Nicht gemein sein

Interview mit Elisabeth Wabitsch zu Siebzehn

Der Sommer vor dem Erwachsenwerden: In Siebzehn gibt Jungschauspielerin Elisabeth Wabitsch ihr berückendes Kino-Debüt – und schon gibt’s die ersten Preise.

SKIP: Wärt ihr eigentlich befreundet, deine Filmfigur Paula und du?

Elisabeth Wabitsch: Ich weiß nicht, ob wir wirklich Freundinnen wären, weil wir uns teilweise recht ähnlich sind, und das ist oft eher ein Hindernis. Aber wir würden uns sicher gut verstehen, sie ist ja sehr nett zu ihren Freunden.

SKIP: Was mir aus der Perspektive der Generation vor deiner auffällt: Im Film gehen die jungen Leute alle viel respekt- und liebevoller miteinander um, als wir das damals getan haben. Seid ihr wirklich so?

Elisabeth Wabitsch: Ich denke schon, ja. Bei mir im Gymnasium war das eher in der Unterstufe, dass wir böse zueinander waren, aber das hat sich eigentlich gelegt. Je älter wir geworden sind, desto freundlicher sind wir geworden, weil es eh nichts bringt, zueinander gemein zu sein.

SKIP: Im Film ist es auch ganz selbstverständlich, dass es keine Grenzen zwischen Hetero- und Homosexualität gibt – Paula verliebt sich in eine Person, nicht ein Mädchen oder einen Burschen. Eine sehr realistische Sichtweise, aber im Kino nach wie vor außergewöhnlich …

Elisabeth Wabitsch: Das finde ich auch das Schöne an dem Film. Auch, dass es kein „Coming out“-Film ist, sondern dass es einfach egal ist, in wen man verliebt ist, Bursch oder Mädchen. Hier geht’s ja eher darum, was passiert, wenn man sich in jemanden verliebt, der gerade nicht zu haben ist. 

SKIP: Wie sehr kennst du diese Sichtweise aus deiner Lebensrealität?

Elisabeth Wabitsch: Bei uns in der Schule war es ganz ähnlich. Nicht immer reibungslos, es hat teilweise Missverständnisse gegeben, aber es wird immer mehr zur Normalität. Das ist ja auch der wünschenswerte Zustand, den wir als Gesellschaft erreichen sollten.

SKIP: Was auch auffällt, ist, dass es bei den Jugendlichen im Film eigentlich kaum um Eitelkeiten geht – Die Themen Beauty, Styling, Mode kommen gar nicht vor.

Elisabeth Wabitsch: Das stimmt, und das finde ich auch sehr angenehm. Weil’s für die Figuren im Film auch nicht so relevant ist. Für mich persönlich spielt das Thema Aussehen natürlich schon auch eine Rolle, aber ich versuche, dem nicht zu viel Bedeutung zu geben. Es ist sehr kraftraubend, wenn man sich da zuviele Gedanken macht. 

SKIP: Wie bist du eigentlich zur Schauspielerei gekommen?

Elisabeth Wabitsch: Ich hab schon mit 10 in meiner Heimatstadt Graz beim Jugendtheater angefangen, Schauspielunterricht genommen und bei Produktionen mitgewirkt. Dort habe ich auch vom Casting für Siebzehn erfahren.

SKIP: Der Film lief nun schon auf einigen Festivals, beim renommierten Filmfestival Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken wurdest du als beste Darstellerin ausgezeichnet.

Elisabeth Wabitsch: Ja, das war wirklich sehr cool. Ich habe überhaupt nicht gerechnet damit, dass ich da überhaupt nominiert werde, und dann war die Freude wirklich riesengroß. Echt ein arges Gefühl!

Interview: Gini Brenner / April 2017

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