„Übergriffe gibt es überall“

Interview mit Birgit Minichmayr zu Tiere

In Greg Zglinskis Tiere spielt Österreichs Schauspielstar Birgit Minichmayr eine Ehefrau in Psycho-Nöten. Wir sprachen mit ihr über heimatliche Verstrickungen und die #metoo-Debatte.

SKIP: Was hat Sie an dieser Rolle so besonders angezogen?

Birgit Minichmayr: Ich habe das Drehbuch gelesen und war gleich hellauf begeistert. Es ist wirklich außergewöhnlich, so herrlich unpsychologisch und außerhalb aller Genre-Grenzen.

SKIP: Gab es eigentlich irgendwann einmal einen Punkt, wo Sie die Geschichte wirklich verstanden haben?

Birgit Minichmayr: Ich glaube, da geht es gar nicht ums Verstehen. Das ist keine Geschichte, auf die man sich einlässt, weil sie so klar erscheint – im Gegenteil. Und genau das hat mich daran interessiert, dass man eben nicht alles serviert bekommt, dass man nicht erklärt bekommt: „Das waren die Beweggründe, und deshalb ist das und das passiert, und deswegen dann so ausgegangen.“ Allerdings: Beim Spielen gab’s für mich immer Klarheit.

SKIP: Ihr Zusammenspiel mit Co-Star Philipp Hochmair ist beeindruckend.

Birgit Minichmayr: Wir kennen uns auch schon ziemlich lang, noch von der Schauspielschule her. Und anscheinend gibt’s da diese unbewussten – wie soll ich das nennen – „Verstrickungen“ heimatlicher Art. Dadurch, dass wir beide Oberösterreicher sind, gibt’s eine sofortige Nähe. Ein gemeinsamer Dialekt oder eine gemeinsame Herkunft lässt einen wirklich anders miteinander umgehen, einander vertrauter erscheinen. Das hätte ich mir früher nie gedacht, aber es ist so.

SKIP: Wie wichtig ist Ihnen die Botschaft von dem, was Sie spielen? Gibt es Rollen, die Sie nie annehmen würden?

Birgit Minichmayr: Das kann ich nicht so punktuell beantworten. Aber es gibt durchaus Rollen, die ich abgelehnt habe, weil ich mich mit dem Thema nicht beschäftigen wollte.

SKIP: Sind Sie ein politischer Mensch?

Birgit Minichmayr: Ja, das denke ich schon. Aber ich dränge mich mit meiner politischen Meinung nicht in die Öffentlichkeit.

SKIP: Wie geht’s Ihnen mit der #metoo-Debatte?

Birgit Minichmayr: Ich finde das wichtig, dass die Frauen nach wie vor den Finger auf diese Wunde legen. Ich finde allerdings, dass die Debatte nicht auf das Showbusiness beschränkt sein sollte. Auch in anderen Berufen hat man leider Übergriffe von männlicher Seite. Oder besser: Übergriffe von mächtiger Seite. Das ist ja vor allem ein Machtmissbrauch in sexualisierter Form. Die Geschichten, die da jetzt alle auftauchen, sind eine ganz, ganz schlimme Sache. Und auch wenn es sich bei Weinstein wahrscheinlich um einen krankhaften Extremfall handelt, ist es trotzdem kein Einzelfall. Die Übergriffigkeit des schlecht erzogenen Mannes geht in alle Bereiche. Ich finde es absolut an der Zeit, vehement auf einen würdevollen, wertschätzenden Umgang im Miteinander trotz hierarchischer Strukturen zu bestehen.

Interview: Gini Brenner / November 2017

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