Vaterwitz

Interview mit Otto Schenk zu Liebe möglicherweise

Voriges Jahr feierte der wunderbare Otto Schenk ganz groß seinen 85er, nun kommt er mit einer kleinen, feinen Rolle ins Kino: in Liebe möglicherweise spielt er einen Vater, der seinen Sohn auf besondere Weise quält.

SKIP: Herr Schenk, Ihre Figur in Liebe möglicherweise könnte man durchaus als ein bisschen schwierig bezeichnen.

Otto Schenk: Naja, er ist so ein Mensch, der ständig mit dem Tod kokettiert, und eigentlich vor allem seinen Sohn damit pflanzen will. Er hat überhaupt so eine Hassliebe zu dem Buben. Es geht immer darum, dass sich die beiden nicht verstehen, aber trotzdem sehr lieb haben.

SKIP: Was hat Sie an dieser Rolle besonders gereizt?

Otto Schenk: Dass sie so vollkommen ernst geschrieben ist, aber sicher trotzdem einige seltsame Lacher hervorrufen wird. Ich bin aber nicht sicher, wann und wo – ich kümmere mich nicht um die Wirkung, sondern um die Echtheit. Wenn’s komisch ist, umso besser. Aber wenn man nur das Komische bedient, ausschließlich drauf aus ist, dann wird das ein gequältes Etwas. Auf diesem Gebiet wird ja viel gesündigt.

SKIP: Sie haben einmal gesagt „Ohne Humor bin ich schwer zu verkaufen“. Finden Sie, dass gute Komödie schwieriger oder einfacher ist als gutes Drama?

Otto Schenk: Es ist beides sehr schwer zu spielen. Die Leute packend zum Heulen zu bringen, ist schon sehr schwierig. Denn das ist ja der Sinn des Dramas, dass man glücklich weint. Zur Komödie gibt es oft nur mehr einen kleinen Schritt als Übergang – es ist ja alles Tragische auch nicht frei von Komik, Schwäche und Ungeschicklichkeit.

SKIP: Wenn man schon so viele Rollen gespielt hat wie Sie, wie schafft man es dann, sich jedes Mal wieder ganz neu auf eine Figur einzulassen?

Otto Schenk: Das kommt daher, dass jede Arbeit, jede Aufgabe für mich vollkommen neu ist. Es ist immer so wie beim ersten Mal. Ich verabscheue das, was man Routine nennt. Im Leben gibt es ja auch keine alten Situationen, da ist alles neu. Sogar dann, wenn man wütend ist, dass es schon mal da war.

SKIP: Der Film ist auch ein Porträt der Stadt Wien und ihrer Bewohner. Wie sehen Sie heute Ihre Beziehung zu Ihrer Heimatstadt?

Otto Schenk: Ich bin ihr im Laufe der Jahre eigentlich immer dankbarer geworden. Diese Stadt hat mir so viel ermöglicht, was man von Wien eigentlich gar nicht erwartet. Ich konnte meine Karriere gleich hier beginnen. Und auch das Wiener Publikum hat mich immer gehegt, fast ein bisschen verwöhnt. Ich kann sagen, dass ich wirklich ein dankbarer Wiener bin. Und dass ich mich im Ausland immer sehr geniere, wenn sich Wiener schlecht benehmen. Da fühle ich mich persönlich angegriffen.

SKIP: Sie haben 2015 Ihren 85. Geburtstag gefeiert. Wie wichtig ist es für Sie, nach wie vor zu arbeiten?

Otto Schenk: Naja, es bleibt einem nichts übrig. Wenn man etwas noch tun kann, und wenn danach verlangt wird, hat man eigentlich die Verpflichtung, es zu machen.

Interview: Gini Brenner / November 2016

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