Monkey Business

Interview mit Andy Serkis zu Planet der Affen: Survival

Andy Serkis ist mit seinen Rollen wie in Planet der Affen einer der Pioniere der Motion-Capture-Schauspielerei. Daneben ist er noch Studioboss, Regisseur und Vater dreier Kinder – aber am Ende geht sich immer alles aus, wie er im Interview erzählt.

SKIP: Dies ist nun Ihr letzter Film mit Caesar. Wird er Ihnen fehlen?

Andy Serkis: Ja, sehr. Und meinen Kindern erst! Sie sind ja mit mir in dieser Rolle aufgewachsen, es hat sie wirklich getroffen.

SKIP: Inwieweit hat sich Ihre Sichtweise von Affen, besonders Menschenaffen, durch diese Rolle eigentlich verändert?

Andy Serkis: Immens. Caesar ist ja nicht mein erster Affe, ich habe ja schon King Kong gespielt. Und als Peter Jackson mich damals fragte, ob ich ihn spielen will, fragte ich mich ja noch: Wie kreiert man eine interessante Persönlichkeit für einen Affen? Noch dazu einen, der siebeneinhalb Meter groß ist? Aber dann habe ich über Gorillas recherchiert. Und je mehr Zeit ich mit ihnen verbracht habe, desto mehr ist mir aufgefallen, wie sehr jeder von ihnen eine eigene Persönlichkeit ist, wie viel Charakter sie haben. Sie sind so verschieden wie Sie und ich. Ich habe sie irgendwann wirklich nicht mehr als Affen gesehen, sondern als richtige Individuen.

SKIP: Haben Sie für Planet der Affen nun Schimpansen beobachtet?

Andy Serkis: Nein, nicht wirklich – Caesar ist ja bei Menschen aufgewachsen, also selber recht menschlich. Ich habe mich vor allem auf sein Gefühlsleben konzentriert.

SKIP: Es geht ja auch um sehr viel Persönliches in diesem Film, um Vaterschaft, Verlust von Kindern …

Andy Serkis: Ja, und das ging mir, der ich selber Vater von drei Kindern bin, natürlich auch sehr nahe. Man bringt da viel von seinen eigenen Gefühlen ein.

SKIP: Wie war der Dreh? Die Handlung spielt ja vor allem im Schnee …

Andy Serkis: Ja, der Dreh war sehr hart. Nicht nur weil wir fast nur in eisiger Kälte und Dunkelheit gefilmt haben, es war auch persönlich eine recht harte Zeit für mich – jemand aus meiner Familie war kurz davor gestorben. Es war keine leichte Zeit für mich.

SKIP: Sie sind Schauspieler, haben ein eigenes Studio, und drei Kinder – wie bringen Sie Beruf und Familie unter einen Hut?

Andy Serkis: Meine Frau Lorraine Ashbourne ist ja auch berufstätig als Schauspielerin, also ist das alles wirklich sehr kompliziert! Noch dazu, wo meine Kinder jetzt auch alle drei mit der Schauspielerei anfangen. Aber sie sind damit aufgewachsen, ich habe immer versucht, sie möglichst überall dabeizuhaben. Sie sind mit mir beim Der Herr der Ringe-Dreh in Neuseeland gewesen, bei Planet der Affen: Prevolution (2011, Anm.) waren sie auch noch dabei am Set in Kanada. Aber es wird immer schwieriger, je älter sie werden, sie haben ihr eigenes Leben, ihre eigenen Freunde, und natürlich die Schule.

SKIP: Wenn Sie nun immer öfter selber Regie führen, wird das dann leichter, weil sie selber den Zeitplan machen?

Andy Serkis: Nein, sogar eher schwieriger. Einen Film zu machen, ist ein riesengroßes Unternehmen, da hat wirklich nicht viel daneben Platz. Aber meine Frau und meine Kinder sind sehr nachsichtig mit mir – und irgendwie schaffen wir das. Irgendwie (lacht).

SKIP: Sie sind einer der Pioniere der Motion-Capture-Schauspielerei. Wenn sie da an die Anfänge zurückdenken, was hat sich da verändert?

Andy Serkis: Die Technologie hat sich entwickelt, klar, die Kameras und die Ausrüstungen sind besser geworden. Aber wissen Sie, nach Der Herr der Ringe dachte ich mir: Das war eine großartige Erfahrung, eine tolle Rolle, eine einmalige Sache, und jetzt gehe ich wieder zurück zum „normalen“ Schauspiel. Dann kam Peter Jackson mit King Kong, das war irgendwie wirklich aufregend für mich – denn das hieß ja, dass jeder Schauspieler alles spielen kann, das Ende des Typecastings! Man ist nicht mehr beschränkt darauf, was man ist, man kann alles sein, was man will! Und das hat meine Passion für diesen Beruf noch viel mehr befeuert. Ich bin so froh, dass ich nach Gollum damit nicht aufgehört habe.

SKIP: Aber Sie sind schon froh, dazwischen auch mal wieder Ihr wahres Gesicht herzuzeigen, oder?

Andy Serkis: Ja, natürlich. Kommenden Februar gibt’s mich im Marvel-Actionabenteuer Black Panther zu sehen, da spiele ich wieder den Ulysses Klaue. Ein wunderbarer Schurke, der hat unheimlich viel Spaß gemacht.


Zur Person: Andy Serkis

Andy Serkis wurde 1964 in Ruislip Manor (GB) geboren, ist seit 2002 mit Lorraine Ashbourne verheiratet und hat drei Kinder (17, 14 und 13 Jahre alt). Neben Gollum, King Kong und Caesar spielte er u. a. die computergenerierten Figuren Kapitän Haddock in Steven Spielbergs Die Abenteuer von Tim und Struppi, den Supreme Leader Snoke in Star Wars: Das Erwachen der Macht und Balu in Das Dschungelbuch, der kommendes Jahr startet, und bei dem er auch Regie führte.
2011 gründete Serkis die Produktionsfirma The Imaginarium, die sich auf Motion Capturing spezialisiert.

Interview: Gini Brenner / August 2017

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