Angst vor dem Weltall

Interview mit Jake Gyllenhaal zu Life

Am Set ist Jake Gyllenhaal noch nie feige gewesen – aber in den Weltraum fliegen, wie seine Filmfigur in Life, würde er niemals. SKIP erfuhr, warum.

SKIP: Würden Sie gern wirklich ins All fliegen?

Jake Gyllenhaal: Nein, überhaupt nicht! Ich persönlich verbinde, ehrlich gesagt, das Weltall vor allem mit „Angst“. Das Unbekannte ist ja das, wovor wir Menschen uns generell am meisten fürchten … und der Weltraum ist für mich das ultimativ Unbekannte. Außerdem bin ich ziemlich nachtblind. Schon seit meiner Kindheit. Immer, wenn wer sagte: „Oh, schau mal den wunderschönen Sternenhimmel an!“, war alles, was ich sah, graue Schatten auf schwarzem Grund (lacht). Und wenn man etwas nicht sehen kann, dann macht es ja noch mehr Angst. Ich finde, Astronauten sind die mutigsten Menschen der Welt. Die wahren Superhelden unserer Zeit.

SKIP: Was glauben Sie, wäre wahrscheinlicher, wenn wir tatsächlich Aliens entdecken würden: Dass sie uns freundlich gesonnen sind oder uns vernichten wollen?

Jake Gyllenhaal: Das Einzige, was ich weiß, ist, dass solche Begegnungen prinzipiell komplett anders verlaufen, als man sie sich vorstellt. Menschen tendieren ja dazu, Dinge in Entweder-oder-Szenarien einzuteilen, weil es einfacher ist. Aber nichts ist entweder total gut oder total böse. Ich glaube jedenfalls, dass wir weiter nach Leben im All forschen sollten. Ich glaube an die Neugier, an den Forscherdrang. Und wenn, dann sollten wir offen sein für das Neue,und lernbereit, und auch bereit, zu geben.

SKIP: Neugier ist ja nicht nur für Wissenschaftler eine wichtige Eigenschaft, sondern auch für Schauspieler …

Jake Gyllenhaal: Obwohl meine Art der Neugier definitiv nicht sehr wissenschaftlich ist (lacht). Aber ja, ich bin schon ein neugieriger Mensch, und ich versuche möglichst, auch Filme für neugierige Menschen zu machen. 

SKIP: In den letzten Jahren haben Sie ja auch einige recht riskante Karriere-Entscheidungen getroffen – ist das dieser Neugier zu verdanken? 

Jake Gyllenhaal: Ich glaube, ich habe in dee letzten Jahren einfach gelernt, auf mein Bauchgefühl, auf meine Instinkte zu hören. Zur Zeit habe ich das Privileg, meine Rollen aussuchen zu können, wer weiß, wie lange das so bleibt. Und ich habe das Gefühl, dass ich mich in die richtige Richtung bewege. Ich bin jemand der sich gerne auf das einlässt, was er gerade macht, mit vollem Einsatz, und ich suche nach Projekten, bei denen ich wirklich meine beste Performance geben kann … obwohl, jetzt wo ich das sage, weiß ich eigentlich gar nicht mehr so recht, was das eigentlich heißt.

SKIP: Wieso das?

Jake Gyllenhaal: Tja … weil ich finde, dass die Art und Weise, wie wir Dinge beurteilen, ziemlich daneben ist. Diese vorgegebenen Standards, wie etwas sein sollte, machen uns doch total kaputt im Schädel! Wir bekommen eine ganz genaue Definition von „Erfolg“ eingeimpft, und dann brauchen wir Jahre, um uns davon wieder zu befreien. Wissen Sie, ich trete in New York gerade mit einer Produktion des Musicals Sunday in the Park with George auf. Und eines Abends kam der Schauspieler Mandy Patinkin zu mir hinter die Bühne. Der ist eine Broadway-Legende – und der Mann, der damals in den 1980ern gemeinsam mit dem Komponisten Stephen Sondheim und dem Autor James Lapine die Rolle mitentwickelt hat, die ich jetzt spiele. Und Mandy hat mir ein ganz großes Kompliment gemacht. Und DAS ist es, was Erfolg für mich bedeutet.

Interview: Gini Brenner / April 2017

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