Relax & kick it

Interview mit Wesley Snipes zu Blade II

Wesley Snipes ist der coolste Schwarze Hollywoods. So cool, dass er sogar Gegner des Horror- und Vampirfilm-Genres mit seinen Blade-Thrillern ins Kino lockt. Elisabeth Sereda bewunderte seine Sonnenbrillen, seine Lederjacke und seinen Schmuck, als sie ihn in Beverly Hills traf.

SKIP: Wesley, Sie tragen eine interessante Kette.

Wesley Snipes: Sie repräsentiert den Schlüssel des Lebens und hat die Form einer Frau. Das finde ich sehr passend.

SKIP: Was sind Ihre liebsten Vampirfilme?

Wesley Snipes: Nosferatu und Christopher Lee´s Dracula.

SKIP: Sie haben gerade Blade II abgedreht. Wodurch unterscheidet sich die Fortsetzung von Blade?

Wesley Snipes: Ich habe Blade jetzt entspannter angelegt Er hat genug Blut geleckt. Jetzt kann er endlich relaxen.

SKIP: Sie haben einmal gesagt, in jedem von uns steckt ein Teil von Blade.

Wesley Snipes: Das ist die Dualität in uns allen. Wir würden auch gern mal ausflippen und um uns beißen. Außer vielleicht Mutter Theresa ... (lacht).

SKIP: Haben Sie viel trainiert für Blade II?

Wesley Snipes: Ja, ich hatte 3 Jahre Zeit, mich vorzubereiten. Ich wollte etwas besser aussehen, obwohl ich ohnehin immer auf mich achte und meinen Körper stähle. Aber ich wollte auch mehr Kraft haben, dafür musste ich noch einmal ein spezielles Training absolvieren.

SKIP: Mit wem trainieren Sie?

Wesley Snipes: Mit chinesischen Karatemeistern. Ich habe die Shaolinschule in New York besucht. Jetzt trainiere ich auch indonesische Kampfsportarten.

SKIP: Mögen Sie diese typischen Hongkong-Movies?

Wesley Snipes: Ja, Jackie Chan, und alle anderen ... Ich liebe diese Einflüsse und es freut mich sehr, dass sie in Hollywood jetzt eine Chance haben.

SKIP: Worauf achten Sie besonders, wenn Sie die Fortsetzung eines Hits wie Blade II drehen?

Wesley Snipes: Ich bin wie die Blade-Polizei und weise immer darauf hin, wenn etwas nicht zum ersten Film passt. Ich achte auch darauf, dass sich Horror und Action immer die Waage halten und in Balance bleiben.

SKIP: Glauben Sie an Vampire?

Wesley Snipes: Ja, denen zahle ich doch Prozente von meiner Gage. In Hollywood tarnen sie sich als Agenten und Manager ... (lacht).

SKIP: Sie bleiben trotz Ihrer Actionfilme auch immer Charakterdarsteller. Wollen Sie anders sein als Van Damme und Co.?

Wesley Snipes: Für mich beginnt ein Film immer mit Schauspiel, nicht mit Action, selbst wenn ich den Demolitian Man spiele. Die Darstellung des Menschen steht im Vordergrund. Und ich arbeite an seinem Humor, das ist die Basis für die Rolle. Ohne Emotion gibt es keinen Part.

SKIP: Heuer waren zum erstenmal drei Afro-Amerikaner für den Oscar nominiert - hat sich Hollywood endlich geändert?

Wesley Snipes: Es war ja schon Zeit,oder? ... (lacht) ... Wir hoffen, dass das nicht nur heuer so war, sondern auch weiter so bleibt. Wir müssen auch einen Actionfilm da mal reinkriegen, das wär doch was.

SKIP: Sie haben im letzten Jahr außer Blade II auch noch Liberty Stands Still und Nature Boy gedreht - arbeiten Sie denn nur noch?

Wesley Snipes: Ich habe letztes Jahr sogar 4 Filme gedreht. Zigzag ist David Bowies Regiedebüt, ich spiele darin einen Grunge-Cracksüchtigen Vater, dessen Kind geistesgestört ist. Liberty Stands Still ist ein Politthriller, und Undisputed ist ein Boxerfilm mit Ving Rhames. Ving ist ein alter Freund von mir, den kenne ich schon aus der Volksschule.

SKIP: Sie gelten in Hollywood als religiös. Eine Filmzeitschrift hat Sie kürzlich als 'spirituell' bezeichnet. Was muss man sich darunter vorstellen?

Wesley Snipes: Sie sollen mich bezeichnen als was sie wollen, mir ist alles recht. Ich stehe auf alle Religionen.

SKIP: Welche Art von Religion praktizieren Sie genau?

Wesley Snipes: Alles. Was immer hilft, ist gut.

SKIP: Hatten Sie nicht auch ein Restaurant?

Wesley Snipes: Ja, China 1. Das mussten wir aber leider wieder schließen. Es befand sich in West Hollywood.

SKIP: Wie sehr sind Sie ihren Charakteren ähnlich? Gleichen Ihre Rollen bestimmten Bereichen Ihres Lebens?

Wesley Snipes: Nein. Darüber bin ich seit dem College weg, da musste ich einen Typen küssen, und sagte mir, das ist die Rolle, das akzeptiere ich, aber privat mache ich das nicht ... (lacht) ... Nein, ich lasse meine eigenen Meinungen lieber aus der Rolle draußen, die haben nichts damit zu tun.

SKIP: Was wäre die größte schauspielerische Herausforderung für Sie?

Wesley Snipes: (lacht) ... Einen richtig schlecht aussehenden Typen zu spielen. Ein echtes Mauerblümchen.

SKIP: Sie galten einmal als der Geheimtipp in Hollywood.

Wesley Snipes: Dieses Business ist ein ewiges Auf und Ab. Ich schwimme mit den Wellen und genieße es. Ein paar Jahre lang habe ich überhaupt keine Filme gedreht, weil ich wichtigeres zu tun hatte. Aber als Schauspieler habe ich noch viel vor. Ich freue mich darauf älter zu werden und echte Charakterrollen zu spielen. Die James Brown-Story zum Beispiel, und ich wollte immer schon die Miles Davis-Story verfilmen.

SKIP: Sie besitzen so nebenbei auch noch eine Security-Firma?

Wesley Snipes: Ja, The Sacred Guard of Amen-Ra. Damit beschütze ich Hollywoodstars und Companies. Ich engagiere Freunde aus dem Militärbereich und vom FBI und bezahle sie für ihre Expertise.

SKIP: Was wurde eigentlich aus Ihrem Black Panther-Project?

Wesley Snipes: Wir führen ernsthafte Gespräche darüber mit Harvey Weinstein. Wir wollen nächstes Jahr drehen. Das wird eine nette Herausforderung für mich als Schauspieler. Ich muss einen anderen Sound und einen anderen Gang entwickeln. Vielleicht muss ich sogar Strumpfhosen tragen ... (lacht).

SKIP: Haben Sie noch andere Pläne für Filme, die etwas außerhalb des Mainstream liegen? Oder werden Sie auch einmal Regie führen?

Wesley Snipes: Nein. Ich versuche gerade eine Basis aufzubauen als Company. Wir arbeiten an einem Zeichentrickfilm, an einer Geisterstory, an einem Actionfilm. Wir wollen das Profil der Firma erweitern und sowohl hier in den USA als auch international erfolgreich sein.

SKIP: Was haben Sie für Erinnerungen an die Terroranschläge vom 11. September?

Wesley Snipes: Die haben mein ganzes Haus zerstört. Mein Haus befand sich genau gegenüber des World Trade Center. An einem normalen Tag wäre ich gerade vom Training zurückgekommen und meine Frau und mein Baby wären tot gewesen. Aber wir waren alle in L.A., und somit hatte ich großes Glück.

SKIP: New York und L. A., sind das Ihre Stützpunkte?

Wesley Snipes: Nein. Ich bin mehr als ein Schauspieler, mehr als ein Actionstar, und betreibe eine Kunst, die ich überall ausüben kann. Ich muss nicht dauernd in Hollywood oder New York sein.

SKIP: Wie man hört, ist Musik ihr Freizeitvergnügen?

Wesley Snipes: Ja, mein größtes Hobby ist DJing. Ich besitze über 2000 Schallplatten, gut 4000 bis 5000 CDs, und zwar aus allen Musikrichtungen...

SKIP: Wie stehen Sie zur Gewalt in Blade II?

Wesley Snipes: Die ist in den Blade-Filmen doch auch nicht anders als in den Zeichentrickserien, die wir im TV sehen. Und es ist ja keine menschliche Welt, die wir hier zeigen, sondern eine Undergroundwelt voll von Zombies und Monstern.

SKIP: Wie ist die Moral von der Geschichte?

Wesley Snipes: Loyalität, ein Soldat lässt keinen zurück. Und Vertrauen in die Freunde.

SKIP: Analysieren Sie Ihre Filme?

Wesley Snipes: Nicht wirklich, dafür habe ich keine Zeit. Das Leben ist viel zu interessant als es damit zu verschwenden, Filme zu analysieren oder zu kritisieren, die nichts anderes als pures Entertainment sein sollen. Schon gar nicht, wenn ich ohnehin keine Kontrolle darüber habe.

SKIP: In seiner neuen Komödie Showtime sagt Eddie Murphy: 'Wir brauchen einen Wesley Snipes-Typen.' Macht Sie das jetzt nicht zum Super-Idol?

Wesley Snipes: Ich wünschte nur, das würde sich auch in meinen Gehaltsschecks niederschlagen. Dann könnte mich Eddie von mir aus in allen seiner Filme erwähnen. Nein, im Ernst, ich finde es eigentlich sehr seltsam. Noch schlimmer ist es, wenn man sich auf einem Rap-Album wiederfiindet. Da tanzt man sich einen ab in irgendeinem Club und plötzlich sagt einer 'Wesley Snipes'. Seltsam ist das einzig richtige Wort für das, was man da empfindet.

SKIP: Was wären Sie eigentlich, wenn Sie nicht Schauspieler geworden wären?

Wesley Snipes: Ein forensischer Wissenschafter, weil es mich fasziniert, Dinge zu entdecken und den Background dazu zu erforschen.

Interview: März 2002

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