

SKIP: Hat Ihnen J.K. Rowling auch beigestanden?

Eddie Redmayne: Ja, das hat sie. Ich habe sie erst eine Woche vor Drehbeginn kennengelernt, und es war total spannend, mit ihr über die Filmfiguren zu sprechen. Der Film deckt eine Zeitspanne von ein paar Tagen ab, aber sie kennt jede Figur ganz genau seit ihrer Geburt, jedes Detail ihres Lebens, jeder hat eine unglaublich dichte Vorgeschichte. Also konnte ich sie immer fragen, warum Newt irgendetwas macht, und es gab auch immer eine extrem schlüssige Antwort von ihr.

SKIP: Wie war es, mit ihr zu arbeiten?

Eddie Redmayne: Wunderbar. Großartig. Sie ist einerseits so fest verwurzelt in „ihrer“ Welt, aber andererseits auch so offen für Ideen und Anregungen.

SKIP: Ihre Kollegen sagen alle, dass Sie ein so ein netter Mensch sind. Ist das eins Ihrer Erfolgsgeheimnisse?

Eddie Redmayne: Ich weiß nicht (lacht) – oft ist „nett“ ja nicht unbedingt ein Kompliment, oder? Aber wissen Sie, am Set zu stehen und jemanden anderen zu spielen, das ist schon eine sehr eigenartige Tätigkeit. Und wenn ich mein Bestes geben soll, dann muss ich dabei so entspannt wie möglich sein. Aber am Set stehen 50 Leute um dich rum, die jede deiner Bewegungen beobachten und beurteilen. Das ist überhaupt nicht entspannend. Und wenn ich weiß, dass mich diese Leute um mich rum mich wenigstens nicht hassen, dann hilft das ein wenig. Wenn ich vermuten würde, dass sich der Kameramann die ganze Zeit denkt: „Was für ein Arschloch!“, dann könnte ich nicht gut arbeiten.

Interview: Gini Brenner, Foto: © Andrea Mühlwisch / November 2016

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