Picknick statt Hektik

Interview mit Diane Lane zu Paris kann warten

„Es ist so selten, dass man einen Film machen kann, in dem es einfach um etwas Schönes geht!“ Im SKIP-Interview zu Paris kann warten erzählt Diane Lane vom Genuss abseits der Internet-Bewertungsportale.

SKIP: Sie sind ja eine Veteranin des Filmfestivals von Cannes, und kennen das Showbiz seit Jahrzehnten ganz genau. Wie war es, jemand zu spielen, der den Zirkus dort von außen betrachtet?

Diane Lane: Es war wirklich sehr interessant. Ich meine, meine Filmfigur glaubt ja anfangs, sie kann in Cannes Ferien machen, und dann ist sie doch nur Teil einer Arbeitsreise ihres Ehemanns. Und es ist nicht toll, die Unsichtbare zu sein. In jeder Beziehung sollte es eine Balance geben, jeder sollte einmal der oder die Wichtige sein dürfen, aber Anne ist es irgendwie nie.

SKIP: Sie haben mehrere Filme mit Francis Ford Coppola gedreht, kennen seine Frau Eleanor seit ewig – wie war es, jetzt auch einmal mit ihr zusammenzuarbeiten?

Diane Lane: Wir kannten uns zwar, aber nicht wirklich gut – sie war nie wirklich präsent am Set, sie hat immer ihre respektvolle Distanz zu seiner Arbeit gehalten und sich vor allem um die Familie gekümmert. Als ich mit Francis gedreht habe, waren die Kinder ja noch klein. In Rumble Fish hat Sofia Coppola meine kleine Schwester gespielt – sie war damals acht Jahre alt!

SKIP: Und jetzt macht sie ihre eigenen Filme …

Diane Lane: Und gewinnt Regiepreise, wie gerade in Cannes! Ich freue mich total für sie.

SKIP: Wie war der Dreh? Es hat gewirkt, als ob Sie alle eine Menge Spaß gehabt hätten.

Diane Lane: Hatten wir auch! Und es freut mich, dass man das merkt. Es ist so selten, dass man einen Film machen kann, in dem es einfach mal um etwas Schönes geht, und darum, wie man Dinge genießen kann. Ganz ohne all diese Elemente, die man aus dem „typischen“ US-Kino gewohnt ist: Rache, eine verbotene Affäre, das Ende einer Ehe, Aliens, Explosionen (lacht). Aber es hat mir auch sehr viel Spß gemacht, diese „typische“ Amerikanerin zu spielen, bei der immer alles streng nach Plan gehen muss.

SKIP: Ein Klischee?

Diane Lane: Ja, aber deshalb, weil es stimmt. ich kenne wirklich nicht viele Amerikaner, die irgendwas spontan machen können. Der einzige Grund, vom Plan abzuweichen, ist, dass er aus irgendeinem Grund nicht funktioniert … es gibt wenig Raum für Spontaneität in unserem modernen Leben, alles ist vorgeplant, alles ist kartografiert – im wahrsten Sinne des Wortes. Jeder schaut immer alles im Internet nach, und wenn sie dann dort sind, sagen sie: „Hach, das sieht genauso aus wie aus dem Foto, das ich online gesehen habe!“ Ich stehe mehr auf die altmodische Version der Realität, wo man Sachen neu entdeckt, anstatt sich zuerst online einen Überblick zu verschaffen und sich dann zu entscheiden, welche Version der Wirklichkeit man erleben will. Ich schalte gerne einen Gang runter, und genieße, was ich um mich herum sehe.

SKIP: Das passt gut zu diesem Film: Auf den ersten Blick scheint es ja, dass es hier um eine kleine, nette Geschichte geht, aber in Wahrheit dreht es ich um die ganz großen Dinge des Lebens.

Diane Lane: Es freut mich sehr, dass das so herauskommt. Es ist sicher schwer, das jemandem zu erklären, der den Film noch nicht gesehen hat, und der sich gerade im Megaplex entscheiden soll, welchen Film er sich anschauen will – und wenn’s in den anderen Sälen um Aliens geht oder darum, die Welt zu retten. Unser Film ist ein sehr schöner Kontrast dazu, und eine sehr gesunde Alternative wie ich finde. Ich find’s ja fein, dass die Tatsache, dass Eleanor tatsächlich als 80-Jährige ihr Spielfilmdebüt gemacht hat, ein wenig Aufmerksamkeit auf Paris kann warten lenkt.

SKIP: Sie kennen aber auch die Blockbuster-Welt durchaus gut, Sie sind Teil des Man of Steel-Franchise, in dem Sie Supermans Mutter spielen – das nächste Mal in Justice League (ab 7.11.2017 im Kino, Anm.).

Diane Lane: Ja, das ist ein schöner Kontrast. Ich finde es toll, wie man bei uns sagt, meine Ruder in verschiedenen Wassern zu haben.

Interview: Gini Brenner, Foto: © TOBIS Film GmbH / Juli 2017

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