Alles im Griff

Interview mit Gillian Anderson zu Der Stern von Indien

Sie schreibt Bücher, dreht für TV und Kino, engagiert sich für Charities und hat dazwischen auch noch Zeit für ein SKIP-Interview: In Berlin sprachen wir mit X-Files-Legende Gillian Anderson über ihre Rolle in Der Stern von Indien.

SKIP: Edwina Mountbatten, die Ehefrau des letzten Vertreters der britischen Krone in der Kolonie Indien, war eine hochinteressante Frau. Was hat Sie an ihr fasziniert?

Gillian Anderson: Vieles! Z. B. die Tatsache, dass sie so gut wie nicht geschlafen hat. Sie ist in aller Früh aufgestanden, hat sich keinen Moment der Ruhe gegönnt, und ist lang nach Mitternacht erst ins Bett gegangen. Außerdem war sie völlig furchtlos. Man muss sich mal vorstellen, welche Transportmittel es damals gab – alleine die Flugzeuge, in die man sich irgendwie hineinschnallte, die nicht mal richtige Sitze hatten. Und sie war ständig im ganzen Land unterwegs und hat versucht, zwischen den einzelnen regionalen Fürsten zu vermitteln und Frieden zu stiften.

SKIP: Wie viel haben Sie vor dem Dreh über die britisch-indische Geschichte gewusst?

Gillian Anderson: Nicht viel, das Meiste war neu für mich. Ich wusste, dass Großbritannien 300 Jahre lang Indien regiert hat. Aber wie sehr die Entscheidungen von ein paar weißen Männern aus Whitehall (die Londoner Straße, an der zahlreiche Regierungsgebäude stehen, Anm.) das Leben von Hunderten Millionen Menschen für Generationen maßgeblich beeinflusst haben, war mir in der Form nicht bewusst.

SKIP: Sie haben auch mit Edwinas Tochter gesprochen, und viel über sie erfahren, was gar nicht im Drehbuch steht …

Gillian Anderson: Ja, das stimmt, sie war ein wirklich sehr ungewöhnlicher Mensch. Oft sehr launisch und unberechenbar. Aber im Film wird das nicht breitgetreten – es ist ja kein Porträt ihrer Persönlichkeit, es geht mehr um die Geschichte, in der sie eine zentrale Figur war.

SKIP: Glauben Sie, dass sie eine Feministin war?

Gillian Anderson: Ja, absolut, klar! Es gibt ja den alten Spruch: „Hinter jedem großen Mann steht eine starke Frau.“

SKIP: Stimmen Sie dem zu?

Gillian Anderson: Es ist sicher öfters so als umgekehrt, weil Frauen halt seltener in der ersten Reihe stehen. Andererseits sagt man auch, dass Frauen, die mit mächtigen oder genialen Männern zusammen sind, öfters verrückt werden (lacht).

SKIP: Ms. Anderson, Sie haben in der letzten Zeit ziemlich viel gemacht: Die neuen X-Files-Staffeln, die Serie The Fall, mehrere Filme, sie haben Romane geschrieben, sind für Charities aktiv …

Gillian Anderson: Ich bin nicht gut beim Nichtstun. Ich rede seit Jahren davon, dass ich mal einen Gang runterschalten sollte und alles langsamer angehen, aber ich kann das einfach nicht. Es ist schwierig für mich, immer wenn ich mir ein bisschen Luft geschaffen habe, um ein bisschen runterzukommen, fällt mir wieder irgendein Projekt ein, das ich dringend umsetzen möchte. Ich bin eigentlich ständig am Arbeiten, aber anscheinend ist das halt so, wie ich bin.

SKIP: Sind Sie Workaholic?

Gillian Anderson: Das hoffe ich dann doch nicht, die größte Priorität in meinem Leben haben – hoffentlich – immer noch meine Kinder. Aber gleich dahinter kommt sicher immer das Projekt, an dem ich gerade arbeite.

SKIP: Ist es eigentlich ok für Sie, wenn Sie immer noch in erster Linie mit Ihrer Rolle als Scully in den X-Files identifiziert werden?

Gillian Anderson: Ok oder nicht – ich habe da keine große Wahl (lacht). Ich kann’s nicht ändern. Es gab sicher eine Zeit, in der mir das extrem auf die Nerven gegangen ist. Aber irgendwann hab ich dann kapiert, dass das einfach immer ein Teil meines Lebens sein wird. Und ein großes Geschenk: Nur ganz wenige Schauspieler bekommen die Gelegenheit, in so einer bahnbrechenden Serie mitzuspielen, die derart bekannt und beliebt ist.

SKIP: Werden Sie oft auf der Straße angesprochen?

Gillian Anderson: Es ist lustigerweise von Tag zu Tag unterschiedlich. Manchmal renne ich den ganzen Tag in der Stadt herum und keinen kümmert’s. Und dann wieder redet mich jeder Zweite an. Ich weiß wirklich nicht, woran das liegt, aber vielleicht wäre das Stoff für eine X-Files-Folge.

Zu Person: Gillian Anderson

Gillian wurde 1968 in Chicago geboren, und wuchs in London und Michigan auf. Als Teenager begann sie am Schultheater. Ihre Karriere begann in New York am Theater. 1993 castete sie Chris Carter für die Serie Akte X – die 2017 wiederbelebt wurde. Sie arbeitet regelmäßig für Film, Theater und TV (The Fall, American Gods). Außerdem schreibt sie Romane (The Earthend Saga) und engagiert sie sich für Menschen-, Frauen- und Kinderrechte. Anderson hat drei Kinder: Piper Maru (22), Oscar (10) und Felix (8).

Interview: Gini Brenner / August 2017

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