Zweifler aus dem Zwielicht

Interview mit Robert Pattinson zu Good Time

Mit seiner gänzlich uneitlen, fesselnden Performance in Good Time beweist Robert Pattinson erneut eindrucksvoll, dass man ihn unbedingt zur Riege der gegenwärtigen Leinwandgrößen zählen muss. Vor Selbstzweifeln ist er deswegen aber noch lange nicht gefeit – wie er SKIP heuer in Cannes verraten hat.

SKIP: Wie war der Dreh mit gleich zwei Regisseuren?

Robert Pattinson: Anstrengend! Die beiden haben die ganze Zeit gestritten. (lacht) Es ging ziemlich hektisch zu. Wenn ständig zwei Leute gleichzeitig auf einen einreden, ist das manchmal ganz schön verstörend.  

SKIP: Ihre Rollen werden immer ungewöhnlicher – wonach suchen Sie sich die aus?

Robert Pattinson: Ich weiß nicht, ich schaue einfach, dass ich etwas finde, was nicht so vorhersehbar ist. Ich mag gerne Drehbücher, bei denen ich noch nicht auf der 5. Seite weiß, wie die Geschichte ausgeht. Und ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich mir zum letzten Mal einen Mainstream-Film angesehen habe und mir gedacht habe „Wow!!“ Obwohl ich mir zur Entspannung Superheldenfilme eigentlich gern anschaue.

SKIP: Wollten Sie in so einem noch nie mitspielen?

Robert Pattinson: Ich glaube, dafür braucht es eher Leute, die wirkich davon überzeugt sind, die Welt retten zu können. Ich brächte höchstens das Gegenteil davon zusammen. (lacht)

SKIP: Sie drehen andauernd, haben Sie nie den Drang, sich mal einfach nur gemütlich in die Sonne zu legen? Leisten könnten Sie es sich ja …

Robert Pattinson: Ach, ich verbringe wahrlich genug Zeit damit, herumzusitzen und nichts zu tun, keine Sorge! Eigentlich die meiste Zeit des Jahres, wenn ich’s recht betrachte. (lacht) Aber ich drehe wirklich sehr gerne, auch wenn ich’s immer wieder als Herausforderung betrachte. Immer, wenn ich einen neuen Film beginne, denke ich zuerst „Mein Gott, was mache ich hier, ich verstehe doch nichts davon, ich bin ein Volltrottel!“ Es ist immer, wie einen riesigen Berg zu besteigen. Und das Schwierigste für mich ist, mich selbst davon zu überzeugen, dass ich das schaffe.

SKIP: Hatten Sie immer schon Selbstzweifel?

Robert Pattinson: Oh ja, klar. Und je älter ich werde, desto schlimmer wird das. Aber ich sehe sie nicht als Plage, ganz im Gegenteil. Ich pflege sie. Auch wenn ich meiner Umwelt damit kräftig auf den Hammer gehe, weil ich mir bei allem sofort das Worst-Case-Szenario vorstelle. Vor Cannes war ich so nervös, weil ich die ganze Zeit nur überlegt habe, welche Katastrophen passieren könnten. Schließlich habe ich eine so arge allergische Stressreaktion bekommen, dass sich sogar die Haut meiner Augenlider abgeschält hat. Am Tag vor der Premiere kam sogar Blut. Was für ein Look! (lacht)

SKIP: Wann können Sie sich denn dann mal entspanntzurücklehnen? Nach der Premiere?

Robert Pattinson: Ja, für vielleicht 5 Minuten. (lacht) Dann fange ich sofort damit an, nach den schlechten Filmkritiken Ausschau zu halten. 

SKIP: Sie sehen in Good Time sehr unglamourös aus, richtig normal …

Robert Pattinson: Das war auch wichtig, weil wir viel auf der Straße und auch mit Laiendarstellern gedreht haben. Und wir wollten überall drehen können, ohne dass die Leute rundherum merken, was wir da tun. Es war faszinierend, wie man so regelrecht unsichtbar werden kann. In einer  Szene spiele ich etwa einen Security-Mann und war offenbar sehr überzeugend. Ich bin im Lift mit einem Bewohner des Hauses gefahren, der wusste, dass hier gerade ein Film gedreht wird. Und der hat mir ins Gesicht gesehen und gefragt: „Hey, bist du Bradley Coopers Leibwächter?“ (lacht)

SKIP: Bedeutet das nicht auch, dass der Twilight-Hype jetzt endlich wirklich vorbei ist?

Robert Pattinson: Ich weiß nicht, ich finde die Idee ja schön, dass diese Filme in den Köpfen der Leute immer noch herumspuken, und dass meine anderen Performances immer noch damit verglichen werden. Ich hatte auch nie das Gefühl, dass das jetzt eine Bürde wäre, die ich abschütteln muss.

Interview: Kurt Zechner / Juni 2017

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