Partycrasher

Interview mit Cillian Murphy zu The Party

In Sally Potters The Party spielt er einen zynischen Banker, in unserem Coverfilm Dunkirk einen verzweifelten Soldaten – im SKIP-Talk in Berlin gab er den freundlichen Feschak.

SKIP: In The Party geht es teilweise extrem schwarzhumorig zu …

Cillian Murphy: Sally hat uns von Anfang an klargemacht, dass das eine schwarze Komödie werden soll. Und das ist für mich sowieso die beste Art von Humor: Wenn man über etwas lacht und sich plötzlich denkt, fuck, ich sollte darüber wohl gar nicht lachen, aber es ist so komisch!

SKIP: Das Schräge ist auch, dass alle Figuren bei der Party dableiben, obwohl der Abend immer mehr aus dem Ruder läuft.

Cillian Murphy: Ich habe Sally beim Dreh oft gefragt, warum meine Figur nicht einfach abhaut. Aber das ist so wie bei irgendeiner Prügelei bei einer Party oder einem Eklat bei Weihnachtsessen: jeder wird von diesem Konflikt fast wie magisch angezogen und bleibt anstatt einfach zu gehen.

SKIP: Dieser Film ist zwangsläufig sehr politisch. Fühlen Sie sich als Schauspieler gezwungen, auch ein politisches Statement abzugeben oder finden Sie, Ihre tatsächlichen Meinungen sind Ihre Privatsache?

Cillian Murphy: Ich möchte vordringlich durch meine Arbeit sprechen. Und man sucht sich seine Jobs auch danach aus, welchen Standpunkt Leute vertreten, mit denen man arbeiten möchte. Wenn man einen Sally-Potter-Film macht, weiß man ja, dass da immer auch ein sehr politischer Standpunkt klargemacht wird. Das halte ich für wichtig, und da dabei zu sein ist, wenn man so will, mein politischer Ausdruck, da brauche ich eigentlich nichts mehr dazu sagen. Wenn mich jemand nach meiner persönlichen Meinung zu etwas fragt, gebe ich natürlich Antwort, aber als Sprecher von irgendeiner politischen Agenda sehe ich mich nicht so gerne.

SKIP: Wie würden Sie einen Film wie diesen mit der Arbeit an einer großen TV-Serie wie z. B. Peaky Blinders vergleichen?

Cillian Murphy: Das ist recht einfach: Wir haben diesen Film in zwei Wochen abgedreht, bei Peaky Blinders drehen wir üblicherweise vier Monate. Da muss man einfach unfassbar viele Seiten durchackern, manchmal ist man da nur mehr so was wie eine zeilenlernende Maschine.

SKIP: Sie machen viele sehr große Produktionen und dann wieder kleine feine Filme wie diesen hier. Würden Sie denn auch mal bei einer großen Comic-Verfilmung mitmachen, als Batman z. B.?

Cillian Murphy: Naja, das ist für mich mittlerweile wohl schon gegessen, denke ich, zumal mich Chris Nolan ja dann eh schon als Batman-Bösewicht eingesetzt hat (lacht). Aber generell liegt für mich der Unterschied zwischen einem Independent-Film und einem großen Studio-Film nur bei den Ressourcen. Und der Zeit. Und natürlich bei der Größe des Trailers und beim Catering (lacht). Gute Geschichten können jedenfalls in beiden Systemen erzählt werden, und man muss nicht einer Seite des Kinos kategorisch den Rücken zuwenden.

SKIP: Sie sind vor Kurzem vierzig geworden. Eine neue Lebensphase?

Cillian Murphy: Ich hatte jedenfalls kein Problem, vierzig zu werden, hab es sogar genossen. Und das Coole ist, dass ich jetzt auch Väter spielen darf, ich bin ja selbst auch Vater. Ich finde einfach, man muss sein Alter auch irgendwie annehmen können. Man kann nicht immer noch wie ein 25-Jähriger leben, wenn man vierzig ist. Ok, viele machen das, und wir kennen einige davon (lacht). Aber das ist nicht gut. Ich versuch jedenfalls irgendwie mit meinem richtigen Alter zu leben.

Interview: Kurt Zechner, Foto: © Filmladen / Juli 2017

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